Die Ankündigung in roter Schrift entzückt nicht alle. Der Bau einer Kinderkrippe mit 70 Plätzen stößt im Bezirksausschuss auf heftige Kritik. Der Investor ist geschockt. foto: rk

Kinderkrippe unerwünscht

München - 70 neue Krippenplätze will eine Familie an der Bozzarisstraße in Harlaching schaffen. Im Bezirksausschuss ist man davon aber keineswegs begeistert.

Damit hatte Timo Rumm nicht gerechnet. Nachdem er sein Projekt an der Bozzarisstraße 2 in Harlaching - eine neue Kinderkrippe - vorgestellt hatte, stand er etwas ratlos vor den Mitgliedern des Harlachinger Bezirksausschusses (BA). Die ließen nämlich kaum ein gutes Haar an dem Vorhaben.

Timo Rumm ist 27 und studierter Volkswirt. „Wir planen die Krippe als Familienprojekt“, erklärt er. Hinter dem Vorhaben stecke kein nebulöser ausländischer Investor. „Der Investor sind meine Eltern. Sie geben uns mit dem Bau Starthilfe.“ Rumm wundert sich über den Gegenwind aus dem Bezirksausschuss. Lokalbaukommission und Sozialreferat hätten sich positiv zu den Plänen geäußert. „Dort ist man froh, dass wir die Krippe genau so bauen.“ Das von ihm entwickelte Betreuungskonzept sei gelobt worden.

Die Vorwürfe aus dem BA sind indessen vielfältig. Clemens Baumgärtner, Fraktionschef der CSU, mutmaßte, es handle sich sicher nur um ein Steuersparmodell, ein Abschreibungsobjekt. Außerdem passe das Gebäude nicht in die Umgebung und störe den Viertelcharakter.

Christa Knappik (SPD) sagte, sie begrüße die Schaffung neuer Krippenplätze. Aber dass wegen des Neubaus der Kiosk an der Naupliastraße den Platz räumen müsse, sei „ein Wermutstropfen“. Dazu Rumm: „Mit dem Kioskbesitzer konnten wir uns mittlerweile einigen.“

Ein Anwohner versicherte, es gehe ihm nicht darum, die Krippe zu verhindern. Doch die Zahl der Kinder sei zu hoch. Zudem habe er Zweifel, ob die Baulinie eingehalten werde. Der Nachbar prognostizierte schließlich noch, dass die neue Krippe, sollte sie im vorgesehenen Umfang realisiert werden, in der Bozzarisstraße ein Verkehrschaos durch an- und abfahrende Eltern auslösen werde.

Timo Rumm, der die Krippe zusammen mit seinem Bruder betreiben will, entgegnete: „Wir haben uns an die Vorgaben der Lokalbaukommission gehalten.“ Also sei die Baulinie direkt an die Gehsteiggrenze gesetzt worden. Unter anderem gehe es dabei um den Lärmschutz. Außerdem entstehe dadurch im hinteren Bereich des 842 Quadratmeter großen Grundstücks mehr Platz für die Freifläche. Zur Verkehrsproblematik habe das Kreisverwaltungsreferat (KVR) bereits Stellung genommen: „Dort wurde die Situation nicht so kritisch eingestuft.“

Nach einer zehnminütigen Pause, in der der BA über den Bauplänen brütete, erklärte CSU-Fraktionschef Baumgärtner: „Die uns von der Lokalbaukommission vorgelegten Pläne sind nicht die, die wir heute gesehen haben.“ Ein Neubau dieser Größe und Gestalt habe in Harlaching nichts zu suchen. Der BA beschloss, eine Stellungnahme von Kreisverwaltungsreferat und Lokalbaukommission sowie aktuelle Pläne anzufordern.

Freundlicher aufgenommen wurde Timo Rumm vor einiger Zeit im Pasinger Bezirksausschuss. In diesem Stadtteil plant die Familie einen weiteren Neubau mit 70 Krippenplätzen. „In der gleichen Größe und im gleichen Stil“, so Rumm. Allerdings habe es in Pasing nicht die gleiche Schelte gegeben: „Dort fanden die Mitglieder unsere Pläne Klasse.“

Brigitta Wenninger

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