Der älteste Pfarrer muss in Ruhestand

München - Die Diözese entlässt Monsignore Erwin Hausladen (85) aus Sendling, den „Trachtenpfarrer“ des Isargaus, aus dem Amt.

Er ist ziemlich alt für diesen Job, das weiß Erwin Hausladen. Mit 85 Jahren ist man sogar als katholischer Pfarrer eigentlich nicht mehr im Amt - die meisten geben es allerspätestens mit 75 Jahren ab. „Aber ich mache die Arbeit gerne“, sagt er. Die Arbeit als Vorsteher der Pfarrei „Thomas Morus“ in Sendling, die er selbst 1964 aufgebaut hat. Doch nun ist Schluss: Am kommenden Montag, zwei Tage vor seinem 86. Geburtstag, geht der dienstälteste Pfarrer der Stadt in Ruhestand.

Ganz freiwillig tut der weißhaarige Mann mit den grauen Augen das nicht, das gibt er zu. „Es ist sehr schnell und abrupt gegangen“, seufzt Monsignore Hausladen. „Ich hätte gerne noch bis zu meinem Priester-Jubiläum weitergemacht.“ Am 3. Juli jährt es sich nämlich zum 60. Mal, dass Hausladen in Freising zum Priester geweiht wurde - gemeinsam übrigens mit Josef Ratzinger, der als Einziger aus diesem Weihe-Jahrgang außer ihm noch im Amt ist: als Papst Benedikt XVI. Doch die Erzdiözese München-Freising entsprach Hausladens Wunsch nicht. Bereits Ende des Jahres sollte er gehen - auf viele Bitten aus der Pfarrei verlängerte man die Frist immerhin noch bis Maria Lichtmess, an dem traditionellerweise die Dienstboten ausgetauscht wurden.

Die Bitten der Gläubigen kommen nicht von ungefähr: Einen Namen hat sich Hausladen vor allem als „Trachtenpfarrer“ des Isargaus gemacht - er unterstützte Trachten- und Schützenvereine bei unzähligen Prozessionen und Festgottesdiensten. Beliebt sind auch die Berggottesdienste, die der passionierte Alpen-Wanderer seit Jahr und Tag auf dem Taubenstein abhält. Auf den Bergen sei man Gott eben noch ein bisschen näher, sagt er.

Erwin Hausladen sei außerordentlich beliebt, sagt Karl Jantsch, der Vorsitzende des Pfarrgemeinderats. „Es ist für uns alle unverständlich, warum er unbedingt gehen muss.“ Auch Melanie Schmeißer, die Pressesprecherin des Isargaus, zeigt sich empört: „Er ist immer für uns da und zuverlässig. Ich verstehe nicht, warum man seiner Bitte nicht nachkommt. Das ist eine Entscheidung am Schreibtisch, bei der man auf die Leute vor Ort nicht gehört hat.“

Bei all dem Unwillen empfiehlt Bernhard Kellner - zumindest sinngemäß -, man solle doch die Kirche im Dorf lassen. „Sogar Kardinäle gehen in der Regel mit 80 in Ruhestand“, sagt der Pressesprecher der Diözese. In der Tat gebe es keine festgeschriebene Grenze. „Aber der Bischof spricht lange vor dem 70. Geburtstag mit den Pfarrern über ihre Zukunft. Viele sind dann froh, dass sie diese Last nicht mehr tragen müssen.“

Hausladen freilich will sie noch tragen. Dieser Bitte sei man auch immer wieder nachgekommen, sagt Kellner - „er hat schließlich den Karren jahrzehntelang gezogen, und die Gemeinde ist begeistert“. Aber aus Altersgründen könne man ihm die Leitung einer Pfarrei - die ja auch aus komplexen Verwaltungsvorgängen bestehe - nicht länger überantworten. Zudem soll Thomas Morus mit der Nachbargemeinde St. Achaz zusammengelegt werden. Zwar hat das laut Diözese keinen Einfluss auf die Entscheidung, sei aber ein weiterer guter Grund. Im September übernimmt Hausladens Nachfolger - den man allerdings noch nicht hat. „Wir suchen noch“, sagt Kellner. Einstweilen halten Übergangspfarrer einen Großteil der Messen und der Kollege aus Thalkirchen übernimmt die Verwaltungsgeschäfte.

„So schlecht bin ich doch nicht beinand“, protestiert Hausladen. „Ich könnte doch zumindest meinem Nachfolger die Pfarrei noch in die Hände geben.“ Eines freut ihn aber: „Dass sich so viele Leute für mich eingesetzt haben.“ Auf Wunsch darf er auch Messen halten. Und: „Am 3. Juli halte ich den Gottesdienst zu meinem Jubiläum. Da haben sich schon die Trachtenvereine angekündigt.“ Pfarrgemeinderat Jantsch bestätigt: „Wir bereiten ihm ein tolles Fest zum Abschied.“

Johannes Löhr

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