1. Startseite
  2. Lokales
  3. München
  4. München Süd

Neue Hoffnung für die Sendlinger Moschee?

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Egemen Bagis (links) ist türkischer Europaminister und leitet auch die EU-Beitrittsverhandlungen für die Türkei. Deshalb traf er im März Kanzlerin Merkel in Istanbul. dpa

München - Noch einmal spitzt sich das Ringen um die Sendlinger Moschee zu. Heute will der Stadtrat das Projekt offiziell beerdigen. Doch urplötzlich meldet sich ein neuer Unterstützer: Der türkische Europaminister Egemen Bagis will das Projekt fördern - und stellt sogar finanzielle Hilfe in Aussicht

Eigentlich schien er längst ausgeträumt, der Traum vieler Muslime von einem eigenen Gotteshaus in der Innenstadt: Das Projekt „Sendlinger Moschee“ galt als gescheitert, weil es dem Moscheeverein Ditim an den nötigen Finanzmitteln für den Bau fehlte. Im Februar hatte der damalige Vorstand des Vereins bereits selbst das Aus verkündet.

Der neue Ditim-Vorstand hat seither zwar immer wieder neue Versuche unternommen, Geldgeber aufzutreiben - jedoch ohne konkretes Ergebnis. Mit großer Geduld gewährten OB Christian Ude und die Stadtverwaltung dem Verein lange Aufschub - doch nun haben sie genug vom Hin und Her. Die Stadt entschloss sich, vom Verkauf des städtischen Areals am Gotzinger Platz an Ditim zurückzutreten. Heute will das Kommunalreferat dies dem Stadtrat vorschlagen - das bestätigte ein Stadtsprecher am Dienstag. Der Verlust des Areals wäre freilich das Aus für das Projekt.

Im Vorfeld der Sitzung bestand kaum Zweifel daran, dass der Stadtrat dem zustimmen würde. Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) ging fest davon aus, und selbst die Grünen teilten mit, man habe sich „schweren Herzens“ dazu entschieden, dem Moscheeprojekt keinen weiteren Aufschub zu gewähren. „Irgendwann muss man einen Punkt machen“, so Stadträtin Gülseren Demirel. Die CSU ist ohnehin gegen die Moschee.

Doch gerade jetzt, wo sich die Stadt emotional von dem Projekt verabschiedet, tritt ein neuer Mitspieler auf den Plan: Egemen Bagis. Er ist Europaminister der Türkei und leitet für sein Land die Beitrittsverhandlungen mit der EU. Bagis teilte unserer Zeitung nun telefonisch aus Brüssel mit, er wolle dem Moscheeprojekt helfen. „Eine Moschee in München wäre eine wichtige Botschaft für den Weltfrieden. Ich würde das Projekt gerne unterstützen“, so Bagis. Zwar finanziere der türkische Staat Moscheen nicht direkt, es gebe aber eine Möglichkeit, die nötigen Mittel aufzutreiben.

Die türkische Religionsbehörde verfüge über Spendengelder aus türkischen Moscheen, die für vielfältige wohltätige Zwecke eingesetzt werden könnten - auch für einen Moscheebau in München. „Es hat ähnliche Fälle gegeben.“ Auf die Frage, ob ein Zuschuss in Millionenhöhe denkbar sei, sagte Bagis: „Für die Opfer der Katastrophe in Pakistan haben türkische Moscheen an einem einzigen Freitag 30 Millionen Euro gesammelt.“ Er versichere: „Die muslimische Welt wird die Münchner Muslime nicht im Stich lassen.“

Das plötzliche Engagement von Bagis gibt freilich manches Rätsel auf. Ditim-Mitglieder hatten schon früher versucht, Hilfe aus der Türkei zu erhalten - waren aber gescheitert. Auch wurde Bagis’ Engagement offenbar nicht durch einen Vorstoß der Ditim-Chefs angeregt, sondern durch einen Brief eines Münchner Journalisten: Rahmi Turan, Chefredakteur des türkisch-deutschen Magazins „Sultans“, hatte eine Beschreibung des Projekts an Bagis gesandt.

Nun steht die Stadt vor der Frage, wie ernst Bagis seine Zusagen wohl meint. Ude reagierte am Mittwoch sehr zurückhaltend. Freundliche Worte aus der Türkei reichten nicht aus, so der OB. Nur eine „schriftliche, rechtlich belastbare Erklärung“ über Zuschüsse könne noch etwas ändern. Ansonsten bleibe es beim Willen der Stadt, vom Verkauf des Moscheeareals zurückzutreten. Allerdings sagte Ude: Rein theoretisch bestünde auch nach der Stadtratsentscheidung noch die Möglichkeit des „Rücktritts vom Rücktritt“, falls tatsächlich eine konkrete Zusage eintreffe.

Der Kommunalausschuss des Stadtrats soll heute seine Entscheidung fällen. Diese muss am 6. Oktober von der Vollversammlung bestätigt werden.

Johannes Patzig

Auch interessant

Kommentare