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Handelseinig: Birgit Netzle (li.) übergibt einen Teil ihres Inventars an Köchin Lindy Scheele. 

Exzentrische Möbel

Münchner Kult-Treff wechselt Pächter, jetzt muss alles raus - Schnäppchen mit Promi-Flair

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Das Asam-Schlössl wechselt im kommenden Jahr zum ersten Mal den Pächter. Deshalb verkauft Wirtin Birgit Netzle ihr Inventar – und findet dabei prominente Abnehmer. 

München - So langsam wird es ernst im Asam-Schlössl: Alles muss raus. 27 Jahre lang hat Birgit Netzle hier vom einfachen Spaziergänger bis zum Ministerpräsidenten alle möglichen Leute bewirtet – nun endet für die 66-Jährige und ihre Gäste eine Ära. Seit vergangenem Mittwoch ist Schluss. Am Tag drauf hat Netzle dann noch ihren Geburtstag im Schlössl gefeiert. Und am Wochenende ging dann die Arbeit wieder los: Der große Ausverkauf stand an.

„Mei, was sich in 27 Jahren so alles angesammelt hat“, sagt Birgit Netzle und seufzt. Dicht gedrängt stapeln sich in der Wirtsstube Vorspeisenteller, Weißwurstkessel, Kerzenständer, Weißbiergläser, Buttermesser. Alles hat Netzle damals selbst gekauft. Sie musste, denn 1993 war sie die erste Wirtin im Schlössl, das der Denkmalschützer Erwin Schleich 1957 von der Stadt erworben und so vor dem Abriss gerettet hatte. Denn das Haus hat eine lange Geschichte: Schon 1687 als Landsitz erbaut, widmete es der Freskenmaler Cosmas Damian Asam zum Künstlersitz um. Er war es, der die Fassade gestaltete, die auch heute noch für das denkmalgeschützte Asam-Schlössl steht.

München: Im Asam-Schlössl herrschte teils Hochbetrieb mit prominenten Gästen

Auch das Inventar zeugt von einer vergangenen Zeit, zu der hier im Asam-Schlössl an der Thalkirchner Maria-Einsiedel-Straße noch Hochbetrieb herrschte – mit teils hoch prominenten Gästen: „Hier saß immer der Mosi“, sagt Netzle und zeigt auf eine Ecke am Fenster mit Blick auf den barocken Schlösschengarten. Dort habe der exzentrische Modezar Rudolph Moshammer regelmäßig seinen Tafelspitz genossen.

Kein Schloss ohne Thron: Dieser hier ist schon für 50 Euro zu haben.

Und auch am Sonntag bekommt Birgit Netzle prominenten Besuch. Die Südsee-Köchin Lindy Scheele schaut im Schlössl vorbei und nimmt einen ganzen Wagen voll Sachen mit: Kaffeemaschine, Kassensystem, Weingläser, Besteck. Scheele eröffnet im Januar ein eigenes Restaurant in der Amalienstraße 39 (Maxvorstadt), kreolische Küche aus ihrer Heimat, den Seychellen. „Dort isst man – wie hier in Bayern – Schweinebraten. Nur eben mit anderen Gewürzen“, sagt sie und lacht. Das Inventar aus dem Schlössl kann sie zum Start gut gebrauchen. „Ich möchte so viel mitnehmen wie möglich“, sagt Scheele. Sie müsse dann weniger neu kaufen und Netzle müsse so weniger wegschmeißen.

Das Asam-Schlössl an der Thalkirchner Maria-Einsiedel-Straße wechselt zum ersten Mal den Pächter.

Die Zeit drängt: Schon am 2. Januar übergibt Netzle das historische Gasthaus der Augustiner-Brauerei. Besenrein. „Drum haben wir schon einen Container bestellt“, sagt sie. Was bis dahin keinen neuen Besitzer findet, muss wohl oder übel dort enden. Deshalb unterbricht Netzle den Weihnachtsurlaub in ihrer neuen Heimat Abensberg (Niederbayern) nach den Feiertagen: Am 27. und 28. Dezember ist Netzle wieder im Schlössl und wartet ab 12 Uhr auf Interessenten. Den Wirte-Oscar, den sie 1997 bekommen hat, gibt sie dabei aber nicht her – auch wenn schon jemand danach gefragt hat. „Ich verstehe auch nicht, was jemand damit will“, sagt sie und lacht.

Neuer Pächter im Asam-Schlössl wird übrigens Star-Koch Shane McMahon (Shane’s Restaurant im Glockenbachviertel). Der wollte aber kaum etwas übernehmen – auch nicht den ein halbes Jahrhundert alten Dielenboden in der Stube.

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