Zweite Stammstrecke wird immer teurer

München - Der Bau des zweiten S-Bahn-Tunnels wird abermals teurer. Nach jüngsten Berechnungen soll die Röhremehr als zwei Milliarden Euro kosten. Bisher waren die Gutachter von 1,5 Milliarden ausgegangen.

Nach langen Diskussionen über die zweite Stammstrecke sowie über Alternativen wie den Südring oder den Nordtunnel will die Staatsregierung heute Weichen stellen. Der Bau einer zweiten S-Bahn-Stammstrecke soll auf den Weg gebracht werden. Ob dies allerdings der Durchbruch für das Milliarden-Projekt ist, gilt als fraglich. Bereits 2001 hatte das Kabinett den Bau befürwortet, ohne dass bisher die Bagger angerollt sind.

Das Hauptproblem ist die Finanzierung. Über die Jahre hatte sich das Vorhaben immer wieder verteuert. Ursprünglich vorgesehene Stationen wurden deshalb aus den Plänen gestrichen, ebenso ein zweiter Tunnelast unter dem Stadtteil Haidhausen. Zuletzt waren die Gesamtkosten in einer vom Verkehrsministerium in Auftrag gegebenen Studie auf rund 1,5 Milliarden Euro taxiert worden – allerdings berechnet auf der Kostengrundlage von 2006. In dem Kabinettsbeschluss ist nun dagegen von etwas mehr als zwei Milliarden Euro die Rede – nachdem die Inflationskomponente einberechnet wurde.

Dennoch will das Kabinett am Bau des Tunnels festhalten, wie dieser bisher geplant war: als Röhre, die im Grunde nur für S-Bahnen konzipiert ist, in der aber auch S-Bahn-ähnliche Züge Regionalverkehrsfunktion übernehmen könnten. Verkehrsminister Martin Zeil (FDP) betonte noch einmal, den Tunnel nicht für Regional- und Fernverkehrszüge umplanen zu wollen. Denn dies bedeute eine Verzögerung von mindestens vier Jahren. Auch seien die Vorteile zu gering. „Anders als in Frankfurt oder Stuttgart gibt es am Bahnknoten München im Regional- und Fernverkehr keinen großen Durchgangsverkehr“, erklärte Zeil. Außerdem: Nur wie bisher geplant, sei der Tunnel auch zu finanzieren.

Mit der Entscheidung des Kabinetts sind die lange diskutierten Alternativen Südring und Nordtunnel erst einmal vom Tisch. Allerdings will die Staatsregierung einige Sofortmaßnahmen auf den Weg bringen, wie sie auch die Münchner CSU mit ihrem „Olympia-Paket“ gefordert hatte. Dies wurde am Samstag bei einem Treffen in der Staatskanzlei in Aussicht gestellt. Zu den Vorhaben zählt etwa die Sendlinger Spange, auf der S-Bahnen auf den Bahn-Südring umgeleitet werden könnten. Auch einen Appell zur Verlängerung der U 5 nach Pasing soll der Freistaat an die Stadt richten.

Morgen wird auch der Münchner Stadtrat einen Beschluss zum Bau der zweiten Stammstrecke fassen. SPD und Grüne werden den Tunnelplänen der Staatsregierung weitgehend zustimmen, fordern allerdings ein Betriebskonzept, das auch mehr Regionalverkehrszüge berücksichtigt. Auch die Rathaus-CSU will nach intensiver innerparteilicher Diskussion nun mehrheitlich für den zweiten S-Bahn-Tunnel stimmen, um nicht als Verhinderer dazustehen. Die Zweifel an der Röhre sind aber geblieben. „Die zweite Stammstrecke in der Form ist für München eine völlig unbefriedigende Lösung“, sagte Münchens CSU-Chef Otmar Bernhard. Ihre Finanzierung werde „sehr, sehr schwierig“ werden. Die Rathaus-Fraktion will deshalb am Mittwoch weitere Sofortmaßnahmen zur Diskussion stellen. Für den Fall, dass es mit der Finanzierung des Tunnels nichts wird.

Matthias Kristlbauer

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