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Karl Pauli (CSU) warnte stets vor einem Präzedenzfall hier im Grünzug, falls das erste Bauvorhaben genehmigt wird.

Bauvorhaben

Forstenrieder Grünzug in Gefahr

München - Das Bangen um den Forstenrieder Grünzug geht weiter. Denn er soll bebaut werden und liegt in einem sensiblen Areal: Die Schneise hat die wichtige Funktion, die Stadt mit kühler, alpiner Frischluft zu versorgen. Ein Bauvorhaben dort führte bereits zu erbitterten Diskussionen. Nun sind es bereits zwei.

Die CSU-Fraktion im zuständigen Bezirksausschuss Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln (BA19) sieht damit ihre Befürchtungen bestätigt: Mit der Genehmigung der ersten Bauvoranfrage habe die Stadt einen Präzedenzfall geschaffen. Deshalb müsse sie jetzt unbedingt die Baugenehmigung verweigern. Mit diesem Anliegen blitzt die CSU allerdings bei den anderen Fraktionen im BA ab.

Seit Mitte des vergangenen Jahres wird über die als „Allgemeine Grünfläche“ und als „Überörtliche Grünbeziehung“ ausgewiesenen Flurstücke erbittert diskutiert. Ausgelöst hatte den Streit die Arbeiterwohlfahrt (AWO), die an der Herterichstraße 158 bereits eine Unterkunft für zehn unbegleitete minderjährige Flüchtlinge betreibt. Direkt nördlich davon will sie auf einem städtischen Stiftungsgrundstück zusätzliche Bauten für junge Erwachsene mit Migrationshintergrund errichten.

Wird ein Präzedenzfall geschaffen?

Im Bezirksausschuss (BA) stemmte sich die CSU-Fraktion sofort gegen die Pläne und forderte die Stadt auf, das Vorhaben nicht zu genehmigen. Auch der CSU-Stadtrat Michael Kuffler warnte vor möglichen Folgen. „Andere Grundstückseigentümer können dann kaum davon abgehalten werden, nachzuziehen. Dann müssen weitere Bauvorhaben im geschützten Bereich Forstenrieds genehmigt werden“, sagte Kuffler. SPD, Grüne und FDP wollten der AWO die Pläne dagegen nicht vermasseln. Sie plädierten dafür, die Baukörper etwas zu verschieben und deutlich weniger als die ursprünglich 80 vorgesehenen Plätze zu schaffen. Ein Präzedenzfall dürfe nicht entstehen, so auch ihre Forderung. Die CSU schloss sich schließlich im September mehrheitlich zähneknirschend an.

„Es werden 46 Plätze geschaffen“, so Frank Holzkämper, Leiter des AWO-Referats Jugendhilfe und Flüchtlingsbetreuung. Der allererste Entwurf sei von einer ähnlichen Zahl ausgegangen. Doch die damalige Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) habe eine Aufstockung gefordert. „Inzwischen hat sich die Unterbringungssituation aber wieder geändert“, sagt Holzkämper. Die AWO hofft, dass die Baugenehmigung bis Mitte Februar erteilt wird. „Dann könnte der Baustart im März erfolgen.“

Bürger starteten eine Petition

Auch viele Bürger sorgen sich. Im Herbst unterschrieben 900 Personen eine Petition gegen das Vorhaben. Die Initiatoren der Unterschriftenaktion argumentieren, dass Grünzüge bisher aus gutem Grund nie angetastet wurden. Es müsse verhindert werden, dass in Forstenried eine sukzessive Bebauung drohe.

Genau das scheint nun einzutreten. Der Eigentümer des Nachbarareals an der Herterichstraße 160 hat inzwischen eine Bauvoranfrage für den rückwärtigen Teil seines Grundstücks gestellt. Es liegt ebenfalls im Grünzug. Den Antrag der CSU, der AWO deshalb nun trotz positivem Vorbescheid die Baugenehmigung zu verweigern, bezeichnete Michael Kollatz (SPD) jedoch als sinnlos. Die Stadt habe entschieden, dass das Flurstück im Innenbereich liege: „Der Bauantrag ist also zwingend zu genehmigen. Wir können die Stadt nicht auffordern, rechtswidrig zu handeln.“

Alexander Aichwalder (Grüne) bezeichnete den CSU-Antrag als kontraproduktiv und kritisierte die Bauvoranfrage der Eigentümerfamilie an der Herterichstraße 160: Vielmehr müsse nun über „völlig überzogene Forderungen von Großkopferten“ diskutiert werden. Das wiederum wollte Rosmarie Rampp so nicht stehen lassen: Diese Behauptung sei ungeheuerlich. „Es handelt sich um eine alteingesessene Forstenrieder Familie, die sich viel für den Stadtteil eingesetzt hat“, so Rampp.

Eine ungute Entwicklung

Moderater formulierte es Kollatz in seinem Antrag: Die jetzige Bauvoranfrage lehne man nachdrücklich ab, da die Planung überdimensioniert sei. Mit drei Stockwerken seien die Gebäude deutlich höher als die der AWO. Zudem finde sich für die Querriegel kein Bezugsfall in der Umgebung. Die Mehrheit von SPD, Grünen und FDP stimmte dem zu.

„Wir haben immer wieder davor gewarnt, dass das Vorhaben der AWO einen Präzedenzfall schaffen wird“, ärgerte sich Karl Pauli (CSU). Für ihn und seine Fraktionskollegen ist das alles eine ungute Entwicklung. In Städten, in denen so sehr nachverdichtet werde wie in München, müssten die Grünzüge besonders geschützt werden. Denn die Schneisen seien die Voraussetzung dafür, dass durch das meteorologische Phänomen „alpines Pumpen“, genügend kühle Luft von Süden in die Stadt ströme.

Brigitta Wenninger

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