Kunststücke hätte „Colonel Joe“ eigentlich auch nach seiner Kur wieder machen sollen. Jetzt ist er tot. Foto: dpa

Zirkus-Elefant „Colonel Joe“ ist tot

München - Laut Circus Krone starb der Bulle auf Kur an Altersschwäche. Tierschützer reagieren erneut mit scharfer Kritik.

Christel Sembach-Krone stehe unter Schock, heißt es am Freitag beim Circus Krone. Für die Chefin war Colonel Joe „der schönste Elefant, den sie je gesehen hat, die Seele der Elefantenherde und er fehle ihr jetzt schon“ - so lässt sie sich von ihrem Sprecher Markus Strobl zitieren.

In der Nacht zum Donnerstag war der Elefantenbulle gestorben, während der Zirkus in Karlsruhe gastierte. Allerdings ohne seine Herde: Vor einigen Wochen schon waren die acht Tiere mit ihrem Trainer James Puydebois und einem Fachtierarzt zu einem „Reha-Urlaub“ auf den Elefantenhof von Sonni Frankello in Platschow (Mecklenburg-Vorpommern) gebracht worden. Strobl: „Colonel Joe war alt, und wenn man alt ist, braucht man seine Erholungszeiten.“ Man habe aber fest damit gerechnet, ihn bald wiederzusehen - „und dann wäre er auch wieder aufgetreten“.

Woran der riesige Elefantenbulle - Circus Krone hatte ihn stets als den größten Zirkus-Elefanten der Welt angekündigt - gestorben ist, ist noch unklar. Strobl spricht von Altersschwäche. Dabei weiß man gar nicht, wie alt Colonel Joe wirklich geworden ist: Ins Reha-Zentrum kam er mit offiziell 47 Jahren - jetzt heißt es aber, dass er um die 60 Jahre alt gewesen sein muss, was ungefähr der natürlichen Lebenserwartung eines indischen Elefanten entspricht. „Er hatte deutliche Alterserscheinungen, deswegen haben wir ihn noch einmal gründlich untersuchen lassen.“ Außerdem habe man in Mexiko recherchiert, wo Colonel Joe laut Circus Krone im Zirkus „Vargas“ zur Welt kam, bis er vor gut zehn Jahren von Christel Sembach-Krone engagiert wurde.

Außer „normalen Alterserscheinungen“ wie Probleme mit den Fußgelenken und den Knien sei es dem Bullen aber gut gegangen, betont der Zirkus. Das sehen Tierschutzorganisationen anders. Peter Höffken von „Peta“ hat den Elefanten nach eigenem Bekunden zuletzt Anfang März gesehen. „Da war er schon krank“, sagt der Zoologe, er habe sich von anderen Tieren abgesondert und mit dem Kopf hin und hergeschaukelt. Außerdem habe er eine große Wunde an der hinteren Flanke gehabt. „Ich habe damals gedacht, der wird das Jahr nicht überleben.“

Peta übt schon seit Jahren scharfe Kritik an der Elefantenhaltung in deutschen Zirkusbetrieben. Auch die Staatsanwaltschaft München sprach 2010 von „deutlichen Haltungsmängeln“ und „erheblichen Leiden“. Peta hofft nun, dass das Münchner Kreisverwaltungsreferat ordnungsrechtliche Schritte einleitet.

Christel Sembach-Krone hat derweil eine Gedicht bei Facebook veröffentlicht. Dessen letzte Zeilen: „Auf wiedersehn lieber Freund an einem Himmelstag. Du reißt ein Loch, das keiner zu schließen mag.“

K. Fuhrin

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