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Muss sich wegen versuchten Mordes verantworten: Sandra N. hat vor dem Käferzelt einen Mann niedergestochen.

Wegen uneidlicher Falschaussage

Im Prozess um Wiesn-Messerattacke: Zeuge verhaftet

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München - Ein Zeuge wird während des Prozesses gegen die Messerstecherin von der Wiesn verhaftet. Grund: Er lässt sich vor Gericht zu einer uneidlichen Falschaussage verleiten.

Paukenschlag im Prozess um die Messerstecherei am Käferzelt! Seit Ende Mai steht Millionärsgattin Sandra N. (34, Name geändert) wegen versuchten Mordes vor Gericht. Sie hatte die Tat gestanden - aber behauptet, zuvor von Tom P. (Name geändert) bedrängt worden zu sein, den sie niedergestochen hatte. Diese Version bestritten bislang alle Zeugen. Bis auf einen Geschäftsmann, der erst nach Prozessbeginn aufgetaucht war und den Messerstreit beobachtet haben will.

Jedoch: Noch während seines Auftritts wurde Ralf E. (Name geändert) am Dienstagnachmittag abgeführt! Staatsanwältin Melanie Lichte ließ ihn verhaften. Der Grund: uneidliche Falschaussage.

Opfer soll Täterin an Schultern gepackt haben

Das Käferzelt auf der Wiesn.

Was war passiert? Ralf E., der in München zur Welt kam und heute in Zürich lebt, hatte am Abend der Tat angeblich ebenfalls auf dem Oktoberfest gefeiert. Er war alleine unterwegs gewesen und sagte aus, er habe sich einer Gruppe Engländer angeschlossen - und später genau gesehen, wie Tom P. (34, Name geändert) die Millionärsgattin im Streit an den Schultern gepackt hatte. Ein entscheidendes Detail im Prozess! Denn genau so hatten die Verteidiger von Sandra N. versucht, die Messerstiche als eine Notwehr-Situation zu rechtfertigen.

An Rechtsmediziner Wolfgang Eisenmenger stellte Ralf E. den Angriff sogar nach, verstrickte sich später aber in Widersprüche - so sehr, dass er schließlich selbst hinter Gitter musste. "Das kam für uns aus heiterem Himmel", sagt Verteidiger Steffen Ufer. Am Donnerstag hatte Ralf E. seinen Haftprüfungstermin. Der Prozess gegen Sandra N. dauert an.

Andreas Thieme

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