Die Chancen der Wirte stehen nicht schlecht

Wegen Corona: Münchner Wirte verklagen Versicherungen

  • Andreas Thieme
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Wie sollen die Corona-Verluste aufgefangen werden? Einige Münchner Gastronomen versuchen auf rechtlichem Wege, die Versicherungen für den Schaden aufkommen zu lassen.

  • Wochenlang konnten die Wirte wegen Corona* nicht öffnen.
  • Vom Freistaat erhielten die Gastronomen finanzielle Soforthilfe, doch das kann die Ausfälle nicht ersetzen.
  • Am Landgericht versuchen nun etliche Wirte, ihre Betriebsschließungsversicherungen einzuklagen.

München - Wochenlang konnten die Wirte wegen Corona nicht öffnen, jetzt bleibt die Frage: Wie sollen die Verluste aufgefangen werden? Vom Freistaat erhielten die Gastronomen finanzielle Soforthilfe, doch das kann die Ausfälle nicht ersetzen. Am Landgericht versuchen nun etliche Wirte, ihre Betriebsschließungsversicherungen einzuklagen.

Christian Vogler, Betreiber und Pächter des Augustinerkellers, fordert etwa 1,14 Millionen Euro vom Bayerischen Versicherungsverband. Karl-Heinz Zacher von der St. Emmeramsmühle will rund 427 000 Euro von der Haftpflichtkasse.

Coronavirus trifft Münchner Wirte: „Ich musste sogar einen Kredit aufnehmen, weil die Versicherung nicht gezahlt hat“

Wie andere bayerische Gastronomen auch mussten die Wirte am 21. März schließen und durften am 18. Mai ihre Außenbereiche wieder öffnen. So hatte es der Freistaat angeordnet – auf Grundlage des Infektionsschutzgesetzes. Viele Versicherer weigern sich nun, für den flächendeckenden Lockdown zu zahlen. Sie berufen sich darauf, dass Policen nur für den Fall galten, dass es in einem Betrieb Krankheitsfälle gab und er deshalb geschlossen werden musste. Die Fronten sind verhärtet. „Ich musste sogar einen Kredit aufnehmen, weil die Versicherung nicht gezahlt hat“, sagt Christian Vogler. Erst am 4. März hatte er eine Versicherung gegen die coronabedingte Schließung des Augustinerkellers abgeschlossen. Ein Vertreter seiner Versicherung hatte ihn kontaktiert und dazu geraten. Der Lockdown kam tatsächlich – nur das Geld von der Versicherung nicht.

Die ersten Gastro-Klagen wurden nun am Landgericht verhandelt, insgesamt seien schon 39 eingegangen, teilte Gerichtssprecher Benjamin Kuttenkeuler mit. Hintergrund dafür ist auch die angepeilte Kulanzregelung von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger: Mit ihm konnte der Hotel- und Gaststättenverband erreichen, dass die Versicherer eine Zahlung von 15 Prozent der Versicherungssumme anbieten. Auf diesen Betrag würden laut Dehoga weder Kurzarbeit-Zahlungen noch Soforthilfe-Zahlungen angerechnet.

Für die Wirte sei das Angebot aber „ein Witz“, kritisiert Vogler. 5000 Plätze hat er im Biergarten, 800 auf der Terrasse und 1200 im Innenbereich. Die Einnahmen aus dem Frühsommer: dahin. Dazu kommt: „Der Außer-Haus-Verkauf hat bei uns nur einen Anteil von 0,1 Prozent.“

Ähnlich ist die Situation in der St. Emmeramsmühle: Ab April, mit Start der eigentlichen Biergartenzeit, macht Karl-Heinz Zacher gegenüber der Versicherung pro Tag 20 000 Euro Einnahmenverlust geltend. Denn: 180 Plätze hat er im Innenbereich – 900 aber draußen.

Entscheiden will das Gericht erst im September. Die Richter ließen aber bereits eine Tendenz erkennen: Viele Versicherungen seien lückenhaft. Es sieht ganz gut aus für die Wirte. Sie müssen die zu ersetzenden Einnahmen aber noch nachweisen – und Zahlen aus den vergangenen Jahren offenlegen. (thi - *tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.)

Rubriklistenbild: © Florian Sanktjohanser

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