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Die farbig hervorgehobenen Gebäude werden saniert und sollen dann als „Junges Quartier“ die Integration junger Menschen in die Gesellschaft vorantreiben. 

Bundesweit einizartig

100-Millionen-Euro-Projekt für die Jugend

München - In Obersendling entsteht ein Bildungs-, Kultur- und Begegnungszentrum – Die Bauarbeiten haben begonnen.

Gewaltig aufs Gas gedrückt hat die Stadt bei dem bundesweit einzigartigen Integrationsprojekt „Junges Quartier Obersendling“. Im April 2015 beauftragte Oberbürgermeister Reiter das Sozialreferat damit, die Realisierung des Vorhabens zu prüfen. Jetzt haben die Bauarbeiten begonnen.

Noch wirkt der frühere Bürokomplex zwischen Schertlin- und Machtlfinger Straße alles andere als einladend. Doch das wird sich bald ändern. Das schmucklose, rund 25 000 Quadratmeter große Areal mit den fünf Gebäuden verwandelt sich in ein „Bildungs-, Begegnungs- und Kulturzentrum“ für junge Menschen mit und ohne Fluchthintergrund. Ab Ende 2018 sollen sie dort gemeinsam leben und lernen. Mehr als 100 Millionen Euro soll das Vorzeigeprojekt kosten.

Der Bauherr, die GEG German Estate Group AG, hat das Konzept in enger Abstimmung mit der Stadt entwickelt. Je ein Drittel der Flächen werden künftig für Aus- und Weiterbildungsangebote, für die Unterbringung und Begleitung junger Erwachsener im Alter von 18 bis 25 Jahren und für Büro und Verwaltung städtischer Institutionen genutzt. Die Stadt hat das Areal für 22 Jahre gemietet. Sie setzt große Hoffnungen in das „Junge Quartier Obersendling“.

Laut Sozialreferat werden bis 2018 rund 3600 junge Erwachsene aus der Jugendhilfe entlassen werden. Ohne weitere Unterstützung würden viele von ihnen sich schwer tun. Ihnen drohe eine prekäre Lebenssituation mit hohem Armutsrisiko, heißt es. Das Integrationsprojekt soll ihnen den Weg in ein eigenverantwortliches Leben ebnen.

Untergebracht werden die jungen Erwachsenen in dem Quartier durch das Stadtjugendamt und durch das Amt für Wohnen und Migration. Es handelt sich zum einen um junge Menschen, die vorher in stationären Jugendhilfeeinrichtungen lebten, zum anderen um junge Flüchtlinge in Aus- und Weiterbildung. Insgesamt stehen 325 Plätze zur Verfügung. Als Quartiersmittelpunkt gedacht sind ein Kantinen- und Cafeteria-Bereich, Hobby- und Musikräume sowie weitere Räume zur Freizeitbeschäftigung.

Die fünf Gebäude umfassen zusammen rund 47 000 Quadratmeter Mietfläche. Vier dieser Module werden nun nach und nach entkernt, modernisiert, energetisch saniert und umgestaltet. Mit dem nördlichsten Bauteil geht es los. Bis zum 4. Quartal 2018 werde das neue Quartier fertiggestellt sein, so die GEG German Estate Group. Das Unternehmen versichert, es werde „Lärm- und Schmutzbelästigung für Anrainer minimieren“. Der Anliegerverkehr werde nicht behindert: „Materialien werden auf dem Grundstück gelagert.“

Derzeit wird das nördlichste Gebäude entkernt, um Raum für neue Zwischenwände und haustechnische Installationen zu schaffen. Zudem starten die Außenarbeiten: Es werden rund 6000 Quadratmeter Fassadenverkleidung entfernt, eine neue Dämmung und Putz angebracht und 350 moderne Fenster eingebaut. Bis Frühjahr 2017 sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Anschließend geht es mit dem Innenausbau und der technischen Gebäudeausrüstung weiter. Auf sieben Etagen mit insgesamt 11 450 Quadratmetern Nutzfläche entstehen Räume für das Sozialbürgerhaus, das bisher an der Plinganserstraße lag. Außerdem werden Unterrichts- und Schulungsräume für die Initiativgruppe (IG) München und Wohnraum für 56 anerkannte Flüchtlinge geschaffen. Voraussichtlich im 4. Quartal 2017 erfolgt die Übergabe des Moduls an die Stadt.

Im August geriet das Areal aus anderen Gründen in die Schlagzeilen. Die mittleren Gebäude dienen momentan als Übergangsunterkunft für anerkannte Flüchtlinge. Derzeit leben dort etwa 720 Menschen. Einige randalierten, weil sie mit dem Essen unzufrieden waren. „Die Stadt sorgte für Verbesserungen. „Das Catering geht nun stärker auf die Essgewohnheiten der Gäste ein“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Ab Herbst können die Flüchtlinge selbständig in neu eingebauten Küchen Mahlzeiten zuzubereiten.“

Bis Mai 2017 werden die Flüchtlinge in andere, höherwertige Gemeinschaftsunterkünfte umziehen. Anschließend startet auch in den anderen Modulen der Umbau.

Nutzen werden die Gebäude auch die Berufsschulen an der Luisenstraße und der Carl-Wery-Straße. Sie verlegen einen Teil ihres Betriebs ins Junge Quartier, während sie erneuert werden. Geschaffen werden außerdem weitere Unterkünfte für junge Menschen mit und ohne Fluchthintergrund, 144 Plätze für Asylbewerber sowie Räume für soziale Einrichtungen wie die SchlaU-Schule, das Afrikanische Begegnungszentrum und eine Stadtteil-Jugendeinrichtung.

Oberbürgermeister Reiter lobt das Konzept: „Die Einbindung des Quartiers in das nachbarschaftliche Umfeld stellt auch eine nachhaltige Integration in unsere Stadtgesellschaft sicher.“

Brigitta Wenninger

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