Thomas-Mann-Gymnasium

Abi-Affäre: Anklage gegen Schulleiter erhoben

  • Stefanie Wegele
    VonStefanie Wegele
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München - Mehr als eineinhalb Jahre ist es her, dass die sogenannte Abi-Affäre für Schlagzeilen sorgte. Der damalige Schulleiter des Thomas-Mann-Gymnasiums in Forstenried steht nach wie vor im Verdacht, einem Schüler beim Musik-Abitur geholfen zu haben. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben.

Wie Staatsanwalt Peter Preuß unserer Zeitung bestätigte, besteht gegen den Ex-Schulleiter des Thomas-Mann-Gymnasiums der Verdacht der Verletzung des Dienstgeheimnisses. Deshalb sei jetzt Anklage erhoben worden. Wie berichtet öffnete Schulleiter Jörg L. die Kuverts mit den Abitur-Prüfungsaufgaben. Unterschiedliche Darstellungen existieren offenbar darüber, ob so wie vorgeschrieben zu jeder Zeit der Oberstufenkoordinator anwesend war. In den geöffneten Briefumschlägen sollen sich die Aufgaben und Lösungen im Fach Musik befunden haben. Die Lösungsskizzen soll der Schulleiter vor dem schriftlichen Abitur an einen Schüler weitergereicht haben.

Die Staatsanwaltschaft hatte ein Expertengutachten in Auftrag gegeben, das klären sollte, ob der Schüler im schriftlichen Musik-Abitur Unterschleif begangen hat. Sprich, ob er die Lösungen bereits vorher gehabt haben könnte. Dass dies so gewesen sein könnte, war Korrektoren des Musik-Abiturs aufgefallen. Sie hatten sehr starke Ähnlichkeiten der abgegebenen Arbeit des Schülers mit der Musterlösung festgestellt.

Nach Angaben von Staatsanwalt Peter Preuß ist das Expertengutachten abgeschlossen. Allerdings müssten noch ergänzende Fragen gestellt werden. Welche, das darf Preuß nicht sagen. Schulleiter und Schüler hatten die Vorwürfe stets bestritten. Der Anwalt des Schulleiters, Ulrich Ziegert, erklärt, Jörg L. sei an der Schule verhasst gewesen. „Es ist kühn zu behaupten, mein Mandant habe die Umschläge geöffnet.“ Es gebe eine Vielzahl von Personen, die vorher Zugang zu den Umschlägen gehabt hätten.

Ziegert betont zudem, sein Mandant habe keine unangemessene Beziehung zu dem Schüler gehabt. Dies war teilweise kolportiert worden. Jörg L. habe den Schüler lediglich musikalisch und pädagogisch gefördert. Der Schüler sei ein hochbegabter Musiker und angehender Dirigent gewesen. „Die ganze Situation ist dramatisch“, sagt Ziegert. Der 63-jährige Jörg L. sei derzeit bei vollen Bezügen suspendiert. „Und das Disziplinarverfahren der Stadt dümpelt vor sich hin“, schimpft Ziegert.

Der Ausgang des Disziplinarverfahrens entscheidet auch darüber, ob der ehemalige Schulleiter seinen Beamtenstatus behält und damit Anspruch auf eine angemessene Beschäftigung hat. Das muss nicht zwingend an einer Schule sein. Ziegert vermutet, dass die Stadt auf Zeit spielt. Grund dafür könnte sein, näher an das Pensionsalter des Schulleiters heranzukommen.

Das Disziplinarverfahren, das die Stadt eingeleitet hat, liegt auf Eis, solange die strafrechtlichen Ermittlungen laufen. Seitens der Stadt heißt es dazu lediglich, dass es keinen neuen Sachstand gebe.

Dramatisch ist die Situation auch für den Schüler, dem Unterschleif vorgeworfen wird. „Meinem Mandanten ging es zwischenzeitlich richtig schlecht“, sagt dessen Anwältin Katrin C. Over. Mittlerweile gehe es ihm besser und er studiere. „Wir haben Klage eingereicht gegen die null Punkte im schriftlichen Musik-Abitur. Das Abitur kann auch nach Jahren noch nach oben verbessert werden, wenn die Vorwürfe sich als haltlos erweisen“, erklärt die Anwältin. Sollte der Schüler Recht bekommen, würden ihm laut Over 14 Punkte für die schriftliche Prüfung im Fach Musik-Theorie zustehen.

Over betont, ihr Mandant sei ein hervorragend begabter Musiker. Er habe in der praktischen Abiturprüfung 2013 in Musik die Höchstpunktzahl von 15 erreicht. Auch die schriftliche Abiturprüfung in Musik-Theorie sei ihm hervorragend gelungen – ohne jegliche fremde Hilfe. Der Abiturient habe beispielsweise auch in einer Teilprüfung, von der gar keine Musterlösung existiere, die Höchstpunktzahl aufgrund seines hervorragenden Musikwissens erzielt.

Das Amtsgericht muss nun über die Anklage entscheiden. Der Anwalt des Schulleiters geht davon aus, dass er Einspruch einlegt, sollte die Anklage zugelassen werden.

Rubriklistenbild: © Reinhard Kurzendörfer

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