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Wieder sichtbar: Der Sockel des nördlichen „Ehrentempels” nach den Rückschnittarbeiten.
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Rückschnittarbeiten am Sockel des nördlichen „Ehrentempels”, im Hintergrund das „Dokumentationszentrum München".
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Rückschnittarbeiten am Sockel des nördlichen „Ehrentempels”.

Arbeiten am NS-Dokumentationszentrum

Ruine am Königsplatz freigelegt

München - Im Mai soll das NS-Doku-Zentrum eröffnen. Im Zuge der Fertigstellung wurde jetzt auch die Ruine eines der ehemaligen NS-"Ehrentempel" am Königsplatz freigelegt. Warum der Zweite bleibt wie er ist.  

Das NS-Dokumentationszentrum München, das am 1. Mai 2015 öffnet, soll den Blick der Ausstellungsbesucher auch aus dem Innern des Hauses auf die authentische, historische Umgebung richten. Die Idee hinter der Ausstellung: Die Geschichte des Ortes mit der Gegenwart verknüpfen und so zu einer kritischen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit anregen.

Dafür wurde jetzt der Grünbewuchs am nördliche Sockel der beiden ehemaligen NS-„Ehrentempel” am Königsplatz entfernt, teilt das NS-Dokumentationszentrum mit. Durch den Rückschnitt sei die Ruine erstmals seit Jahrzehnten wieder als bauliches Relikt der NS-Zeit wahrnehmbar. So würden wichtige Sichtbeziehungen zwischen dem neuen NS-Dokumentationszentrum München und der umgebenden Topographie möglich. Der Lern- und Erinnerungsort könne jetzt in direkte Auseinandersetzung mit seiner von der nationalsozialistischen Architektur geprägten Umgebung treten, heißt es in einer Mitteilung.  

Der Königsplatz diente den Nationalsozialisten als „Forum der Bewegung”. Ein monumentales Zeichen des machtpolitischen Anspruchs der Partei, wurden an der Ostseite des Platzes ab 1933 der „Führerbau“  - die heutige Hochschule für Musik und Theater -, der „Verwaltungsbau der NSDAP” - jetzt Haus der Kulturinstitute - und die beiden „Ehrentempel” errichtet. Das Ensemble bildete eine monumentale Kulisse für propagandistische Inszenierungen der NS-Herrschaft. Unter anderem wurde dort ab 1935 alljährlich der Totenkult um die 16 „Märtyrer” des Hitlerputsches vom 9. November 1923 zelebriert. Deren Sarkophage lagen einst in den offenen „Ehrentempeln”, flankiert von einer „Ewigen Wache”.

Die „Ehrentempel” wurden Anfang 1947 auf Direktive der US-Militärregierung gesprengt; nur die Sockel blieben erhalten. 1956/57 wurden sie begrünt. Im Laufe der Jahrzehnte wandelten sie sich zu Biotopen und verschwanden aus der Wahrnehmung.

Der südliche Sockel wird auch künftig in diesem Zustand belassen. Er erinnert daran, dass man über die Spuren des Nationalsozialismus lange Zeit nicht nur sprichwörtlich das Gras wachsen ließ.

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