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Er war ihr Halt, nachdem die Mutter gestorben war: Die Schwestern Laura (re.) und Elena mit Papa Stanislaw Piotrowski.

Mutter starb an Krebs, Vater vermisst

Münchner Mädchen verzweifelt: Papa, komm heim!

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Zwei Fürstenrieder Schwestern suchen verzweifelt nach ihrem Papa. Vor zwei Wochen ging er zum Tanzkurs - und kam nicht mehr heim.

München - Es ist kurz vor 18 Uhr, als Stanislaw Piotrowski (61) aus dem Leben seiner Töchter verschwindet. Wie an den Donnerstagen davor will der Fürstenrieder auch vor zwei Wochen zu seinem Standard-Tanzkurs, zieht eine blaue Jacke und eine schwarze Mütze an. „Papa, gehst Du?“, fragt Tochter Elena (13). Er sagt: „Ja, Elena, ich gehe“. Seitdem haben Elena und ihre große Schwester Laura (19) kein Lebenszeichen mehr von ihrem Papa bekommen.

Die Tanzschule erreichte Stanislaw Piotrowski nie, unter seiner Handynummer geht seit dem Donnerstag nur die Mailbox dran. „Wir sind total verzweifelt - unser Papa würde uns nie ohne Grund verlassen“, sagen die Schwestern. Laura und Elena sind nun ganz auf sich alleine gestellt. Ihre Mama Renata ist vor drei Jahren gestorben. Krebs. 

Töchter haben keinen Zugriff auf Papas Konto

Auch wenn die lange Krankheit der Mutter ihn sehr belastet habe: Ihr Vater sei ein sehr fürsorglicher alleinerziehender Papa gewesen, erzählen Laura und Elena. Der Diplom-Ingenieur ging nach dem Tod seiner Frau in Frührente. Besonders, weil er sich um die jüngere Tochter Elena kümmern wollte. „Wir wissen gar nicht mehr, was wir denken sollen.“

Laura war eigentlich für ihr VWL-Studium an der LMU schon in eine eigene Wohnung gezogen. Doch nun ist sie wieder nach Hause zurückgekehrt, kümmert sich zusammen mit ihren beiden Tanten um ihre kleine Schwester. Der Schock über das Verschwinden des Vaters sitzt tief. Ihr tägliches Leben müssen die Schwestern von den Ersparnissen der Studentin bestreiten, Zugriff auf das Konto ihres Vaters haben die beiden nicht. Nur die Miete geht noch automatisch von seinem Konto weg.

Die Tanzschule, zu der Stanislaw Piotrowski wollte, ist nicht weit entfernt. Wahrscheinlich wollte er zu Fuß hingehen, vermuten seine Töchter. Seine Isarcard, den Auto- und Haustürschlüssel habe er daheim liegenlassen. Die jüngere Tochter war zuhause, ging irgendwann schlafen, doch auch am nächsten Tag war der Papa nicht zurück.

Polizei kann keine große Hoffnung machen

Von einer neuen Bekannten, etwa aus dem Tanzkurs, hat der Vater den Mädchen nicht erzählt. „Sonst haben wir über solche Themen geredet“, sagt Laura. Deswegen glauben die Schwestern nicht, dass ihr Vater durchbrennen wollte. Auch Depressionen habe er nicht gehabt. Nur weniger schick als sonst habe sich der Papa für den Tanzkurs gemacht - statt einem Anzug habe er Alltagskleidung, seine Winterjacke und feste Schuhe, getragen, außerdem einen Rucksack dabeigehabt. 

Im ganzen Viertel haben Laura und Elena Suchmeldungen aufgehängt, bei der Polizei eine Vermisstenanzeige aufgegeben. „Doch die Beamten konnten uns keine großen Hoffnungen machen: Bisher gibt es wenige Ansatzpunkte, was passiert sein könnte.“ 

Vielleicht habe ihr Vater einen Gedächtnisverlust erlitten, irre irgendwo umher. „Unsere einzige Hoffnung ist noch, dass ihn jemand gesehen hat.“ Momentan spenden den Schwestern nur die Erinnerungen an ihren Papa Trost. Vor kurzem erst waren sie zu dritt in der Stadt - Schlittschuhlaufen.

3000 Vermisste jährlich!

Im Fall des Fürstenrieders ermittelt die Vermisstenstelle der Münchner Polizei. 2500 bis 3000 Vermissten-Fälle bearbeiten die Beamten jährlich. 2015 waren etwa ein Drittel der Gesuchten Erwachsene und zwei Drittel Minderjährige, sagt Sprecher Peter Beck (Foto). „Die meisten Fälle klären sich schnell auf.“ Zunächst sprechen die Beamten in einem Vermissten-Fall mit Familienangehörigen, Freunden und Bekannten des Gesuchten. Dann fragen sie Kliniken und Rettungsleitstellen an. Je nach Ernst der Lage, können etwa bei vermissten Kindern, bei Suizidgefahr oder dem Vorliegen einer Straftat ein Helikopter oder auch Mantrailerhunde losgeschickt werden. Schwierig wird es, wenn bei Erwachsenen keine Anzeichen für eine Depression oder eine Gewalttat vorliegen. Beck: „Jeder Erwachsene hat das Recht, sich aufzuhalten, wo er möchte.“

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