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So sieht er aus, der „PlantCube“ – ein kleiner Kräuter- und Gemüsegarten für die Küche.

Innovation

Zwei junge Münchner entwickeln den Gemüsegarten für die Wohnung

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Es soll eine Revolution in der Küche werden: Zwei junge Münchner haben ein Gerät entwickelt, in dem Salat, Gemüse und Kräuter wachsen. Als Einbauschrank neben Kühlschrank und Spülmaschine. Ohne Tageslicht. Und ohne grünen Daumen.

München – In einem kleinen Keller im jungen Münchner Stadtteil Freiham wächst gerade die Zukunft heran. Maximilian Lössl, 28, Dreitagebart, runde Brillengläser, kniet in dem Keller und reibt einige Blätter Thai-Basilikum zwischen den Fingern. Er riecht daran und nickt zufrieden. „Schön intensiv. Das Saatgut funktioniert.“ Vor ihm stehen fünf weiße Kästen, Kühlschrankgröße, und surren leise vor sich hin. Hinter der jeweiligen Glasfront leuchtet es, mal gelb, mal lila. LED-Lampen bestrahlen die vielen kleinen Pflänzchen, die schon bald jeder in seiner Küche ernten können soll. Ganz ohne Sonne, Frischluft und Erde. Und vor allem ohne grünen Daumen.

„PlantCube“, Pflanzenwürfel, haben Maximilian Lössl und Philipp Wagner die Erfindung getauft (wir berichteten). Nach Jahren der Planung stehen nun die ersten Testgeräte beim Kunden.

Die Erfinder: Maximilian Lössl (rechts) und Philipp Wagner aus München haben den „PlantCube“ entwickelt.

Während viele Gartenbesitzer dieser Tag schon wieder fleißig angepflanzt haben, wollen es die beiden Münchner Jungunternehmer jedem Privatmann ermöglichen, in seiner Küche Salate, Kräuter und sogar kleine Gemüsesorten anzubauen. Ihr Gerät braucht nur drei Dinge: Strom, hin und wieder etwas Wasser – und einen Internetanschluss. Das reicht für frischen Spinat, Petersilie oder Rucola. Und man muss im Gegensatz zum Gartler nicht mal eine Ahnung davon haben, was die Pflanzen so alles zum Wachsen brauchen. Erledigt alles der intelligente Würfel. Die App auf dem Handy gibt Bescheid, wenn der Anbau so weit ist. Ernte-Befehl per Push-Nachricht.

Auf Idee zu dem kleinen Gewächsgarten für die Wohnung kam Maximilian Lössl während einer Weltreise vor fünf Jahren. Als er am anderen Ende der Erde durch Neuseeland tourte, las er über das Konzept des Vertical Farming, einer Zukunftstechnologie für urbane Landwirtschaft. Er war davon so fasziniert, dass er nach seinem Selbstfindungstrip in Holland ein Studium über „International Food & Agribusiness“ begann. Weil es in dem kleinen Städtchen Den Bosch nicht besonders viel zu tun gab, hatte Lössl jede Menge Zeit, über seiner Idee vom intelligenten Pflanzenwürfel zu brüten. Er holte seinen Basketball-Spezl Philipp Wagner ins Boot, der sich als Mathematik-Student um die technische Umsetzung kümmerte. Von da an gewannen die beiden einen Studentenwettbewerb nach dem anderen und und lockten Unternehmen wie Osram und Tengelmann als Investoren an. Mittlerweile hat die Firma „Agrilution“ zehn Mitarbeiter und vor Kurzem wurden die ersten Geräte an Testkunden ausgeliefert. Nächstes Jahr soll der PlantCube ganz offiziell auf den Markt kommen.

Etwa 2000 Euro wird die weiße Frischebox dann kosten. „Unser Ziel ist es, mit einer höheren Stückzahl auf einen Preis unter 1000 Euro zu kommen“, sagt Lössl. Das gehe aber nicht, solange die Geräte noch in der Kellerwerkstadt in dem Freihamer Bürogebäude gefertigt werden. Zu teuer. Deswegen schauen sich die die beiden bereits nach neuen Produktionsorten um.

Im Obergeschoss haben sie eine schneeweiße Küche einbauen lassen. Natürlich mit ihrem PlantCube im Zentrum. Dort gedeihen gerade acht verschiedene Pflanzenarten. Lössl überprüft an seinem Tablet den Fortschritt. „Petersilie: 90 Prozent“, zeigt der Bildschirm. Der intelligente Würfel weiß dank Internetanschluss genau, welche Bedingungen die jeweilige Pflanze braucht, um schnell und gut zu wachsen. „Optimiertes Mikroklima“ nennen das die Erfinder. Die Laborbedingungen bringen einige Vorteile: „Die Pflanzen wachsen zwei bis drei mal so schnell, ganzjährig, schmecken besser und haben mehr Vitamine und Mineralien als in der freien Natur“, sagt Lössl. Und unter künstlichen Bedingungen kommen die Pflanzen ohne Pestizide auf den Teller. Außerdem können im PlantCube Sorten gezogen werden, die sonst in Bayern gar nicht wachsen. „Und ich kann nehmen, so viel ich brauche und muss nicht nach einem Tag die Hälfte wegschmeißen, weil sie verwelkt ist“, sagt Lössl.

Das Saatgut für den Gemüsewürfel liefert die Firma gleich mit – in Form von vorgefertigten Matten. Gut 25 Sorten haben Lössl und Wagner bereits im Portfolio, darunter Radieschen, Mangold, Grünkohl oder Basilikum. „Alles, was nicht zu viel Platz braucht“, sagt Lössl. Das Angebot wird laufend erweitert. Dafür testen die Mitarbeiter gerade im Freihamer Keller. In Planung sind etwa Mini-Karotten. Der Endpreis für die Matten stehe noch nicht fest, sagt Lössl. „Wir werden aber günstiger sein als ein Bio-Supermarkt.“

Der PlantCube soll in etwa so viel Strom verbrauchen wie ein kleiner, effizienter Kühlschrank. Nur dass das Gemüse hier eben wächst – und nicht nur zwischenlagert. Damit kann auch der Städter in seiner Einzimmerwohnung mit frischem Gemüse und Kräutern aufwarten – aus eigenem Anbau.

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