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Höher, schneller, krasser: Bis Sonntag gastiert die Weltelite des Extremsports im Olympiapark. Zum ersten Mal finden die amerikanischen „X Games“ in Deutschland statt. Der Stil ist lässig, dahinter steckt jedoch eiserne Disziplin. Die Fans sind begeistert.

Olympiapark

X-Games: Gipfeltreffen der Grenzgänger

München - Höher, schneller, krasser: Bis Sonntag gastiert die Weltelite des Extremsports im Olympiapark. Zum ersten Mal finden die amerikanischen „X Games“ in Deutschland statt. Der Stil ist lässig, dahinter steckt jedoch eiserne Disziplin. Die Fans sind begeistert.

A bisserl boarisch is scho – trotz Big Air, Slopestyle und Vert Ramp. Der Skatepark im Eisstadion ist im Landhausstil gehalten, junge Frauen im Dirndl präsentieren die Siegermedaillen. Als US-Rapper Macklemore am Mittwochabend stolz verkündete, er habe schon 15 Brezn gegessen, tobte die Menge. Fehlt nur noch die Blasmusik.

Aber davon abgesehen regiert im Olympiapark der amerikanisch geprägte Superlativ des Extremsports. Es geht um die höchsten Sprünge, die meisten Drehungen, die krassesten Tricks. Mehr als 200 Skateboarder, Rallysportler, Mountain Bike-, BMX- und Motorradfahrer sind bei den „X Games“ im Olympiapark zu Gast (siehe Sport). Im Eisstadion, also in der „Bowl“, geht es dabei noch geradezu harmlos zu. Die Bowl kann man sich vorstellen wie einen großen Swimming Pool, aus dem jemand das Wasser gelassen hat. 45 Sekunden haben die Skateboarder Zeit, in einem möglichst perfekt gefahrenen Lauf möglichst viele Tricks unterzubringen.

Im Publikum sitzt der zwölfjährige Niklas Knoppik, mit Skateboard im Arm und dickem blau-violetten Auge. „Da ist mir beim Fußball einer reingelaufen“, erklärt Niklas. Beim Skaten hat er sich auch schon verletzt, war aber nie so schlimm. Seit fünf Jahren ist er mit seinem Brett regelmäßig in Skateparks unterwegs. „Wenn man springt, fühlt man sich wie auf einer Wolke“, sagt er.

Vielleicht wird Niklas irgendwann so ein Vollblutskater wie Luca Tucci, der sich eigens einen Turnbeutel mit der Aufschrift „I love Skating“ bedrucken hat lassen. „Es ist der Wahnsinn, dass die X Games hier sind“, freut sich der 22-jährige Münchner. „Die Sportler hier sind auch sehr zugänglich“, ergänzt sein 24-jähriger Kumpel Florian Eichinger. Vorhin sei sogar Tony Hawk hier umherspaziert, der mehr als 80 Skateboard-Tricks erfunden und schon 18 Videospielen seinen Namen geliehen hat.

Schaut man sich in den Hallen und auf dem Parkgelände um, fällt auf: Es sind vor allem junge Männer, die hier unterwegs sind. Lässig gekleidet, mit weiten Shirts und Schirmmützen. Die Sportler selbst sind die Stilikonen, an Ständen auf dem Gelände präsentieren sich die zum Lebensgefühl passenden Marken: Zoo York, Volcom, Oakley. Doch bei den Sportlern zeigt sich: Hinter dem betont lässigen Kleidungsstil steckt harte Disziplin. Wer nicht Weltspitze ist, wird gar nicht erst zu den X Games eingeladen.

Deshalb ist es die Crème de la Crème der Szene, die in der Halfpipe auf dem Olympiasee Air-Tricks und Slides zeigt. Trotzdem geht auch mal was schief – wie bei Marcelo Bastos, der am Donnerstagabend mit den Rollen an der 4,33 Meter hohen Kante hängen blieb und auf den Rücken stürzte. Nach wenigen Sekunden stand er jedoch wieder. „Sowas passiert halt mal“, kommentiert Skateboarder Luca Tucci.

In der Welt des Extremsports geht es immer auch um spektakuläre Bilder. Was deshalb auch nicht fehlen darf: Ein Stand von „GoPro“, dem Hersteller der kleinen Actionkameras, die viele Skater und Biker auf ihren Helmen tragen. Zwei große Kamerakräne auf dem Olympiagelände sorgen außerdem für eindrucksvolle Übersichten. In wenigen Tagen wird es im Netz vor X-Games-Clips aus München wimmeln.

Vorrangig aus optischen Gründen ist auch die 16-jährige Adriana Wahl mit ihren Freundinnen zu den X Games gekommen: „Der Ryan Sheckler sieht einfach gut aus“, sagt sie und kichert. Sonst hat sie mit dem Skateboarden eher wenig am Hut, das letzte Mal stand sie vor zehn Jahren auf dem Brett. Da hat sie sich das ganze Knie aufgerissen.

Extra aus Helsinki ist die 20-jährige Josephine Benzie nach München gekommen. „Mein Bruder ist begeisterter Skateboardfahrer“, erzählt sie. Der sei jetzt neidisch. Sie und ihre Freundinnen hoffen, für die Events am Samstag oder Sonntag Karten zu bekommen.

Denn dann geht es erst richtig rund: Am Samstag messen sich die Skateboarder auf der Megarampe im Olympiasee und die Motocross-Fahrer im Olympiastadion. Am Sonntag sind die Mountainbike-Wettbewerbe dran. Das ganze Programm steht im Internet auf www.xgames-munich.com. Dort sind auch die letzten Tickets erhältlich, Kostenpunkt zwischen 20 und 50 Euro. Doch auch ohne Tickets können Besucher das Extremsport-Flair erleben: Das „X Fest“ mit Ständen, Bühnen und Sportstationen zwischen Coubertinplatz und Eisstadion ist frei zugänglich.

von Moritz Homann

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