München: Erstickt die Stadt?
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München: Erstickt die Stadt?

Frischluftschneise

Geht München die Luft aus? Bürgerinitiative kämpft um Frischluft - und bekommt prominente Unterstützung

  • Kathrin Braun
    VonKathrin Braun
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Eine Bürgerinitiative kämpft gegen den Bau eines Gewerbegebiets im Hachinger Tal. Es könnte einem Teil der Stadt die Frischluft nehmen.

  • Eine Bürgerinitiative kämpft gegen den Bau eines Gewerbegebiets im Hachinger Tal.
  • Die Befürchtung: Die Frischluftschneise der Stadt könnte gefährdet sein.
  • Jetzt schalten sich auch Prominente ein. 

München - Dicke Luft um frische Luft: Eine Bürgerinitiative kämpft gegen den möglichen Bau eines Gewerbegebiets im Hachinger Tal. Denn hier, im Süden von München, bläst kühle Luft von den Alpen in die Innenstadt. Eine Frischluft-Schneise (siehe Stichwort), die vor allem in heißen Sommernächten München abkühlt. Trotzdem gibt es Ideen, das 27 Hektar große Kapellenfeld zu bebauen.

„So wird die Frischluftzufuhr nach München abgeschnitten“, schimpft Moderator Gerhard Leinauer (56). Er und seine Ehefrau Alexandra Polzin (45) fordern: „München darf nicht ersticken!“ Das Promi-Paar lebt im Stadtteil Fasangarten, nur wenige Kilometer vom Feld entfernt – das sowohl auf städtischem Grund als auch auf Neubiberger Gebiet* liegt. „Wir werden wohl die ersten sein, denen die frische Luft abgeschnürt wird.“ Die beiden sind aktiv in der Initiative „Frischluft für München“ – sie hat mittlerweile mehr als 1700 Unterschriften mit einer Online-Petition gesammelt, um eine Bebauung zu verhindern.

München: Kampf um die Frischluft in der Stadt - Bürgerinitiative mit prominenter Unterstützung

Dabei sagt der Bürgermeister von Neubiberg, Günter Heyland: „Es gibt gar keine konkreten Planungen.“ Man prüfe derzeit nur, wo Gewerbeflächen, Wohnungen und Straßen entstehen könnten. Er versichert: Die Frischluftzufuhr sei im Regionalplan geschützt. Neubiberg brauche zwar dringend Gewerbeflächen, „aber es würde keinen Sinn machen zu bauen, wenn es die Frischluftzufuhr einschränkt – da sind wir uns doch alle einig.“ Der Grundstücks-Eigentümer, das milliardenschwere Firmenkonglomerat „Finck & Winterstein“, hatte die Idee, dort Gewerbe anzusiedeln – bis Sommer könne es ein Konzept vorlegen, das die Schneise nicht gefährdet, sagt Heyland.

Vor allem die Grünen kritisieren das. Joachim Lorenz vom Bezirksausschuss Obergiesing-Fasangarten: „Der Auftrag ist längst erteilt! Herr Heyland hat schon eine Änderung des Flächennutzungsplans und die Aufstellung eines Bebauungsplans in Auftrag gegeben.“ Lorenz habe 19 Jahre in der Stadtplanung gearbeitet. „Ich weiß doch, dass man so etwas nur tut, wenn man bauen will. Heyland spekuliert einfach darauf, dass sich die Bürger nicht damit auskennen.“ 

Von Kathrin Braun, avo

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