U-Bahnen fahren nicht

Brisante Streik-Bilanz: München für einen Tag lahmgelegt - auch Corona-Regeln werden plötzlich zum Thema

  • vonNina Bautz
    schließen

Häufig ging am Dienstag gar nichts mehr voran in München. Die Gewerkschaft Verdi rief zum Streik im öffentlichen Nahverkehr auf. An Abstandsregeln war nicht mehr zu denken.

  • Am Dienstag (29. September) wurde bei Bussen, U- und Trambahnen in München gestreikt.
  • Dazu gab es auch noch eine Signalstörung bei der S-Bahn.
  • Viele Pendler steckten auf ihrem Weg zur Arbeit im Stau fest.

München - Streik-Alarm in Corona-Zeiten! Der Ausstand bei der MVG hat München voll erwischt. Nicht nur weil etliche Münchner zu spät zur Arbeit oder Schule kamen. Da alle U-Bahnen bis 18 Uhr komplett ausfielen, drängten sich die Fahrgäste in den wenigen Trambahnen und Busse, die fuhren, dicht an dicht. An Corona*-Abstand war nicht zu denken!

MVG-Streik in München: Nur wenige Tram-Linien fuhren - Busse mit 20-Minuten-Takt

Insgesamt folgten laut Verdi rund 800 Beschäftigte der MVG dem Aufruf. Laut Gewerkschaftssekretär Franz Schütz haben sich somit rund 80 Prozent aller Münchner Fahrer am Streik beteiligt. Daher konnten lediglich die Tramlinie 19 ab 6 Uhr und die Linien 16,17 und 27 ab 7.30 Uhr bedient werden. Genauso wie die Busse fuhren sie alle lediglich im 20-Minuten-Takt. Die Folge: Viele Linien waren so überfüllt, dass die Türen kaum mehr zu gingen.

„Dieser Streik ist deplatziert“, schimpft MVG-Sprecher Matthias Korte. Es sei außergewöhnlich, dass München zu solch einem frühen Zeitpunkt und so massiv bestreikt werde. „Wir hatten Verdi schon im Vorfeld aufgefordert, den Tarifkonflikt am Verhandlungstisch zu lösen.“ In Corona*-Zeiten werde der Tarifkonflikt so doppelt auf dem Rücken der Fahrgäste ausgetragen.

Alles zum MVG-Streik in München finden Sie in unserem News-Ticker.

MVG-Streik in München: Zu allem Überfluss gab es noch eine Signalstörung bei der S-Bahn

In den S-Bahnen waren die Auswirkungen nicht ganz so gravierend. „Die Züge waren nur punktuell voller“, sagte eine Sprecherin der Bahn. Ärgerlich: Zu allem Überfluss gab es zwischen 7 und 8.30 Uhr ausgerechnet noch eine Signalstörung am Ostbahnhof. Einzelne Züge mussten umgeleitet werden, es kam zu Verzögerungen. Klar – auch auf Münchens ohnehin vollen Straßen machte sich der Streik bemerkbar: Bis 9 Uhr meldete TomTom Traffic, ein Spezialist für Navigationssysteme, die Zahl der gemeldeten Staus mit 294. Die Gesamtlänge: 234 Kilometer. Das Stau-Niveau lag damit 30 Prozent über dem Vergleichswert aus 2019.

In der S-Bahn wurde es voll am Dienstag.

Die Gewerkschaft verteidigt den Warnstreik: „Die Tarifverhandlungen laufen jetzt, da können wir nicht in einem Jahr aktiv werden“, so Franz Schütz von Verdi. Der Gewerkschaftssekretär, der für die Verkehrsbranche zuständig ist, will ein Ende des jahrelangen Sparens im Nahverkehr erreichen. Die Gewerkschaft fordert einen bundesweiten Tarifvertrag für die rund 87.000 Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr. Verdi und der Beamtenbund DBB fordern für die bundesweit 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen 4,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro.

MVG-Streik in München: Vorerst einzige Arbeitsniederlegung im öffentlichen Nahverkehr diese Woche

In dieser Woche soll es voraussichtlich keine Streiks im öffentlichen Nahverkehr geben. An den fünf städtischen Krankenhäusern der München Klinik aber legen die Beschäftigten am Mittwoch (30. September) – parallel zur Gesundheitsministerkonferenz – erneut ihre Arbeit nieder. (Bautz/Köstler)

Viele Münchner und Pendler standen am Dienstag aufgrund des MVG-Streiks im Stau.

Kommentare: Ist der Streik der MVG jetzt in Corona-Zeiten gerechtfertigt* oder verantwortungslos*?

Rubriklistenbild: © Schlaf

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare