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Gerd Mühlthaler in seiner Wohnung. Er zeigt auf den Bereich, wo das Wasser eintritt.

Fenster-Streit in Forstenried

Wohnung schimmelt, Vermieter unternimmt nichts: Rentner zieht vor Gericht

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Seit fünf Jahren tropft es in einem Appartment von der Decke. Seit zwei Jahren wirkt sich der daraus resultierende Schimmel akut auf die Gesundheit eines Rentners aus. Der Vermieter unternimmt nichts.

Das neue Jahr fängt an, und Gerd Mühlthaler muss vor Gericht ... Zum ersten Mal in seinem Leben - damit er sein Recht bekommt. Der 71-Jährige aus Forstenried ist verzweifelt: Nachts kann er kaum schlafen, ihn plagen seit zwei Jahren schlimme Kopfschmerzen und Atemnot. „Das liegt am Schimmel in meinem Appartement“ - sagt Mühlthaler, und sagt auch sein Arzt. 

Der Rentner zeigt auf Wassertropfen an der Decke auf der Balkonseite - hier verläuft eine Glasfront bestehend aus Fenster und Balkontür. „Wenn es regnet oder taut, tritt Wasser ein - so viel, dass es von der Decke in meinem Appartement tropft“, sagt Mühlthaler. Und das bereits seit fünf Jahren: So lang lebt er in dem Appartement an der Kreuzstraße (29,5 Quadratmeter, 449,21 Euro Kaltmiete). Sein Vermieter macht nichts, sagt Mühlthaler. Deshalb bleibt ihm nun nur der Weg vor Gericht. 

In diesem Haus in Forstenried lebt Gerd Mühlthaler.

In dem Haus, das nahe der Garmischer Autobahn steht, kann Mühlthaler von seinem Balkon aus die Ausfahrt Kreuzhof sehen. In dem Gebäude gibt es mehr als 50 Appartements, 20 davon liegen im vierten Stockwerk. Bei diesen - jedenfalls den allermeisten - wurden in den vergangenen Jahren die Fenster ausgewechselt und um ein kleines Stück nach hinten versetzt. „Das war nötig, denn darüber verläuft eine Fuge von den Balkons im obersten Stock. Es ist ein Baumangel: Das Wasser läuft in die Decke der Appartements darunter“, sagt Mühlthaler. Darum hat man bei vielen der anderen Appartements die Glasfronten an den Balkonen versetzt eingebaut: Hinter die Fuge, damit nichts mehr tropfen kann. In Mühlthalers Wohnung ist das allerdings nicht geschehen - hier tropft es munter weiter. Die Miete zahlt der 71-Jährige deshalb nur noch unter Vorbehalt, da er Geld zurückverlangen will. „Das Wasser an der Decke ist unzumutbar“, sagt Mühlthaler. Bereits im September hat der Rentner einen Gutachter eingeschaltet. Dessen Befund ist eindeutig: Schimmelpilze der Gattung Aspergillus niger.

Forstenried: Vermieter verweigert notwendige Fensteranpassung

In dem Appartementhaus gehören die einzelnen Wohnungen verschiedenen Eigentümern. Hausverwalter ist Wolfgang Urbanski. Der sagt: „Die Fenster der Appartements stehen bei uns im Sondereigentum und sind deshalb Sache der jeweiligen Eigentümer.“ Sonst wären sie längst schon überall ausgetauscht worden. „Es ist ärgerlich und kaum nachzuvollziehen, warum sich der Eigentümer von Mühlthalers Appartement dem verweigert“, so Urbanski. Durch den ständigen Wassereintritt werde langfristig die Substanz im ganzen Haus in Mitleidenschaft gezogen. Die tz rief bei dem Eigentümer des Appartements an, bekam aber keine Antwort.

Die besten Strategien zur schnellen Wohnungssuche

Gerd Mühlthaler hat nun Klage gegen seinen Vermieter eingereicht, will 20 Prozent der Miete rückwirkend ab Dezember 2016 zurück. Und: Er will erwirken, dass die Fensterfront auch bei ihm ausgetauscht und versetzt wird, damit die Decke künftig trocken bleibt. Auf die Klageschrift erwiderte der Anwalt des Vermieters, es trete kein Wasser ein. Allerdings: Beim Besuch der tz sind deutlich Tropfen an der Decke erkennbar. 

Entlang der Fensterfront sind deutliche Schäden erkennbar. An der Unterkante der Fenster sammelt sich Wasser.

Mühlthaler schätzt die Kosten des Fensteraustausches auf 3.000 Euro. Rund 8.000 Euro würde die Gesamtmaßnahme kosten - inklusive der Beseitigung der Feuchtigkeitsschäden. Für Mühlthaler viel Geld: Der ehemalige Buchbinder arbeitete lange Jahre als Messebauer und bekommt nur eine geringe Rente, er ist Hartz-IV-Aufstocker. „Ich werde hier krank, aber umziehen kann ich auch nicht. Wie soll ich etwas finden, wer nimmt denn schon einen armen Rentner?“, fragte er verzweifelt. Jetzt hofft er auf das Gericht. 

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Mein Fürstenried/Forstenried/Solln“.

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