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Bodycheck: Als Robben-Bulle Pepe nach der Fütterung Bürgermeisterin Strobl und ihrem Eimer folgt, rennt er Tierpfleger Helmut Kern beinahe um.

„Meilenstein beim Masterplan“

Hellabrunn vollendet die Polarwelt: Hier treffen sich Fuchs und Hase

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Neue Optik, neue Technik und vor allem neue Tiere: Mit dem zweiten Teil der Polarwelt hat der Tierpark Hellabrunn die erste in sich geschlossene Geozone vollendet.

Als Mähnenrobben-Bulle Howie seine 350 Kilo Lebendgewicht auf die Halbinsel im neuen Becken wuchtet, geht ein Raunen durch die Menge, und Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) tritt unwillkürlich einen halben Schritt zurück. Doch dann fasst sie sich ein Herz, greift in den Eimer und reicht Howie einen Fisch. Und noch einen. Und noch einen. Minuten später ist der Eimer leer und Howie gibt Strobl freundlich die Flosse. Dann wirft er sich wieder in die Fluten, taucht ab – und bleibt sichtbar. 

Waren die Robben früher oftmals in einer braungrünen Brühe nur zu ahnen, so ist das Wasser jetzt kristallklar, dank einer neuen Filteranlage, die rund um die Uhr das Wasser im Becken sauber hält. Nur auf dem Beckenboden wächst noch ein grüner Algenteppich. Doch das sei gewollt, erläutert Baban. „Der weiße Betonboden würde die Tiere sonst bei Sonnenschein blenden.“

„Das Herz der Robbenanlage“: Zoochef Rasem Baban in der Filterstation.

Die Robbenanlage, in den 70er-Jahren im damals angesagten Beton-Look gebaut, hat sich verändert. Naturstein und Baumstämme prägen jetzt das Bild und sollen an eine südchilenische Steilküste erinnern. Die neun Robben fühlen sich darin erkennbar wohl.

Von den kalifornischen Seelöwen, die sich einst in einem zweiten Becken tummelten, hat sich der Tierpark getrennt; sie passen im Geozoo-Konzept, das die Tiere nach ihrem natürlichen Lebensraum gruppieren will, nicht in die Polarwelt. Anstelle des Beckens ist nun eine Tundralandschaft entstanden, in die echte Polarbewohner eingezogen sind: Polarfuchs Yaqui, der bisher neben den Raubkatzen untergebracht war, trabt Seite an Seite mit seinem neuen Weibchen Linda durch sein Revier, seine Nachbarn sind drei Schneehasen und ein Pärchen Schneeeulen. Der Besucher kommt diesen Tieren auf einem Steg, der durch die Gehege führt, so nahe wie wenigen anderen Tieren in Hellabrunn. Der Weg führt sogar direkt in die Voliere der Eulen hinein.

Begeistert: Irene und Ernst Paulmeyer.

Ein Nebeneffekt: (Polar-)Fuchs und (Schnee-)Hase können sich in Hellabrunn nun gute Nacht sagen, denn ihre Gehege sind nur durch ein Gitter getrennt, das unter dem Besuchersteg verläuft. „Die anfängliche Unruhe war nach ein paar Stunden weg“, berichtet Tierpark-Sprecher Daniel Hujer. „Die Hasen haben schnell gemerkt, dass die Füchse ihnen nichts anhaben können.“ Und wirklich: Die drei Langohren, die erst in ein paar Wochen ihr weißes Winterfell bekommen werden, sitzen seelenruhig auf der Wiese, als hätte sie Albrecht Dürer dort hingemalt. „Die sind obercool“, bestätigt Tierpfleger Helmut Kern.

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Warum es all diese Tiere auch im Polarwinter ebenso wenig friert wie die Eisbären und Pinguine gegenüber, können Besucher in einem Blockhaus erkunden: Eine Infrarotkamera zeigt auf einem Bildschirm, wo sie Wärme abstrahlen. Die Bilder der Polarbewohner machen deutlich, um wieviel besser die Tiere isoliert sind.

Noch haben sie alle ihr schneeweißes Winterkleid nicht angelegt: Die Polarfüchse Yaqui und Linda.

Knapp fünf Millionen Euro hat die Umgestaltung gekostet, deren Planung 2014 begann. Flusssande, auf die man im Untergrund stieß, hätten die Bauarbeiten verzögert, berichtete Baban: „Das ist das Erbe der Eiszeit, und wir haben direkt reingegriffen.“ Jetzt ist an der Problemstelle eine Besucherplattform. Darunter liegt ein neun Meter tiefer Keller, in dem „das Herz der Mähnenrobben-Anlage“ schlägt, wie es Baban ausdrückt. Eine moderne, mehrstufige Filteranlage erspart die Handreinigung der Becken, die dafür früher alle paar Wochen abgelassen werden mussten. „Das bedeutet weniger Stress für die Tiere, und wir konnten den Einsatz von Chemikalien erheblich drosseln“, berichtet der Zoochef.

Der Umzug in die neuen Gehege vor zwei Wochen sei problemlos verlaufen, erzählt Bereichsleiterin Anja Waldinger. „Die Tiere werden mit Leckerbissen an ihre Transportboxen gewöhnt und gehen da von selbst rein. Nur die Eulen mussten wir einfangen.“ Die Tiere hätten sich gut eingelebt, „und es geht jeden Tag besser“.

Und die drei Schneehasen haben sich aber in ihrer neuen Rolle als Nachbarn gut eingelebt. Immerhin trennt sie ein stabiles Gitter.

Auch Irene und Ernst Paulmeyer sind angetan. „Die Nähe zu den Tieren ist einmalig“, sagt das Rentner-Ehepaar, das die Patenschaft für einen Eselspinguin übernommen hat und zur Eröffnung eingeladen wurde. Nur eine Sorge hat Irene Paulmeyer: „Hoffentlich wirft nicht gleich wieder jemand irgendwas in die Gehege hinein.“

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Thalkirchen – mein Viertel“.

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