Schreiner Markus Adam in seiner Werkstatt
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Mit Schwung in den Tag: Schreiner Markus Adam (48) stellt in seiner Werkstatt am liebsten Möbel her und freut sich, dass die Kunden wieder mehr Nachhaltigkeit schätzen. 

Mit Kraft durch die Krise

Tag des Handwerks: Münchner berichten von ihrer Leidenschaft

  • VonMartina Williams
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Am Samstag (18. September) ist bundesweit der Tag des Handwerks. Wie der Alltag von Handwerkern in München aussieht, zeigen wir an vier Beispielen.

Der Maler

Der Opa war ein gestandener Malermeister. Das hat Philipp Bamberg (23) so imponiert, dass er den gleichen Job erlernen wollte. Mittlerweile ist der junge Münchner* im zweiten Ausbildungsjahr und weiß: „Ich habe meinen Traumberuf gefunden.“

Spaß im Job: Maler Philipp Bamberg (23) ist im zweiten Ausbildungsjahr

Insgesamt drei Jahre dauert die Lehrzeit zum Maler und Lackierer - eine „triale Ausbildung“ im Betrieb, der Berufsschule und in der Maler und Lackierer Innung am Giesinger* Bahnhof. „Dort wird besonders auf die Ausführung verschiedener Techniken geachtet, damit wir alle auf dem gleichen Stand sind“, erzählt Philipp. Ob Wickel-, Schwamm- oder Stupftechnik - dem 23-Jährigen macht alles Spaß. „Es gibt eigentlich nichts, was ich nicht mag, auch wenn es oft anstrengend ist.“ Er streicht Türstöcke, Fenster und Wände, „ich bin Teamplayer, arbeite aber auch gern allein.“

Zwei Tage hat er Berufsschule pro Woche, die anderen drei arbeitet er von 8 bis 17 Uhr. „Schön ist auch, dass man am Abend immer das Ergebnis sieht.“ Nach seiner Ausbildung schaut’s positiv aus für ihn. „Gut ausgebildete Maler und Lackierer werden, wie alle Fachkräfte, händeringend gesucht“, heißt es bei der Innung. Philipp Bamberg freut sich schon: „Ich denke, ich werde dann noch meinen Meister draufsetzen.“

Die Friseurin

Scheren, Bürsten, Föhn und Farben - das war von kleinauf die Welt von Sabine Kollmeder. 1962 eröffneten ihre Eltern die Haarwerkstatt in der Kreittmayrstraße. „Noch immer hilft meine Mutter mit im Salon“, freut sich die 53-jährige Friseurin. Und fügt hinzu: „Das ist eine der schönen Seiten dieses Berufs: Man kann ihn bis ins hohe Alter ausüben.“

Die Corona*-Krise hat auch hier vieles erschwert. „Doch jetzt klappt alles wieder“, sagt Sabine Kollmeder. „Die Kunden zeigen ihre Impfpässe schon an der Tür, tragen Maske und freuen sich, dass sie zum Haareschneiden kommen können.“ Viele kennt die Münchnerin seit Jahren. „Es ist schön, dass man die Kunden begleitet in ihrem Leben mit all seinen Veränderungen.“ Wer das Handwerk lernen möchte: „Präzision, Kreativität und Menschenkenntnis sind gefragt, die Ausbildung dauert drei Jahre“, sagt die Haarexpertin. „Es ist ein toller Beruf, und die Arbeit geht nie aus.“ Auch nach 35 Jahren im Job freut sie sich, wenn sie das Geschäft morgens aufsperrt: „Denn jeder Tag ist anders, weil jeder Mensch einzigartig ist.“

Friseurin aus Leidenschaft: Sabine Kollmeder (53) kümmert sich seit 35 Jahren um ihre Kunden

Der Schreiner

Mit Holz hat Markus Adam (48) schon als Bub gern gebastelt. „Der Opa hat uns im Dorf mit Brettln versorgt.“ Aus dem Hobby wurde sein Beruf: Seit 32 Jahren ist Adam Schreiner „und es macht noch immer großen Spaß.“ Am liebsten stellt der 48-Jährige in seiner Werkstatt in der Gronsdorfer Straße in Haar Möbel her.

Die Corona-Pandemie* wurde zur Boom-Zeit. „So viel Arbeit hatten wir noch nie“, sagt Markus Adam. „Wir haben Spritzschutzwände für Geschäfte gebaut und Arbeitsplätze fürs Homeoffice. Viele Leute wollten auch ihr Heim mit neuen Möbeln verschönern, weil sie nicht in Urlaub konnten. Das Problem: „Bald gab es kaum noch Material, keine Spanplatten, Beschläge oder Griffe mehr.“ Offenbar kamen die Firmen gar nicht mehr mit der Produktion hinterher bei der Nachfrage, vermutet der Schreiner.

Was er an seinem Job liebt? „Dass er so umfangreich ist. Wir arbeiten nicht nur mit Holz, sondern auch mit Metall, Glas, Kunststoffen.“ Wichtig heutzutage: „Bei uns vermischen sich Tradition und Moderne. Auch wir haben mittlerweile Computergesteuerte Maschinen und müssen programmieren.“ Eines aber freut ihn besonders: „Die Leute schätzen wieder mehr Nachhaltigkeit und freuen sich über unsere Arbeit.“

Die Kosmetikerin

So hautnah am Menschen zu arbeiten wie Claudia Zeidler – das machen nur wenige. Die 40-Jährige ist gelernte Kosmetikerin, kümmert sich in ihrem Studio Schönheitswerk an der Schleißheimer Straße um das Wohl ihrer Kunden. „Das Schönste ist, dass ich Menschen helfen kann, ihre Gesundheit zu erhalten“, sagt die Münchnerin. Das kann die Behandlung bei Akne oder Neurodermitis sein, eine Gesichtspflege, Pediküre oder eine Rückenmassage. „Es kommen aber auch immer mehr Leute, deren Hautbild sich durch die Maske verschlechtert hat, weil zu wenig Luft hinkommt.“

Kosmetikerin mit Herz: Claudia Zeidler (40) ist froh, wenn sie Menschen helfen kann

Monatelang war ihr Studio im ersten und zweiten Lockdown geschlossen. „Ich gehe mit Bedacht aus der Krise hervor“, sagt Claudia Zeidler, „denn das Minus kann ich als Selbstständige nicht mehr reinholen, selbst wenn ich täglich länger arbeite.“ Trotzdem schätzt sie nach wie vor ihre Selbstständigkeit und hofft, diese noch lange ausführen zu können. Und rät auch Jugendlichen zum Kosmetik-Beruf. „Es ist ein wunderbares Handwerk, mit dem man Menschen so viel Freude bereiten kann.

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