Horst Seehofer (CSU) ist auch der Bahn gegenüber vorsichtig geworden. ddp

Zweiter S-Bahn-Tunnel: Nun auch Seehofer skeptisch

München - Der CSU-Chef hatte kürzlich noch Kritiker der zweiten Stammstrecke gerügt – jetzt will auch er Alternativen prüfen

Im Ringen um eine neue S-Bahn-Lösung für München scheint keine politische Position mehr unumstößlich zu sein. Nun lenkt auch Ministerpräsident Horst Seehofer ein – und befürwortet ebenfalls eine Prüfung der Alternative „Südring“. Vor kurzem hatte er noch den zweiten S-Bahn-Tunnel durch die Innenstadt vehement favorisiert. Doch Gegenargumente aus der Münchner CSU hätten ihn „ins Grübeln gebracht“, bestätigte er unserer Zeitung.

In den vergangenen Jahren hatte die Staatsregierung stets die Pläne für einen zweiten Tunnel parallel zur bestehenden Stammstrecke vorangetrieben. Auch Seehofer selbst hatte noch im März dieses Jahres einen Brief an OB Christian Ude (SPD) geschrieben. Darin mahnte er, Rot-Grün im Stadtrat dürfe die Tunnel-Planung auf keinen Fall gefährden. Ude solle dafür sorgen, dass die Verhandlungen mit dem Bund über die Finanzierung „nicht durch weitere dissonante, bis hin zur Ablehnung des Projektes reichende Äußerungen aus den Reihen der Rathaus-Koalition der Landeshauptstadt belastet werden“.

Das Pikante: Dissonante Äußerungen gab es in der Folge zuhauf – aber vor allem aus Seehofers CSU. Diverse christsoziale Landtagsabgeordnete äußerten Skepsis, ob der Nutzen des Tunnels wirklich Kosten von rund 1,64 Milliarden Euro rechtfertige. Die Münchner CSU forderte, die Alternative, den Ausbau eines S-Bahn-Südrings, zu prüfen. Der Stadtrat stützte die Forderung – und das Verkehrsministerium lenkte ein.

Unserer Zeitung gegenüber räumte Seehofer nun ein, dass auch er inzwischen anders denkt: „Wir haben uns mit den Landtagsabgeordneten und der CSU München zusammengesetzt und eine Lösung gefunden, mit der alle – auch ich – einverstanden sind. Die lautet: Die Alternative Südring wird untersucht – und zwar ernsthaft.“ Die Untersuchung müsse aber auch eine Verbindung zu anderen Verkehrsprojekten im Raum München herstellen – zum Beispiel zur Flughafenanbindung. „Erst dann kann man bewerten, inwieweit die Alternativen Tunnel oder Südring die anderen Projekte behindern oder befördern.“

Die Gespräche mit den Parteifreunden haben den CSU-Chef offenbar überzeugt. Der Brief an Ude, so Seehofer, „basierte auf dem, was die Bahn und das Verkehrsministerium bisher entwickelt hatten. Doch dann kamen neue Gesichtspunkte dazu.“ Vor allem CSU-Stadtrat Georg Kronawitter, einer der entschiedensten Gegner des Tunnels, „hat uns ins Grübeln gebracht“. Seine Argumente hätten Substanz. „Keiner konnte sie entkräften. Auch die Bahn nicht.“

Gegenüber dem DB-Konzern, der den Tunnel stets verteidigte, scheint Seehofer skeptischer geworden zu sein: „Die Bahn vertritt natürlich auch ihre eigenen Interessen. Und sie müsste ja für den Tunnel nichts zahlen. Das machen Freistaat und Bund.“ Einer Untersuchung des Südrings durch das Verkehrsministerium steht nun nichts mehr im Weg. Sie soll im Herbst fertig sein und die beiden Alternativen besser vergleichbar machen.

Johannes Patzig

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