Katrin M. (l) wurde Anfang Januar brutal erstochen.

Brutaler Mord an Katrin M.

Wäre Marco F. zu stoppen gewesen?

München - Der Mord an Katrin M. beschäftigt die Stadtspitze: War es wirklich nicht möglich, die Gefährlichkeit des Schülers Marco F. zu erkennen? Angeblich hatte die Familie Hilfe der Behörde angenommen.

Zwar war die Polizeiakte von Marco F. nicht wirklich alarmierend: ein einfacher Diebstahl stand vor dem Gewalt-Exzess Anfang dieses Jahres darin. Doch es gab andere Hinweise, dass der junge Mann große Probleme hat: So zum Beispiel im Herbst des vergangenen Jahres, als Marco F. versucht haben soll, sich eine Pistole zu besorgen – offenbar für einen Raubüberfall. Nach Informationen der tz flog das Ganze auf, weil Marco F. es selbst anzeigte: Er hatte einem Bekannten 1500 Euro für eine Pistole gezahlt. Als er diese nicht bekam, zeigte er den Betrüger an. Dieser behauptet, Marco F. wollte ein Wirtshaus überfallen. Der Schüler selbst sagt, er wollte die Waffe nur in seinem Zimmer aufhängen. Die Polizei konnte dies nicht widerlegen. Nach einem eindringlichen Gespräch mit dem damals noch 18-Jährigen und seinen Eltern blieb die Sache ansonsten ohne juristische Folgen.

Allerdings wurde der Vorfall damals auch an das Gesundheitsreferat und das Stadtjugendamt gemeldet. Und von dort wurde am Montag bekannt: Entgegen bisherigen Informationen hatte die Familie sehr wohl Hilfe angenommen. Am 27. September hatte die Polizei den Fall gemeldet. Nach anfänglichem Zögern war Marco F. dann im November mit seiner Mutter zu einem Beratungsgespräch gekommen. „Das Sozialbürgerhaus hat ihn angeschrieben und eingeladen“, bestätigte Sozialreferentin Brigitte Meier auf Anfrage unserer Zeitung. „Er ist mit seiner Mutter gekommen, hat Beratung bekommen und auch angenommen – außerdem haben wir weitere Unterstützung angeboten.“ Unklar ist jedoch, ob Marco F. in den Wochen danach eine Therapie begonnen hat – oder nicht. „Was in der Zeit bis zur Tat passiert ist, wissen wir nicht“, erklärte Meier.

Wäre Marco F. noch minderjährig gewesen, hätte die Stadt mehr Kontroll-Möglichkeiten gehabt. Aber mit damals 18 Jahren war er kein Fall mehr für die Jugendhilfe. Um einzugreifen, hätte eine konkrete Gefahr für ihn selbst oder andere erkennbar sein müssen. „Die Hürden für Zwangsmaßnahmen sind extrem hoch und es gab keine Hinweise, die dies gerechtfertigt hätten“, sagt Meier.

Der Fall legt aber auch offen, dass das Gewaltpotenzial bei Menschen oft einfach nicht zu erkennen ist: „Auffällig aggressive Personen hat man schnell auf dem Schirm“, meint Meier. „Aber dem Muster der extrem in sich zurückgezogenen Menschen, die sich von der Außenwelt abkapseln, müssen wir mehr Aufmerksamkeit schenken.“

Der 19-Jährige selbst wurde unterdessen nach Straubing (Niederbayern) verlegt. Dort ist er in der geschlossenen Abteilung der psychiatrischen Klinik untergebracht, wo Gutachter den junge Mann untersuchen. Deren Erkenntnisse werden darüber entscheiden, ob Marco F. überhaupt im Sinne des Strafrechts der Prozess gemacht werden kann. Kommen die Gutachter zu dem Schluss, dass Marco F. nur vermindert schuldfähig oder sogar schuldunfähig ist, dürfte der 19-Jährige auf unbestimmte Zeit in einer psychiatrischen Klinik untergebracht werden.

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Wie berichtet, hatte der Schüler am 4. Januar dieses Jahres an der Halskestraße (Obersendling) die 31-Jährige Verlagsangestellte Katrin M. im Treppenhaus ihres Wohnhauses mit einem Messer attackiert. Mit 18 Stichen verletzte er die Frau so schwer, dass sie noch am Tatort verblutete. Von dem Täter fehlte zunächst jede Spur. Drei Wochen nach der Tat konnte die Polizei Marco F. überführen. Ein Beamter der Polizeiinspektion Forstenried hatte sich daran erinnert, dass der Schüler, der unweit des Tatortes zusammen mit seiner Mutter wohnte, wenige Monate zuvor wegen besagter Gewaltphantasien aufgefallen war. In seinem Zimmer fand die Polizei sowohl das Tatmesser, als auch blutverschmierte Kleidung. Als Motiv nannte der geistesschwache Schüler, dass er in der Wohnung der Frau leben wollte – Katrin M. war ein reines Zufallsopfer.

Sven Rieber

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