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Am Schmusegitter stehen Eisbärin Corinna (l.) und Eisbär Yoghi in Stuttgart. Dort lebt der Vater der Münchner Eisbär-Zwillinge seit 12. März.

Corinna zeigt ihm die kalte Schulter

Eisbär Yoghi: Vergebliches Flirten in Stuttgart

München/Stuttgart - Der Münchner würde ja schon gerne, doch die Stuttgarterin ziert sich. Noch funkt es nicht so richtig zwischen dem bayerischen Eisbären Yoghi und der Eisbärdame Corinna. Yoghis Eisbärenkinder begeistern unterdessen das Münchner Publikum.

Es ist eine Mischung aus Sehnsucht, Trieb und Wachsamkeit, mit der Yoghi am Schmusegitter sitzt. „Er ruft“, erklärt Ulrike Rademacher, die Raubtier-Kuratorin des Stuttgarter Zoos Wilhelma. Und wenn Yoghi ruft, bewegt er sein Becken so heftig, bis der ganze, geschätzt 400 Kilogramm schwere Eisbär bebt. Doch die angehimmelte Eisbärdame Corinna scheint das nicht zu beeindrucken. Jenseits der Gitter dreht sie in aller Seelenruhe ihre Runden und reagiert so gar nicht auf die Avancen des Bayern.

Liebe auf den ersten Blick sieht jedenfalls anders aus. Corinna – mit 24 beachtliche zehn Jahre älter als Jungspund Yoghi – scheint das alles etwas schnell zu gehen. Schließlich ist Yoghi erst seit dem 12. März in Stuttgart. Der Vater der Münchner Eisbär-Zwillinge, die derzeit die Besucher des Tierparks Hellabrunn verzücken, gilt dort als Gefahr für die Kleinen. „Es ist absolut üblich, Vater und Nachwuchs zu trennen“, sagt Rademacher. Separiert im Einzelgehege, wurde Yoghi aber nicht glücklich. Abwechslung soll er am Neckar bekommen. Wenn Corinna denn mitspielt.

Eisbär Yoghi weicht kaum vom Schmusegitter und frisst nur wenig

Den Platz am Schmusegitter – so nennt die Wilhelma die beiden parallelen Abgrenzungen – verlässt Yoghi derzeit jedenfalls nur, wenn es unbedingt notwendig ist. „Er meint, aufpassen zu müssen, dass ihm kein anderer Eisbär Corinna wegnimmt“, sagt Rademacher. Selbst das Fressen würden Eisbären in solcher Lage auf ein Minimum zurückgefahren. „Deshalb ist er jetzt auch recht dünn.“ Und dafür, dass er etwas zerrupft um Corinna buhlt, könne er auch nichts. Gerade sei Fellwechselzeit. „Er sieht aus, als hätte er Motten.“ Der Koloss werde aber jetzt von Tag zu Tag hübscher.

Der Hintergrund der geplanten Liaison ist tragisch: Corinnas eigentlicher Partner Anton ist im Februar gestorben, nachdem er einen Besucher-Rucksack samt Jacke und Stoffpuppe verschluckt hatte, der in sein Gehege gefallen war. Corinna und Anton hatten Ende 2007 dem Stuttgarter Zoopublikum das Eisbärbaby Wilbär geschenkt. Ihr Nachwuchs lebt inzwischen in Schweden. Nach Knut in Berlin und zeitgleich mit Flocke in Nürnberg stand Wilbär für eine Eisbär-Euphorie in Deutschland. Seither war Corinna noch zweimal erfolglos schwanger. Einmal waren Zwillinge unterwegs, und eine Schwester von Wilbär starb 2009 nach nur wenigen Tagen.

Corinna ist nur sechs Wochen paarungsbereit - jetzt heißt es Daumendrücken

Der Zuchtversuch mit Yoghi ist nicht jedermanns Sache. Kritik kommt von der Tierschutzorganisation Peta. Dort spricht man von „vorsätzlicher Tierquälerei aus kommerziellen Beweggründen“. Die Nachzucht eines Eisbärenbabys in Stuttgart wäre kein Zuchterfolg, meint Peta-Zoologe Peter Höffken. „Eisbären leiden in Gefangenschaft immens und deutlich sichtbar unter den artwidrigen Bedingungen.“ Ohnehin ließen sie sich nie wieder auswildern.

Jubilieren würden hingegen die Verantwortlichen des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP). Corinna und Yoghi sind nicht verwandt und ihre Gene bislang in der europäischen Eisbär-Population nicht weit verbreitet. Genetisch wertvoll, nennt man das. Heißt: Im Sinne eines gesunden Zoobestands und des Arterhalts wäre Daumendrücken angesagt, dass die von Yoghi permanent abgefeuerten Amor-Pfeile Corinna treffen. Eisbärmänner seien von Ende Februar bis Ende Mai paarungsbereit, erklärt Rademacher, die Damen hingegen nur sechs Wochen.

Als ruhig und umgänglich war Yoghi angekündigt worden. „Das kann ich bisher nicht bestätigen“, so Rademacher. Doch das werde schon noch, wenn er sich richtig eingelebt habe. Viel Zeit bleibt aber nicht: Im Herbst ist Yoghi wieder weg. Ob es Nachwuchs von ihm in Stuttgart gibt, wird er nie mitbekommen.  

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dpa

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