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Sucht einen Kompromiss: Spektakel-Wirt Werner K. Ostheimer.

"Spektakel" in Sendling

Neubau gefährdet Traditionsgasthaus

München - Das Sendlinger Gasthaus Spektakel ist vom Teilabriss bedroht. Auch der Biergarten ist in Gefahr, wenn hier ein Neubau entstünde. Bürger sammeln 5000 Unterschriften geben das Vorhaben.

Schon 1889 floss an der Pfeuferstraße 32 die erste Mass im Freien. Nun droht dem mehr als 100 Jahre alten Sendlinger Wirtshaus Spektakel ein Teilabriss. Der Eigentümer, die Hausverwaltung Frimmer-Ferreira, will expandieren. Der Flachbau mit Saal für 150 Gäste soll weg und stattdessen ein vierstöckiges Haus neu gebaut werden. Der Schutz des gesamten Ensembles als denkmalwürdig ist abgelehnt. Damit seien die Chancen auf den Erhalt des Biergartens deutlich gesunken, sorgen sich Anwohner und die Grünen im Stadtrat.

Wirt Werner K. Ostheimer hat die Kündigung seines Pachtvertrags zum nächsten Frühjahr in Händen. 2002 ist er hier unter dem neuen Namen Spektakel gestartet. Er hofft jetzt auf eine Kompromiss-Lösung: „Ich bin ein Traditionalist und setze auf den Erhalt meiner Erlebnisgastronomie. Nur: Mein Zeitfenster geht zu.“ Denn er habe Personalverantwortung, besonders als Ausbildungsbetrieb. Ostheimer möchte sich mit den Besitzern einigen und glaubt, dass sich der Baubeginn nach hinten verschiebt. Wie sein Lokal die Bauzeit überstehen soll, weiß er aber nicht.

Im Neubau sind bis zu acht Wohnungen geplant sowie eine Tiefgarage mit Zufahrt, für die alte, geschützte Bäume gefällt werden müssen. „Das Salettl gehört saniert“, sagt Ostheimer. „Aber auch ein Neubau kann einen Saal beinhalten. Er ist für Vereine und Feste sehr wichtig.“ Aus seiner Sicht würden Wohnungen neben dem Biergarten funktionieren.

Gegen den Abriss wehrt sich eine Bürgerinitiative. Bereits 5000 Unterschriften habe man gegen das Bauvorhaben gesammelt, die meisten aus Alt-Sendling, sagt Rainer Klamt. Er und seine Mitstreiter sehen nicht ein, warum wegen so wenigen Wohnungen Biergarten und Wirtshaus eingeschränkt werden. „Unsere Münchner Biergartenkultur muss erhalten werden. Es gibt eh nur noch 13 Biergärten innerhalb des Mittleren Rings, und wer schützt die vor den Investoren?“

Auf der jüngsten Bürgerversammlung hat die Initiative erneut den Erhalt des gesamten Ensembles Tannengarten in der jetzigen Form gefordert. Ein zweiter Antrag wendet sich an den Stadtrat, der den Bauvorbescheid aufgrund der vorliegenden Unstimmigkeiten kritisch prüfen und revidieren soll. Auch der Baumschutz dürfe nicht nur auf dem Papier bestehen. „Was sind die Regelungen für die alte Kastanie und eine betroffene Flatterulme wert, wenn sie im Baufall nicht greifen?“, fragt Klamt. „Diese Ulme steht laut Bund Naturschutz auf der roten Liste als gefährdete Baumart. Sie würde den Neubau nicht überleben.“

Den massiven Baudruck bedauern auch die Stadtrat-Grünen. München verliere immer mehr sein traditionelles Gesicht, heißt es in ihrer aktuellen Anfrage an den Oberbürgermeister. Welchen Schutz und Wert hätten die Bäume im Tannengarten? Und welche Möglichkeiten sehe die Lokalbaukommission, den Bau abzulehnen, wollen die Grünen wissen. „Es ist ihre Aufgabe entgegenzusteuern und Lösungen zu finden.“

Bettina Ulrichs

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