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Architektonisches Juwel: Die BMW Welt direkt am Olympiapark ist aus München nicht mehr wegzudenken. An manchen Tagen kommen bis zu 25 000 Besucher.

Zum Jubiläum

Zehn Jahre BMW Welt: Besucher kommen mit Plastiktüten voller Geld

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Mehr Besucher als in Neuschwanstein, Autos im Wert von Einfamilienhäusern, Weltpremieren, Heiratsanträge ohne Ende. Die BMW Welt ist ein Ort der Superlative. Jetzt feiert das Gebäude seinen zehnten Geburtstag. Ein Blick hinter die Kulissen des Münchner Auto-Palasts.

München – Manchmal kommen die Menschen mit prall gefüllten Plastiktüten voller Geld, erzählt Hans-Jörg Begemann, 51, während er in der BMW Welt sitzt. Hinter ihm steht ein Rolls-Royce Phantom VIII, 571 PS, Grundpreis 446 250 Euro, der erst 2018 auf den Markt kommt. Aber so was stört die Kundschaft mit den Plastiktüten nicht. Sie gehen durch die BMW Welt mit all ihren Superflitzern, die ausgestellt sind, den Minis, den BMW-Cabrios, den neuen Elektroautos und den alten Isettas. „Ich will ihn genau so, wie er dasteht“, das sagen die Kunden zu Begemann.

Er kümmert sich zwar darum, dass sich die Besucher wohlfühlen. Doch diesen Wunsch kann er nicht erfüllen: Man kann die Autos anschauen, fotografieren, man kann stundenlange Rundgänge mit dem Smartphone aufnehmen und das Video in Echtzeit nach Hause schicken – was vor allem asiatische Besucher machen. Aber man kann sie nicht kaufen.

Das Hochregallager: Hier kommen die Neuwagen rein, nachdem sie für die Abholung vorbereitet wurden.

Die BMW Welt ist dazu da, Lust auf die Marken zu machen, auf Autos, auf Architektur. Drei Millionen Besucher waren letztes Jahr da – das sind doppelt so viele wie in Neuschwanstein. Gesamtzahl der Besucher: über 20 Millionen. Dieses futuristische Bauwerk ist von 0 auf 100 zu einem Münchner Markenzeichen geworden, es ist nicht mehr wegzudenken aus der Landeshauptstadt. Diese Woche feiert die BMW Welt ihren zehnten Geburtstag. Dieser bayerische Auto-Palast hat damals eine halbe Milliarde Euro gekostet. Und die Faszination ist ungebrochen, obwohl die Branche ihre liebe Not hat. Fahrverbote, Dieselskandal, Tesla, es gibt vieles, was den etablierten Autoherstellern das Leben schwer macht. Aber hier an diesem Ort wird das deutsche, das bayerische Automobil gefeiert wie nirgends sonst, sogar mit extra-langen Öffnungszeiten von 7.30 bis 24 Uhr, 360 Tage im Jahr.

„Wir sorgen für Glücksgefühle.“ Manfred Junk, Leiter der Fahrzeugauslieferung.

Manfred Junk, 58, ist der Leiter der Fahrzeugauslieferung. Pro Tag kommen bis zu 160 Kunden in das Gebäude, um ihr fabrikneues Auto abzuholen und den Parkassistenten erklärt zu bekommen. Zehn Prozent der Kunden kommen extra aus Amerika, sie wollen ihren BMW im Hauptquartier in Bavaria abholen und am liebsten noch ein paar hundert Kilometer über deutsche Autobahnen brettern, bevor der Neuwagen Richtung Heimat verschifft wird. „Wir sorgen für Glücksgefühle“, sagt Junk. Einmal hat ein Besucher, er war aus dem Libanon, seiner Angebeteten aus einem BMW M3 heraus einen Heiratsantrag gemacht. Er ist langsam zu ihr gerollt, das war vorher akribisch geplant, ein Kameramann hat die Szene gefilmt. Auf dem LED-Screen in der BMW Welt wurde das Ganze übertragen. Ein anderes Mal hat ein Abholer aus den USA ein riesiges, weißes Laken mitgebracht, darauf war das BMW-Logo zu sehen und der Text: „Be My Wife?“ Willst du meine Frau werden? Nie war die Abkürzung BMW romantischer. „Alle haben bisher Ja gesagt“, erzählt Junk. Die meisten Frauen haben noch ein neues Auto bekommen. Manchmal war sogar der Kofferraum voller roter Rosen oder im Handschuhfach lag gleich noch ein Diamantring. Das Leben kann so schön sein. Das sind die Geschichten, die man bei der Abholung erlebt. Inszenierte Besserverdiener-Märchen.

Ein BMW ist für viele ein Statussymbol, für das man gerne ein paar Opfer bringt. Einmal ist ein Kunde aus Itzehoe in Schleswig-Holstein mit seinem Radl bis nach München gefahren, um seinen neuen Geländewagen in Empfang zu nehmen. Das Problem: Der Mann war zweieinhalb Tage zu früh an der BMW Welt, sein X5 war noch nicht fertig. Dann hat der Kunde gesagt: „Kein Problem, dann fahre ich noch um den Bodensee.“ Zwei Tage später war er wieder da – und ist mit dem neuen Auto heimgefahren.

Es kommt vor, dass ganze Großfamilien dabei sind, wenn der neue BMW übergeben wird. Es gibt Autofans, die in Gruppen anreisen, kürzlich erst haben ein paar Amerikaner 30 BMW auf einmal abgeholt. Ein Münchner, er ist der Rekordhalter, bekommt demnächst seinen vierzehnten BMW übergeben. Die weiteste Anreise hatte ein Ehepaar aus Neu-Kaledonien. Sie wollten ihren Neuwagen unbedingt in Bayern abholen. Neu-Kaledonien liegt im Süd-Pazifik, Luftlinie: 16 250 Kilometer.

Größter Gastgeber Bayerns: Helmut Käs, der Chef der BMW Welt.

Die BMW Welt ist sowieso ein Ort der Superlative. Das Dach ist so groß, dass man damit den Markusplatz in Venedig überspannen könnte. Superstars wie Coldplay haben hier schon Konzerte gegeben, die niederländische Königin Maxima hat sich im eleganten Kleid in ein BMW-Konzept-Auto geknautscht, Tom Cruise hat seinen neuen Film vorgestellt. Der Schauspieler hat am Morgen nach der Premiere gleich noch mal angerufen und gesagt, er hätte gerne eine Führung. Hat er natürlich auch bekommen.

„Die BMW Welt ist ein Statement für das moderne München“, sagt Helmut Käs, 51, der Leiter der BMW Welt. Er ist, wenn man so will, sowieso der größte Gastgeber Bayerns. Zu niemandem kommen mehr Besucher. Das ist viel Ehre, aber auch viel Aufgabe. Vor einiger Zeit ließ Käs draußen vor dem Gebäude ein Stück Rasen austauschen – weil es braun war. Da hat sofort ein Mitarbeiter des Denkmalamts bei ihm angerufen und gefragt: „Was haben Sie da gemacht? Kennen Sie Ihre Adresse?“ Ja, er kennt sie. Am Olympiapark 1. Die BMW Welt ist Bestandteil des Olympiaparks, da darf man nicht einfach so was verändern und sei es auch nur ein Stück Rasen. Die ganze Stadt schaut auf dieses Gebäude. Das kann man auch als Lob verstehen.

Von Thomas Gottschalk bis Coldplay: Tatjana Otto ist für die Veranstaltungen in der BMW Welt zuständig.

Tatjana Otto ist für Veranstaltungen wie den Jazz Award oder Lesungen mit Krimi-Autorinnen wie Donna Leon in der BMW Welt zuständig. Veranstaltungen gibt es 450 im Jahr. „Es ist mehr als nur ein Gebäude mit Fahrzeugen“, sagt Tatjana Otto. Es ist der Treffpunkt einer ganzen Stadt. „Die Gäste“, sagt sie, „sollen mit einem Lächeln wieder gehen.“ Und – das ist ja kein Geheimnis – irgendwann sollen sie wieder kommen, um ihren neuen BMW abzuholen. Die Hälfte der Besucher, das zeigen Befragungen, besuchen den Ort, um sich ein mögliches neues Auto anzuschauen. Das wären dann 1,5 Millionen Käufer im Jahr. Dafür gibt es genau ein Wort: krass.

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