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Locker gelandet: Was für manche Kollegen ein Horrortrip wäre, haben Friedhelm N. (li.) und Peter H. am Dienstag souverän gemeistert.

„Zehn Mal sind mir die Triebwerke ausgefallen“

Oberschleißheim - Ex-Berufspilot Friedhelm N. (76) aus München legt die entspannteste Notlandung in der Geschichte des Flugplatzes Oberschleißheim hin. Im Münchner Merkur erzählen sie darüber

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Tollkühne Piloten erzählen ihre Geschichte

Notlandung am Flugplatz Schleißheim

Mit einem selbstgebauten Flugzeug mussten Friedhelm N. (76) und Peter H. (71) am Dienstag um 17 Uhr von Bayreuth kommend auf auf dem Flugplatz Oberschleißheim notlanden. Das linke Fahrwerk streikte. Kein Problem für die souveränen Ex-Airbus-Piloten. Es blieb bei 50 000 Euro Sachschaden und erstaunten Rettungskräften – sie wurden nicht gebraucht.

-Eine perfekte Notlandung ohne linkes Fahrwerk hinzulegen – das klingt nach Profi-Arbeit.

Mein Copilot und ich waren beide Berufsflieger. Ich war von 1970 bis 1998 in der Berufsfliegerei, wir waren Kollegen bei Hapag-Lloyd. Wir sind die Boeing 727, 737 und den Airbus 310 geflogen. Zusammen haben wir 42 000 Stunden Flugerfahrung.

Notlandung am Flugplatz Schleißheim

-Wann traten am Dienstag die Probleme auf?

Im Landeanflug wollte ich die Fahrwerke ausfahren, habe den Hebel gezogen – und bemerkt, dass statt drei grünen Lämpchen nur zwei leuchten. Wir haben den Verkehrsleiter angefunkt – es hätte ja sein können, dass nur das Lämpchen kaputt ist. Aber er hat bestätigt, dass das linke Fahrwerk nicht ausgefahren war.

-Was macht man da?

Wir sind eine Stunde über dem Flugplatz gekreist.

-Hatten Sie Angst?

Angst? (lacht) Nein, wirklich nicht. Wir haben uns die Gegend angeschaut.

-Starke Nerven. Mussten Sie in Ihrer Karriere als Pilot schon einmal notlanden?

In der Form musste ich das nicht – aber mit ausgefallenen Triebwerken schon. Fünfmal sind sie mir am Boden ausgefallen, fünfmal in der Luft. Allerdings ist es leichter, einen Airbus mit nur einem Triebwerk zu landen als mit nur zwei Fahrgestellen.

-Wie verlief die Landung?

Ich habe mich kurz mit Peter abgesprochen, dass er den Hauptschalter abschaltet, sobald wir stehen und dass wir auf der Wiese landen, damit die Maschine nicht so sehr beschädigt wird. Bei der Landung habe ich dann die linke Tragfläche aerodynamisch in der Luft gehalten, so lange es ging. Gegen Ende sind wir nach links weggedreht.

-Was haben Sie gedacht, als Sie den Trubel bemerkt haben, den Sie ausgelöst haben? Vier Hubschrauber, 100 Einsatzkräfte, Polizei, Feuerwehr.

Ich habe gesagt: Peter, guck’ mal. Was machen die da? Hier landet doch kein Jumbo.

-Haben Sie mit einem Gläschen gefeiert?

Nein. Peter trinkt grundsätzlich nur Cola und Schorle, und ich mache seit vorletzter Woche strenge Diät – da sind nur eineinhalb Liter täglich erlaubt. Leider.

-Sie werden wohl so bald nicht wieder fliegen?

Wir starten wieder, wenn die Maschine repariert ist. Warum denn nicht?

Das Gespräch führte Johannes Löhr

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