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Regte den Protest gegen die Äußerungen von CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer an: Michael Feil vom Pfarrgemeinderat aus Fürstenried.

Protest bei Ministerpräsident Seehofer

Fürstenrieder Pfarrgemeinde schreibt Brandbrief gegen Scheuer

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München - Die Fürstenrieder Kirchengemeinde Sankt Matthias hat sich in einem offenen Brief bei Ministerpräsident Horst Seehofer über Andreas Scheuer beschwert. Der CSU-Generalsekretär rief daraufhin bei einem Pfarrgemeinderats-Mitglied an.

Es war Mitte September, als Michael Feil (67) die „Hetze“, wie er sagt, zu viel wurde. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer (42) hatte im Regensburger Presseclub erklärt, ein „fußballspielender, ministrierender Senegalese, der über drei Jahre da ist“ sei „das Schlimmste“. Denn den würde man nie wieder abschieben.

Der Münchner Feil engagiert sich seit vielen Jahren im Pfarrgemeinderat der katholischen Pfarrei St. Matthias (Fürstenried). Er setzte sich mit seinen Pfarrgemeinderats-Kollegen zusammen - um einen offenen Brief an Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (67, CSU) zu verfassen.

„Seine Ausdrucksweise wäre bei der AfD bestens aufgehoben.“

Sie seien „zutiefst betroffen von den volksverhetzenden Reden“ Scheuers, schreiben die Unterzeichner des Briefes. Derartige Worte zeugten von einem Menschenbild, das mit ihrem christlichen Wertebild nicht in Einklang zu bringen sei. „Seine Ausdrucksweise wäre bei der AfD beziehungsweise Pegida bestens aufgehoben.“

Mitunterzeichner des Briefes ist auch Pater Vijay Kumar Tirkey von den Steyler Missionaren, der die Gemeinde seit vier Jahren als Pfarrer leitet. Er stammt aus Indien - und kommt gleich zu Beginn des offenen Briefes vor. Die Gemeinde habe „einen die heilige Messe zelebrierenden, gelegentlich singenden und Lederhose tragenden Pfarrer aus Indien“ heißt es, „den wir absolut nicht wieder loshaben wollen“.

Es sei doch entscheidend für die Integration, dass sich als Fremde nach Deutschland Gekommene einbringen, sagt Pfarrgemeinderats-Mitglied Michael Feil. Seine Frau engagiert sich seit 25 Jahren für Geflüchtete. „Herr Scheuer schürt nur Ängste. Das Gute, das hier in Sachen Integration geleistet wird, kehrt er unter den Teppich.“ 

Mit dem Brief an den Ministerpräsidenten habe der Pfarrgemeinderat der CSU zeigen wollen, dass Scheuer nun den Bogen überspannt habe. Dessen Äußerung hatte in der Öffentlichkeit und Kirchenkreisen für Empörung gesorgt. 

Pfarrgemeinderat Feil hat einen Erfolg im Disput mit Scheuer schon zu vermelden: Am Freitag habe der Generalsekretär in der Pfarrgemeinde angerufen und sei zu ihm durchgestellt worden. „Wir haben länger geredet. Und beschlossen, dass wir uns nicht einig werden.“

Das Telefonat habe stattgefunden, bestätigt auch ein Sprecher des CSU-Politikers gegenüber der tz. Zum Inhalt wollte sich Scheuer nicht äußern. 

Ramona Weise

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