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Es war Notwehr: Das sagte der Polizist zum Prügel-Vorfall auf der Polizeiwache in Au auch im Berufungsprozess.

Im Berufungsprozess

Prügel-Vorfall in Au: Polizist rechtfertigt Fausthieb

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München - Es war Notwehr: Im Berufungsprozess beharrt Frank W. darauf, die gefesselte Teresa Z. aus Notwehr geschlagen zu haben

Der verhängnisvolle Vorfall auf der Polizeiwache in der Au ist über ein Jahr her, doch mit den Folgen hat Teresa Z. auch heute noch zu kämpfen – körperlich wie seelisch. Da ist ihr rechtes Auge, das Probleme macht. Da, wo sie der Faustschlag des Polizeibeamten Frank W. traf. Immer wieder stockt die 24-Jährige, als sie gestern vor dem Landgericht München von Panikattacken und Albträumen berichtet, unter denen sie seither leidet. Zweimal die Woche sei sie in psychologischer Behandlung. Gelegentlich stünden auch Polizisten vor ihrem Haus, einfach so. „Ich wollte meinem neuen Kollegen nur zeigen, wo Sie wohnen“, habe ein Beamter zu ihr gesagt. Die Stimme der Frau bricht.

Mit den Polizistenbesuchen habe Frank W. nichts zu tun, glaubt die gelernte Tierarzthelferin. Der 34-Jährige sitzt nur ein paar Schritte von ihr entfernt auf der Anklagebank. Im August hatte ihn das Amtsgericht wegen Körperverletzung im Amt zu einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Das will Frank W. nicht hinnehmen, er hat Berufung eingelegt. Er pocht darauf, Teresa Z. am 20. Januar 2013 lediglich aus Notwehr einen Faustschlag verpasst zu haben, nachdem diese auf der Pritsche liegend zum Kopfstoß angesetzt habe.

Für Frank W. geht es um seine berufliche Zukunft. Bei einem rechtskräftigen Schuldspruch folgt ein internes Disziplinarverfahren, der Polizist könnte entlassen werden. Momentan ist er zu niedrigeren Bezügen suspendiert.

Vor Gericht blieb Frank W., weißes Hemd, Sakko und Jeans, gestern bei seiner Darstellung. Teresa Z., die mit gefesselten Händen auf der Pritsche lag, habe „hysterisch geschrien und gezappelt“ und die anwesenden Polizisten als „Hurensöhne“ beleidigt. Versuche, sie zu beruhigen, seien gescheitert. Unvermittelt habe Teresa Z. ihm ins Gesicht gespuckt. Er habe ihr Gesicht auf die rechte Seite gedreht, dann aber wieder losgelassen und sich heruntergebeugt. „Und jetzt ist Schluss“, will er gesagt haben. Teresa Z. sei daraufhin „ruckartig“ hochgeschnellt. „Ich hatte Angst und habe aus Reflex zugeschlagen.“

Der Vorsitzende Richter Michael Schönauer, der einen gut vorbereiteten Eindruck macht, kann da nicht ganz folgen. „Können Sie erklären, wieso man nach einer Spuckattacke nochmal so nahe mit dem Kopf rangeht?“ Er habe Teresa Z. immer noch beruhigen wollen, sagt Frank W. Er habe keinen „Rachegedanken“ verspürt, höchstens Ekel. Das komme im Beruf vor, dass man angespuckt werde. „Die Frage klingt dumm“, erwidert Schönauer. „Aber wird denn in der polizeilichen Ausbildung eingeübt, ein Annähern des Kopfes mit einem Faustschlag zu beantworten?“

Teresa Z. beharrt darauf, Frank W. habe sogar zweimal zugeschlagen. Im Vergleich zum ersten Prozess wirkt sie etwas verunsichert, an manches Detail des Vorfalls vor 13 Monaten kann sie sich nicht mehr genau erinnern. Frank W.’s Verteidiger nutzt das zu Angriffen. „Es geht um die Glaubwürdigkeit der Zeugin“, ruft er mehrfach. Die Polizisten, die zum Tatzeitpunkt in der Zelle waren, schlagen in eine ähnliche Kerbe und vermuten, Z. habe unter Drogen gestanden. „Sie war wie von einem Dämon beseelt“, sagt ein Beamter. Auffällig ist, dass die Beamten stärker als im August betonen, wie „wuchtig“ Teresa Z. vor dem Faustschlag hochgeschnellt sei. Als die Staatsanwältin die „Widersprüche zum letzten Prozess“ anspricht, sagt ein Polizist: „Damals war ich sehr aufgeregt. Was ich heute erzählt habe, entspricht der Wahrheit.“

Der Prozess wird am 10. März fortgesetzt, dann werden Richter Schönauer und die beiden Schöffen wohl auch ein Urteil fällen. Entscheidend dürfte wieder die Aussage des Rechtsmediziners Jiri Adamec sein. Sein Gutachten hatte Frank W. im August schwer belastet.

Angelo Rychel

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