Steffi (43), Elefantin im Tierpark Hellabrunn

München - Meine heutige Gesprächspartnerin hat ihre ganz eigene Art auf meine Fragen zu reagieren: Die Dame mustert mich misstrauisch von oben herab, macht mal große Ohren, mal eine sehr lange Nase. Es kommt auch vor, dass sie mit Sand wirft. Oder mir ihren eindrucksvollen Hintern entgegenreckt.

Ich bin irritiert. Eins ist klar: Um mit Elefantin Steffi im Tierpark zu ratschen, brauche ich einen Übersetzer. Zum Glück ist Andi Fries da. Der Chef-Pfleger versteht seine Dickhäuter ohne Worte. Mit seiner Hilfe kann ich mit Steffi plaudern: Über Männer, Fußball und das Leben.

"Entschuldigen Sie mein Misstrauen", sagt Steffi und rümpft den Rüssel. "Aber ich rede nicht mit jedem. Ich bin da etwas wählerisch."

Kein Wunder! Sie ist ja auch eine Schönheit, schmeichle ich. Sie schmunzelt verlegen. "Die Damen beneiden mich um meine langen Wimpern - und um das blonde Haar, das mir aus den Ohren wächst." Außerdem ist sie mit ihren 46 Jahren eine der angesehenen Leitkühe der Herde. "Ich erziehe die Jungen!", will sie notiert wissen. Sie führt ein strenges Regiment. "Wer nicht spurt, kriegt eine Ohrfeige."

Hui, sie klingt ganz schön verhärmt. Dabei spüre ich Steffis weichen Kern unter der dicken Haut. Warum ist sie so mürrisch? Steffi seufzt. "Ich hatte es nicht leicht im Leben." Seit sie 1968 aus Indien zum Münchner Zoo kam, lebt sie mit einer Lähmung: Sie kann ihren Rüssel beim Fressen nicht zum Maul heben. "Aber ich hab' gelernt damit zu leben", sagt sie stolz. Heute wirft sie sich lässig das Essen mit dem Rüssel ins Maul.

Na, die Männer müssen ihr ja zufliegen! Sie lacht. "Männer? Schlechtes Thema." Jetzt schüttet sie mir ihr Herz aus. "Als ich jung war, hat mich ein Elefantenbulle verprügelt." Ein Trauma: Den Kummer fraß sie in sich hinein. "Magenweh hab' ich gekriegt." Heute ist sie immer noch Jungfrau - und stolz drauf. "Von Männern will ich nix wissen."

Nun taut Steffi auf. "Aber sonst fühle ich mich hier sauwohl!" Sie erzählt von ihrer Freundschaft mit Elefanten-Oma Tina - und mit Pfleger Fries. "Der ist klasse. Der kitzelt mich immer!" Das liebt sie. Und sie gesteht mir noch eine Liebe: Fußball. "Ich bin eine starke Spielerin." Sie schießt vierfüßig. Sie lacht. "Der Kaiser würde sagen: Ich kann links wie rechts wie links wie rechts." Sogar Ex-Profi Thomas Helmer trat gegen sie an. "Er hat verloren. Der hat sich nicht getraut, gegen mich in die Zweikämpfe zu gehen. Komisch." Jetzt lachen wir beide. Von wegen mürrisch! Höchst charmant ist sie. Welche Menschendame würde wohl ein Gewicht von 3,5 Tonnen mit so viel Humor nehmen?

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