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Zweiter Tunnel oder Südring: Beide Varianten könnten die alte S-Bahn-Stammstrecke vom Verkehr entlasten. Leistungsfähiger ist der Tunnel, aber auch deutlich teurer.

Zuspruch für S-Bahn-Südring wächst

München - Der Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels stößt auf Skepsis. Bezirksausschüsse sowie Grüne und FDP liebäugeln immer mehr mit dem S-Bahn-Südring. Werden die Weichen neu gestellt?

Der Bau der zweiten S-Bahn-Stammstrecke unter der Münchner Innenstadt ist ein ehrgeiziges Vorhaben. Und eines, das viel Geduld erfordert. Nach Plänen des einstigen Verkehrsministers Otto Wiesheu hätten schon im nächsten Jahr die ersten Züge durch den Tunnel rollen sollen. Davon ist man heute weit entfernt. Nun ist von einer Fertigstellung 2022 die Rede.

Bisher stand die Stadt München klar hinter den Plänen von Bahn und Freistaat. Die Front der Befürworter aber bröckelt. Nun machen sich immer mehr Bezirksausschüsse (BA) für den Ausbau des Bahn-Südrings stark, der neue Umsteigemöglichkeiten an der Poccistraße und am Kolumbusplatz schaffen würde. Für diese Pläne  hatten sich schon der BA Ludwigs-/Isarvorstadt und der BA Schwanthalerhöhe ausgesprochen. Auch in Untergiesing und im BA Au/Haidhausen steht man den Plänen positiv gegenüber. Zuvor war schon in den BAs Trudering-Riem und Berg am Laim Protest gegen den zweiten Tunnel laut geworden, weil sich mit ihm das S-Bahn-Angebot im Osten verschlechtern könnte.

Die Grünen im Stadtrat regen nun ein Experten-Hearing an, bei dem Vertreter aller Lösungen zu Wort kommen sollen. Die Kosten für den Tunnel durch die City hätten sich in den letzten Jahren verdreifacht. Von 1,64 Milliarden Euro war zuletzt von Seiten des Freistaats die Rede. Ein Gutachten der Landtags-Grünen hatte indes eine Steigerung auf bis zu 2,5 Milliarden prognostiziert. Der Ring-Ausbau koste nur 500 Millionen Euro.

Die FDP hatte ein solches Hearing bereits Mitte Dezember veranstaltet. "Die Variante Südring ist für uns eine durchaus ernstzunehmende Alternative", resümierte FDP-Fraktionschef Michael Mattar – und stellte sich damit gegen seinen Parteifreund, Verkehrsminister Martin Zeil. Dessen Ministerium lehnt den Südring weiter ab. "Die Entlastungswirkung für die bestehende Stammstrecke und den Ostbahnhof wäre nicht ausreichend", heißt es. Auch sei eine Inbetriebnahme erst später als beim zweiten Tunnel möglich.

Allerdings könnte die Diskussion bald neue Nahrung erhalten. Am 28. Januar will das Verkehrsministerium Alternativen für eine Flughafen-Anbindung vorstellen. "Das hat Auswirkung auf die Diskussion", glaubt Mattar. Denn beide Projekte – Tunnel und Flughafen-Express – müssen nach dem Aus des Transrapid noch mehr aufeinander abgestimmt werden.

Unter den zwölf Varianten soll es durchaus neue Denkansätze geben. Zum Beispiel jenen des Verkehrsplanungsbüros Vieregg-Rößler. Dieses schlägt den Bau eines "Nordtunnels" vor. Dem Vernehmen nach könnten auf diesem S-Bahnen, Regionalzüge und ICE-Züge vom Hauptbahnhof an der Münchner Freiheit vorbei in kurzer Zeit Richtung Freising und Flughafen geleitet werden.

Matthias Kristlbauer/Eberhard Geiger

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