Schwarzarbeit und Lohndumping

Zoll nimmt Friseure ins Visier

München - Schwarzarbeit, Sozialversicherungs-Betrug, Verstöße gegen die Meisterpflicht: Zoll-Fahnder haben bei Razzien in Münchner Friseur-Salons zahlreiche Vergehen festgestellt. Die Innung begrüßt, dass endlich gegen die schwarzen Schafe in ihren Reihen vorgegangen wird.

16 Münchner Betriebe haben die Fahnder am vergangenen Samstag kontrolliert – die meisten davon Billig-Salons rund um den Hauptbahnhof. „In 13 Geschäften haben wir Verstöße festgestellt“, bestätigt René Matschke, Leiter der Schwarzarbeit-Fahnder im Münchner Hauptzollamt. So konnte trotz sogenannter Meisterpflicht fast keiner der geprüften Betriebe einen Meister benennen, der die geforderte Arbeitszeit in dem Salon tätig ist. Matschke: „In einem Fall wurde sogar ein Lehrling ohne Meister ausgebildet.“

Teuer wird es für mehrere Betriebe, die ihr Personal nicht nach dem geltenden Tariflohn bezahlt haben. Obwohl die Untergrenze der Löhne bei 7,04 Euro pro Stunde liegt, hat ein Friseur seinen Mitarbeitern sogar nur 5,25 Euro brutto gewährt. Da der Tarifvertrag seit einem Jahr allgemein verbindlich ist, besteht jedoch nicht nur für die Arbeitnehmer ein Rechtsanspruch – auch die Sozialversicherung ist für den Mindestlohn fällig. Diese Beiträge wurde in zahlreichen Fällen unterschlagen.

In zwei geprüften Betrieben waren Beschäftigte sogar überhaupt nicht angemeldet, ein Ausländer arbeitete ohne Arbeitserlaubnis. In diesen Fällen werden Straf- und Bußgeldverfahren gegen die Inhaber eingeleitet. Die unterschlagenen Sozialversicherungsbeitrage müssen ohnehin nachgezahlt werden.

Christian Kaiser, Obermeister der Friseur-Innung in München, überraschen die Fahndungs-Ergebnisse nicht: „Wir haben diese Missstände schon häufiger angeprangert.“ Mit der kontinuierlichen Zunahme von Billig-Salons und dem dadurch immer härter werden Preiskampf sei Lohndumping die logische Konsequenz. „Ein Haarschnitt für acht Euro kann nicht rentabel sein“, sagt Kaiser. Rund um den Hauptbahnhof finden sich jedoch etliche Betriebe, die ihre Leistungen so günstig anbieten.

Dieser Konkurrenzkampf macht der ganzen Branche zu schaffen – wie auch die große Friseur-Dichte in München. Knapp 1400 gemeldete Friseur-Betriebe gibt es in der Stadt. Mehr haben nur Berlin (2300) und Hamburg (1650), bei jedoch ungleich größerer Bevölkerungszahl. Statistisch gesehen hat jeder Münchner Salon rund 950 Kunden (Berlin 1500, Hamburg 1100) – aber natürlich geht nicht jeder zum Haareschneiden.

Die Verstöße der 13 nun ertappten Betriebe werden laut Matschke an das Kreisverwaltungsreferat (KVR) gemeldet: Dieses prüft in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer (HWK) weitere Sanktionen: Diese können von der Abmahnung, über Bußgelder bis hin zur Betriebs-Schließung reichen.

Matschke kündigt an, dass seine Fahnder wegen der hohen Anzahl von Beanstandungen die Friseure ab sofort enger ins Visier nehmen werden. Einzelne Betriebe wurden in den vergangenen Jahren immer wieder einmal bei Verdacht kontrolliert, eine Großrazzia wie am vergangenen Wochenende gab es zuvor jedoch noch nie. „Ich kann das nur begrüßen“, sagt Obermeister Kaiser. Er erhofft sich dadurch wieder mehr Seriosität in seiner Branche.

Sven Rieber

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