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Ein Un-Ort: Niemand will, dass der Ratzingerplatz so bleibt. Die Frage ist, was folgt.

Bei Anwohnern umstritten

Ratzingerplatz: Vom Schandfleck zum Schmuckstück

München - Der Ratzingerplatz in Obersendling soll aufgewertet werden - nicht allen Anwohner gefällt das.

Ihn als trist zu bezeichnen, wäre noch geschmeichelt. Der Ratzingerplatz in Obersendling gilt als einer der hässlichsten Orte Münchens. Doch in einigen Jahren sollen der Schandfleck und sein Umfeld verschönert werden. Die aktuellen Pläne der Stadt lösen allerdings nicht nur Freude aus. Bei einem ersten Erörterungstermin äußerten Anwohner viele Bedenken.

Sie befürchten, dass durch die Umgestaltung für sie vieles schlechter wird. Das rund 13,2 Hektar große Gebiet ist eines der letzten im 19. Stadtbezirk (Thalkirchen-Obersendling-Thalkirchen-Forstenried-Fürstenried-Solln), das noch freie Flächen bietet. Vertreter der Verwaltung stellten nun das Konzept dafür vor: Entstehen werden eine fünfzügige Grundschule und ein Gymnasium. Die „Park and Ride“-Anlage mit Busstation an der Aidenbachstraße wird neu gebaut und auf 400 Plätze erweitert. Rund um die Zepellinhalle ist ein Quartierszentrum vorgesehen – mit 15 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 15 000 Quadratmetern Fläche für 160 Wohnungen. Ob die Zepellinhalle bleibt, ist ungewiss. „Ein tolles Gebäude“, so der Vorsitzende des Bezirksausschusses, Ludwig Weidinger (CSU). Die Frage sei, ob sich ein Investor finde.

Am Ratzingerplatz sollen die Fahrspuren, die durch die frühere Tramwendeschleife getrennt sind, im südlichen Bereich zusammengefasst werden. Nördlich entstehen eine Promenade und Neubauten – unter anderem für die Feuerwehr- und Rettungsdienstschule. Weitere Nutzungen stehen noch nicht fest. Unglücklich über die Pläne sind Bürger, die nördlich der Boschetsrieder Straße wohnen. Ihnen wird ein Riegelbau vor die Nase gesetzt. „Das trübt die Freude auf die Promenade“, klagte eine Frau. Anina Bühler hob das Positive hervor: „Sie bekommen Lärmschutz.“ Weidinger sprach auch die Nachteile an: „Man muss ehrlich sein. Sie tauschen weniger Lärm gegen weniger Sonne.“ Dass die Brache südlich der Boschetsrieder und östlich der Aidenbachstraße mit einer Schule bebaut wird, gefällt ebenfalls nicht jedem: Manche Anwohner hätte sich dort eine Naherholungsfläche gewünscht. „Alles wird zugepflastert“, kritisierte eine. Eine andere Bürgerin äußerte die Befürchtung, das neue Quartierszentrum werde die bisherige Ruhe zerstören.

Auch in anderer Hinsicht werden Probleme erwartet. Die Straßen rund um den Ratzingerplatz seien schon jetzt völlig überlastet, warnte ein Mann. „München erstickt im Verkehr.“ Für einige macht deshalb eine Promenade an der Boschetsrieder Straße keinen Sinn: „Da atmet man nur Abgase ein“, schimpfte ein Bürger. Viele befürchten zudem beim ÖPNV einen Kollaps: „Die U3 ist bereits heute oft rettungslos überfüllt“, ärgerte sich ein Anwohner. Bei der Erörterung wurde erneut die Frage nach einer möglichen Zwischennutzung der Tramwendeschleife aufgeworfen. Diese liegt seit den 70er- Jahren im Dornröschenschlaf. Außer temporären Aktionen war dort nichts geboten. „Wir schlagen das seit 25 Jahren vor“, so das BA-Mitglied Michael Kollatz (SPD). „Die Verwaltung lehnt es immer wieder mit Textbausteinen ab. Ein Armutszeugnis.“ Es sei an der Zeit, endlich eine Zwischennutzung – zum Beispiel in Form eines urbanen Gartens – in Angriff zu nehmen. Die Bagger werden nicht so schnell anrollen. „Ein Bebauungsplanverfahren dauert bis zu fünf Jahre“, so Bühler. Danach folge die Hochbauplanung, die auch einige Jahre beanspruche. Gas gegeben wird vor allem bei den Schulen. Ihre Inbetriebnahme ist bereits für 2021 vorgesehen. Die Kritik und Anregungen der Bürger werden bei den weiteren Planungen berücksichtigt. „Es wird alles geprüft“, so Bühler. Die Entscheidung liege dann wieder beim Stadtrat.

Brigitta Wenninger

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