Schlauchboote kentern

Groß-Alarm an der Isar: Retterin berichtet von dramatischen Szenen - „so einen Einsatz noch nie erlebt“

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  • Kathrin Braun
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Etliche Schlauchboote sind am Samstag innerhalb weniger Stunden auf der Isar gekentert und haben eine Reihe von gefährlichen Großeinsätzen ausgelöst.

  • Am Samstag (4. Juli) waren zahlreiche Schlauchboot-Fahrer in München unterwegs.
  • Elf Boote sind innerhalb weniger Stunden auf der Isar gekentert.
  • Eine Reihe von Großeinsätzen folgte für die Rettungskräfte - die Stadt reagierte.

Update vom 6. Juli, 9.30 Uhr: Das erste Schlauchboot war bereits gekentert, als Elisabeth Müller am Fluss ankam. Sie und andere Ehrenamtliche haben allein am Samstag  32 Menschen gerettet, die durch die

Elisabeth Müller erlebte dramatische Momente.

reißende Isar gepaddelt waren und dabei die Kontrolle über ihre Boote verloren hatten.

Elisabeth Müller berichtet: „Wir haben gerade Menschen aus zwei Booten mit Wurfsäcken an Land gezogen, da kamen schon zwei weitere Schlauchboote. Sie gehörten zu einer Gruppe.“ Die insgesamt vier Personen wurden von der Walze, die sich an der Stufe nach der Marienklausebrücke gebildet hat, unter Wasser gezogen. Müller: „Drei von ihnen konnten wir aus der Isar ziehen, aber einer ist immer wieder abgetaucht.“

Groß-Alarm an der Isar: Retterin berichtet von dramatischen Szenen - „so einen Einsatz noch nie erlebt“

Die Strömung sei so stark gewesen, dass selbst die Rettungskräfte nicht in die Fluten steigen konnten. „Ich war geschockt, wie schnell alles ging“, erinnert sich Müller. Ein Hubschrauber musste den Ertrinkenden mit einem Retter am Seil aus dem Wasser holen. „Wir waren sehr angespannt, hatten Angst. Ich habe einfach nur gehofft: Bitte schaff es!“ 

Wehr und Rutsche an der Marienklause

Der Gerettete wurde mit Verdacht auf Wasser in der Lunge in ein Krankenhaus gebracht – er hat überlebt. Elisabeth Müller ist seit elf Jahren Retterin bei der Wasserwacht, „aber so einen Einsatz habe ich noch nie erlebt.“ Kathrin Braun

Auf einem mauen Wochenstart folgen erheiternde Aussichten. Der Wetter-Ticker für die Landeshauptstadt München.

Trotz eindringlichen Verbots: Personen kentern mit Schlauchboot auf der Isar - Großeinsatz ausgelöst

Update vom 5. Juli 2020, 17.38 Uhr: Trotz eindringlicher Warnung der Feuerwehr und Polizei München, sind am Sonntagnachmittag zwei Personen mit einem Schlauchboot auf der Isar gefahren. Das berichtet die Wasserwacht des Bayerischen Roten Kreuzes auf Instagram. Ihr Boot war demnach an der Großhesseloher Brücke gekentert
Nach Informationen von tz.de waren mehrere Hubschrauber und die Wasserwacht am Einsatzort. Beide Insassen konnten sich dem Bericht nach auf die Wehranlage retten.

Zu einem ähnlichen Unfall kam es am Sonntag auf der Isar am Großhesseloher Wehr bei Pullach. Drei Personen verunglückten.

Die Feuerwehr und Polizei München hatten wegen eines hohen Wasserpegels und reißenden Fluten verboten, mit Schlauchbooten auf der Isar zu fahren. Die Wasserwacht verschärfte die Warnung nochmals: „Wir warnen weiterhin ausdrücklich davor, in der Isar schwimmen zu gehen oder Schlauchboot zu fahren. Derzeit ist die Strömungsgeschwindigkeit immer noch erheblich erhöht und es befindet sich sehr viel Treibgut im Wasser.

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Trotz ausgesprochenem Fahrverbot auf der Isar, waren immer noch einige leichtsinnige Schlauchbootfahrer auf der Isar in München unterwegs. Die Wasserwacht München-Mitte postierte einige Wasserretter oberhalb des Großhesseloher Wehres, um die Hobbykapitäne vom Befahren der Münchner Isar abzuhalten. Leider gab es einige Schlauchbootfahrer, die die Rufe des Wasserwacht Trupps ignorierten und trotz Fahrverbot fröhlich weiter schipperten. Für zwei dieser Schlauchbootfahrer endete die Fahrt trotz allem am Wehr der Großhesseloher Brücke. Ihr Boot kenterte in der Strömung und sie konnten sich nur auf einen Abweiser im Wehr retten. Ohne Hilfe wäre hier kein Weiterkommen und die Wasserwachtler setzten sofort einen Notruf ab. Der angeforderte Hubschrauber konnte mit der Seilwinde die Personen nicht erreichen Deswegen setzte die Feuerwehr ihre Leitern ein, um an die verunfallten zu kommen. Die Wasserwacht sicherte die Aktion wasserseitig ab und so konnten die beiden schlussendlich gerettet werden. Wir warnen weiterhin ausdrücklich davor, in der Isar schwimmen zu gehen oder Schlauchboot zu fahren. Derzeit ist die Strömungsgeschwindigkeit immer noch erheblich erhöht und es befindet sich sehr viel Treibgut im Wasser. #isar #schlauchboot #gefahr #brk #rettungsschwimmer #wirsuchendich #machmit #wasserwacht @freiwillige_feuerwehr_munchen

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Ursprungsmeldung vom 5. Juli 2020

München - Kaum herrscht Sommerwetter in der Stadt, zieht es viele Münchner zu einer Schlauchboot-Fahrt auf die Isar. Seit dem vergangenen Jahr gelten strengere Regeln für Schlauchboot-Fahrten* auf der Isar, dennoch endet eine vermeintlich harmlose Tour für die Freizeitkapitäne oft in dramatischen Szenen. So auch am Samstag (4. Juli 2020).

Isar-Einsätze in München: Elf Schlauchboote innerhalb weniger Stunden gekentert

Wie die Münchner Wasserwacht berichtet, sind innerhalb von nur vier Stunden elf Schlauchboote mit insgesamt 32 Personen an Bord in der Isar gekentert

„Ein Einsatz nach dem anderen, hält die Einsatzkräfte der Wasserwacht des Münchner Roten Kreuzes, Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei auf Trab“, heißt es auf der Homepage der Wasserwacht am Samstag. Diverse Schlauchboot-Fahrer seien in der Wasserwalze an der Marienklausenbrücke gefangen gewesen. Ein Boot wurde gegen verkeilte Baumstämme an der Thalkirchner Brücke getrieben und stark beschädigt. Die Boots-Insassen mussten mithilfe der Wasserwacht ans Ufer gebracht werden. 

Eine Person konnte nur mit der Seilwinde des Helikopters an der Marienklausenbrücke aus der Wasserwalze gerettet werden. Nur die wenigsten konnten sich laut Wasserwacht selbst an Land retten.

Schlauchboot-Einsätze: Fahrer und Retter in Lebensgefahr - Stadt sperrt Isar-Abschnitt

Die Stadt München reagierte sofort auf die Einsätze am Samstag, bei denen sich nach offiziellen Angaben auch die Rettungskräfte in Lebensgefahr gebracht hatten. Bis auf Weiteres sind Schlauchboot-Fahrten vom Großhesseloherwehr bis zum Flaucher verboten. Zu gefährlich seien die Verhältnisse auf der Isar aktuell, heißt es in einer Pressemitteilung am Sonntag.

„Die Landeshauptstadt München – Referat für Gesundheit und Umwelt – hat daher zur Regelung des Gemeingebrauchs das Befahren der Isar mit kleinen Fahrzeugen ohne eigene Triebkraft (Boote und Schwimmkörper jeglicher Art) vom Großhesseloherwehr bis zum Flaucher ab Sonntag, den 05.07.2020, bis auf Weiteres verboten“, so die Pressemitteilung im Wortlaut.

Der Wasserstand am Pegel Isar-München ist den Angaben zufolge seit Tagen erhöht. „Auch unterhalb der Hochwasser-Meldestufe 1 führt die Isar derzeit sehr viel Treibholz mit und weist eine starke Trübung sowie Strömung auf. Es besteht eine erhebliche Gefahr für Leib und Leben, wenn Personen die Isar mit Booten und sonstigen Schwimmkörpern jeglicher Art befahren“, so die Mittelung der Stadt.

Schlauchboot-Fahren auf der Isar - unterschätzte Gefahr

Die Gefahren der Isar werden regelmäßig unterschätzt, was zu einer Diskussion über ein allgemeines Verbot für Schlauchboot-Fahrten* geführt hat. Nicht nur für die Hobbykapitäne können die Schlauchboot-Fahrten brenzlig werden, auch Helfer geraten bei den Rettungsaktionen in Gefahr. 

Auch die Feuerwehr München, die an den Einsätzen beteiligt war, appelliert an die Vernunft der Bürger: „Die Feuerwehr rät dringend davon ab, die Isar mit Schlauchbooten, Luftmatratzen oder ähnlichen schwimmfähigen Gegenständen zu befahren. Nach den letzten Regenfällen führt die Isar mehr Wasser als üblich in den Sommermonaten. Es besteht absolute Lebensgefahr für Mensch, Tier und natürlich auch für die Rettungskräfte!!!“, heißt es in einer Mitteilung am Sonntag.

Schlauchboot-Fahrten auf der Isar: Stimmen Sie ab!

Viel Glück hatte ein Münchner, der Zivilcourage bewiesen hatte und danach von einer Gruppe junger Männer attackiert wurde.

va

*Merkur.de und tz.de sind Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks. 

Rubriklistenbild: © Klaus Haag

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