So wie immer sieht es derzeit in Münchens Kitas aus. Die SPD will den Druck von den Betreuerinnen und Betreuern nehmen.
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So wie immer sieht es derzeit in Münchens Kitas aus. Die SPD will den Druck von den Betreuerinnen und Betreuern nehmen.

SPD will mit Anträgen gegensteuern

Münchens: Kitas trotz Corona auf Hochtouren - „Unglaubliche Belastung“

  • Sascha Karowski
    vonSascha Karowski
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Die 1400 Kitas in München sind geöffnet – obwohl sie wegen des Lockdowns eigentlich bis 14. Februar geschlossen sein sollten. Laut Bildungsreferat sind derzeit rund 37 Prozent der Kinder in der Notbetreuung, manche Kitas sind zu 90 Prozent belegt. Die Rathaus-SPD will mit Anträgen gegensteuern.

Volle Kitas trotz Notbetreuung sind auch während des Lockdowns keine Seltenheit in München. Von 1400 Kindertageseinrichtungen ist derzeit keine einzige geschlossen. Und das, obwohl sie es eigentlich sein sollten. „37 Prozent der Eltern nehmen Notbetreuung in Anspruch“, sagt SPD-Fraktionschefin Anne Hübner. „Das ist deutlich mehr als der bayerische Durchschnitt.“ In manchen Einrichtungen seien 90 Prozent der Kinder da. „Das ist wie ein Normalbetrieb unter deutlich anderen Voraussetzungen“, sagt Hübner.

Mit fünf Forderungen will die SPD den Angestellten mehr Wertschätzung entgegenbringen. Unter anderem geht es um eine Corona-Prämie und um schnellere Impfungen. Denn auch in den Kindertageseinrichtungen herrscht Ansteckungsgefahr. Seit September sind 352 Erzieher an Covid-19 erkrankt, 236 Kinder hatten einen positiven Test, was unmittelbar zu Gruppenschließungen und Quarantäne führte. Aktuell sind 18 Gruppen geschlossen. Das Personal an Kindertagesstätten habe ein deutlich höheres Risiko an Corona zu erkranken als andere Berufsgruppen, teilt die SPD mit. Das habe jüngst eine Studie der AOK aufgezeigt. Und schließlich sei Homeoffice für Erzieher- und Kinderpflegerinnen unmöglich. „Es ist eine unglaubliche Belastung“, sagt die Fachdienstleiterin Kindertageseinrichtungen bei der Caritas München, Claudia Weiß. Die Erzieherinnen seien nicht nur bestrebt, die Kinder gut zu versorgen. „Sie haben auch persönliche Bedürfnisse, viele haben auch Kinder oder Familienmitglieder aus Risikogruppen.“ Und Weiß ärgert, dass in der Öffentlichkeit viel zu kurz komme, was Erzieher in der Pandemie leisteten.

SPD-Stadträtin Lena Odell sagte am Donnerstag: „Wir stehen in der Corona-Krise an der Seite des Kita-Personals, das hervorragende Arbeit unter schwierigsten Bedingungen leistet. Dieses Engagement wollen wir auch entsprechend entlohnen.“ Die Forderung nach einer Prämie für Erzieher sei eine alte, die SPD habe bereits im November nach einem Bonus verlangt. Doch bisher habe der Freistaat darauf nicht reagiert.

Ferner wünscht sich die SPD, dass dass Kita-Personal in der Impfstrategie dem Pflegepersonal gleichgestellt und eher geimpft wird. Derzeit sei vorgesehen, die Mitarbeitenden erst in der Prioritätsgruppe 3 zu impfen. Überdies fordern die Genossen, dass Corona als Berufskrankheit anerkannt wird. Das gebe den Beschäftigten zumindest die Sicherheit, dass sie im Krankheitsfall auch ausreichend abgesichert sind.

Eine weitere Forderung sieht vor, die Kommunikation zu verbessern – seitens der übergeordneten Behörden. Momentan würden Änderungen nicht direkt mitgeteilt, vieles sei nur aus der Presse zu erfahren. Und als Letztes verlangt die SPD/Volt-Fraktion vom Freistaat, Kitagebühren zu erstatten, wenn Kinder nicht in die Notbetreuung gehen. Das gesparte Geld könnte ein Anreiz für Eltern sein, ihre Arbeitszeit zu reduzieren.

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