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Der Investor und Bauherr Stefan F. Hoeglmaier (li.), hier mit Architekt Peter Haimerl, will das Anwesen nun behutsam restaurieren, damit wieder Leben in das geschichtsträchtige Haus einziehen kann. 

In Forstenried

So soll Münchens ältester Bauernhof wieder zum Leben erwachen

Lange stand die Zukunft des alten Derzbachhofes in Forstenried in den Sternen. Doch nun sieht es gut aus: Stefan Höglmaier wird dashistorische Gebäude sanieren und damit ein Stück Münchner Geschichte retten.

München - Das alte München verblasst. Nicht überall, aber an vielen Stellen – immer dann, wenn alte Häuser neuen, größeren Gebäuden weichen müssen. Doch es gibt Flecken, die sich wie Inseln im tosenden Meer der Nachverdichtung behaupten. An der Forstenrieder Allee gibt es so einen Ort. Wie aus der Zeit gefallen wirkt das Anwesen, das dort steht: der Derzbachhof, Münchens ältester Bauernhof. Jahrzehntelang stand er leer. Inzwischen steht fest, dass das Schmuckstück gerettet wird. Der Münchner Immobilienentwickler Stefan Höglmaier hat das Grundstück gekauft und wird das Haus behutsam sanieren.

Der Charme soll erhalten bleiben

Nicht weit entfernt vom Forstenrieder Dorfkern öffnet sich ein Blick in die Vergangenheit. Die Fassade scheint windschief und brüchig, der wettergegerbte hölzerne Balkon ist überraschend gut erhalten. Die Jahre haben ihre Spuren hinterlassen, doch genau das macht den Charme des Hauses an der Forstenrieder Allee 179 aus. Und das soll auch nach der Sanierung so bleiben, verspricht Höglmaier, dem die Firma Euroboden gehört. Er möchte den alten Hof auf keinen Fall in ein kitschiges Zuckergusshäuschen verwandeln. Seine Vision ist ein Wohnhaus, das etwas erzählt und seine Geschichte nicht versteckt. Ein Haus, in dem Vergangenheit und Zukunft sich berühren.

Auch Kuh- und Taubenstall sind noch da

Im Jahr 1751 wurde der Bauernhof errichtet. Er steht unter Denkmalschutz. Wer ihn betritt, fühlt sich, als sei er gerade aus einer Zeitmaschine gestiegen. Die Türrahmen und Decken sind teils so niedrig, dass nicht nur besonders groß gewachsene Besucher den Kopf einziehen müssen. In der bäuerlichen Stube ein alter Kachelofen, die Reste einer Sitzbank. Die Böden bestehen aus schönen alten Holzdielen und Steinplatten. Der Kuhstall ist gut erhalten, sogar einen Taubenstall gibt es. In der Tenne hängt Heu an den dicken Dachbohlen, in der kleinen Werkstatt liegt noch Werkzeug.

Münchens ältester noch erhaltener Hofbau: der Derzbachhof aus dem Jahr 1751 in Forstenried.

Bis in die 80er-Jahre war der Derzbachhof, auch Feichtbauernhof genannt, noch bewohnt. Die letzten Bewohner waren allerdings keine Landwirte mehr und hielten nur noch Hühner und Schafe. Danach fiel das Haus in einen Dornröschenschlaf mit ungewissem Ausgang. Sein schleichender Verfall bereitete Bürgern und Kommunalpolitikern immer wieder Sorgen. Der Stadt auch. 2016 vereinbarte sie mit den damaligen Eigentümern, einer Erbengemeinschaft, dass etwas getan werden müsse, um das Gebäude zu schützen. Dringend erforderlich sei vor allem die Bekämpfung von Schädlingen, hieß es damals. Käferlarven, die sich durch das alte Gebälk fraßen, sollten das Haus nicht weiter schädigen.

Ein Neubau im Ostteil des Grundstücks

Als die Nachricht die Runde machte, dass ein Investor der Erbengemeinschaft das Anwesen abkauft hatte, reagierten viele erleichtert. Auch im Bezirksausschuss Thalkichen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. Denn die Pläne von Höglmaier kamen sofort gut an. Dass der neue Besitzer den Bauernhof mit viel Liebe in ein Wohnhaus ummodeln und im östlichen Teil des Grundstücks nur einen moderaten Neubau errichten will, ist ganz im Sinne der Stadtviertelpolitiker.

Für Höglmaier ist es nicht das erste Projekt dieser Art. Auch das älteste Anwesen, das noch in Riem steht, das denkmalgeschützte Bauernhaus am Stockerweg 11, erbaut im 18. Jahrhundert, hat er zusammen mit dem Architekten Peter Haimerl wieder in ein Kleinod verwandelt. Mit viel Respekt vor dem alten Bauwerk und seiner Historie, und mit großer Begeisterung.

„Das Haus ist ein Schatz“

Höglmaier steht vor seiner Errungenschaft an der Forstenrieder Allee wie ein glückliches Kind vor dem Christbaum. Für Geschichte und Baudenkmäler habe er sich schon immer interessiert, erzählt er. Als er zum ersten Mal von dem verfallenden Hof las, war es gewissermaßen Liebe auf den ersten Blick. Der Immobilienentwickler zögerte nicht lange und versuchte Kontakt zu den Eigentümern aufzunehmen. Was zunächst gar nicht so einfach war, aber schließlich gelang. Auch den Erben gefiel Höglmaiers Idee, das Haus wieder nutzbar zu machen und gleichzeitig seine Identität zu wahren. Also wurde man sich einig.

Das Haus ist aus dem Jahr 1751.

„Das Haus ist ein Schatz“, sagt Höglmaier. Haimerl nickt zustimmend. Auch er bringt eine Menge Erfahrung mit. Und die gleiche Leidenschaft für die Revitalisierung alter Gebäude. Sein Projekt „Birg mich Cilli“ zum Beispiel, der Umbau eines Bauernhauses in Eben bei Viechtach, katapultierte ihn über Nacht in die Riege der meistbeachtetsten Architekten Deutschlands.

Ein Stück Architekturkultur

Leicht wird es nicht, das wissen der Bauherr und der Architekt nur zu gut. „Natürlich ist so eine denkmalgerechte Sanierung eine große Herausforderung. Aber die Freude überwiegt“, sagt Haimerl. Wie bereits in Riem, soll nun auch in Forstenried in einem kreativen Prozess ein Stück Architekturkultur entstehen. Altes und Neues werden dann reizvolle Kontraste bilden. Erklärtes Ziel ist, die Strukturen und den Charakter des Hofes zu erhalten. Die Stube wird also wohl so niedrig bleiben wie anno dazumal. „Es gibt Menschen, die kultur- und architekturinteressiert sind, die nach Unikaten suchen und genau so wohnen wollen“, sagt Höglmaier.

Wie viele Wohnungen in dem Haus entstehen werden und wie groß die im Einzelnen sind, steht noch nicht fest. Höglmaier hofft, dass die Stadt noch in diesem Jahr einen positiven Vorbescheid erteilt. Danach werde der Bauantrag gestellt. „Wir wollen spätestens übernächstes Jahr mit der Sanierung und dem Umbau anfangen“, sagt er. Später wird es, wie auch beim Schusterbauernhaus, eine Fotoausstellung Einblicke in die Vergangenheit und die architektonische Transformation des Derzbachhofes geben.

Brigitta Wenninger

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