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Peter Behrendt wohnt auf 35 Quadratmetern - und ist geschockt von seinen Heizkosten.

Darauf sollten Sie bei der Abrechnung achten

Heizkosten-Hammer! Rentner muss 800 Euro nachzahlen

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München - Weil er seine Heizkosten verringern wollte, zog Rentner Peter Behrendt in eine kleinere Wohnung. Bei der Abrechnung folgte dann der Nachzahl-Schock.

Früher lebte Rentner Peter Behrendt in einer Dreieinhalbzimmerwohnung. Unter anderem um Heizkosten zu sparen, zog der 73-Jährige vor eineinhalb Jahren nach Obersendling in ein Einzimmerappartement – 528 Euro Miete inklusive Nebenkosten für 34,74 Quadratmeter.

Er richtete sich gemütlich ein – doch nach dem ersten Winter kam der Schock. Das heißt, nicht gleich: Erst Ende September, als ihm sein Vermieter die Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung schickte. Peter Behrendt musste 783 Euro nachzahlen! Zusammen mit den monatlichen Vorauszahlungen von insgesamt 612 Euro, die er zuvor schon geleistet hatte, ergibt das Gesamtkosten von 1395 Euro für ein Jahr Heizung und Warmwasser. „Für eine so kleine Wohnung ist das Wahnsinn“, meint er.

Früher, in seiner 3,5-Zimmer-Wohnung, bezahlte er monatlich 110 Euro Heizkosten voraus, bekam aber jährlich rund 500 Euro zurück. Für das kleine Appartement betrug die Vorauszahlung im ersten Jahr monatlich 51 Euro, im September dieses Jahres setzte der Vermieter den Betrag auf 66 Euro hinauf. „Umgerechnet auf die Quadratmeter ist das deutlich mehr als früher“, sagt der Rentner. Er könne sich das nicht erklären. „Mein Heizverhalten ist moderat, ich lüfte morgens durch und stelle dabei die Heizung aus, nachts kann ich wegen der Außenthermostate sowieso nichts beeinflussen.“

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Auch dem Vermieter – so erklärte dieser auf Anfrage – erscheinen die Heizkosten des tz-Lesers „relativ hoch“. Man habe Peter Behrendt bereits telefonisch die Abrechnung erläutert und vor Ort in der Wohnung die Werte der Ablesegeräte erklärt, ebenso die Abrechnungsmethode der Firma Techem, schreibt ein Mitarbeiter der Münchener Kleinwohnungs-Baugenossenschaft eG. Erfahrungswerte des Vermieters zeigten, dass es nicht ungewöhnlich sei, „wenn sich vergleichbare Wohnungen in den Heizkosten verbrauchsbedingt sehr stark unterscheiden. Das individuelle Nutzerverhalten hat mit einen entscheidenden Einfluss“.

Mieterschützerin Anja Franz vom Mieterverein München rät jedem Mieter, die Heiz- und Warmwasserkostenabrechnung immer genau anzuschauen oder besser überprüfen zu lassen. Denn die meisten Vermieter lassen die Heizkosten von Wärmemessdiensten abrechnen. Diese Firmen bekommen sämtliche Daten von den Vermietern zur Verfügung gestellt, prüfen aber deren Richtigkeit und Plausibilität nicht nach. „Das muss der Mieter dann selbst machen, und er ist auch in der Beweispflicht, wenn er einen Fehler vermutet – das ist meistens sehr schwierig“, sagt Franz.

Peter Behrendt hat sich vorgenommen, heuer genau aufzuschreiben, wann es wie warm ist und auf welcher Stufe die Heizung steht. „Da habe ich eher eine Chance, festzustellen, ob da etwas nicht stimmt.“

Abrechnung: Darauf sollten Sie achten

Der Vermieter muss einmal im Jahr die Heiz- und Warmwasserkosten abrechnen. Stellt er dem Mieter diese Abrechnung zu spät zu, dann hat der Mieter Glück. Er muss dann nämlich nichts nachzahlen. Es kommt allerdings darauf an, in welchem Zeitraum der Vermieter abrechnet – manche tun das immer im Sommer, die allermeisten aber zum Jahreswechsel. Diese Rechnungen müssen bis zum 31. Dezember beim Mieter sein. Sind sie das nicht, muss der Mieter keine Nachzahlungen mehr leisten, ein evtl. Guthaben bekommt er aber noch zurück.

Die Kosten werden zum Teil nach Verbrauch, zum Teil nach Quadratmetern umgelegt. Als Richtwert gelten in München durchschnittliche Heiz- und Warmwasserkosten von 1 bis 1,50 Euro pro Quadratmeter und Monat (www.heizspiegel.de).

In den Rechnungen muss der Vermieter immer den Gesamtverbrauch und den individuellen Verbrauch angeben. Beide Werte sollte man mit denen des Vorjahres vergleichen, rät Mietrechtsexpertin Anja Franz. Ein Teil der Kosten wird nicht nach Verbrauch, sondern nach Quadratmetern umgelegt. Hier muss man auch prüfen, ob die richtigen Quadratmeter angesetzt wurden.

Prüfen Sie, welcher Abrechnungszeitraum angesetzt wurde. Oft vergessen die Vermieter zu berücksichtigen, dass ein Mieter unter dem Jahr eingezogen ist, und berechnen einfach das ganze Jahr.

Der Mieter hat das Recht, Einsicht in die Unterlagen zu bekommen. Er kann den Vermieter also bitten, dass ihm die Brennstoffrechnungen etc.gezeigt werden. Solange die Abrechnung für den Mieter nicht nachvollziehbar ist, kann er hinsichtlich der Heizkostennachzahlung von seinem Zurückbehaltungsrecht Gebrauch machen und muss die Nachzahlung nicht leisten. Aber Vorsicht: Übersteigt der Nachzahlungsbetrag eine Monatsmiete und behält der Mieter sie, zurück, kann der Vermieter kündigen.

Wichtig ist zu wissen, dass der Mieter in der Beweispflicht ist, wenn er eine Heizkostenabrechnung anzweifelt. Er muss beweisen, dass etwa die Heizkostenverteiler falsch abgelesen wurden (also immer notieren und überprüfen, was abgelesen wird!) oder dass die gesamte Heizanlage kaputt ist.

Susanne Sasse

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