+
Investor Stefan Höglmaier, hier mit Architekt Peter Haimerl (re.), vor dem Derzbachhof. Hier will er Wohnungen errichten. Das ist umstritten.

Forstenried

Streit um Sanierung: Rolle rückwärts beim Derzbachhof

  • schließen

Der Derzbachhof ist ein polarisierendes Thema in Forstenried. Der Bezirksausschuss rudert nach seiner Zustimmung zu Sanierung und Umbau nun überraschend zurück. Der Investor ist genervt und kann das nicht nachvollziehen.

Das ewige Hin und Her um den Derzbachhof geht in die nächste Runde: Der Bezirksausschuss Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln hat seine Meinung zum derzeitigen Bauplan überraschend geändert. Zunächst hatten die Lokalpolitiker in ihrer Sitzung im Februar dem Sanierungsentwurf des Investors Euroboden zugestimmt. Nun fordern der Bezirksausschuss (BA) und viele Bürger, das Anwesen mit seinen jetzigen Gebäuden zu erhalten und es öffentlich zugänglich zu machen.

Der Plan: Das neue hölzerne Mehrfamilienhaus rechts hinter dem historischen Derzbachhof soll sich in Struktur und Optik am Bau von 1751 orientieren.

Der Plan der privaten Investoren sieht im Moment vor, Münchens ältesten Bauernhof zu sanieren und auf dem Grundstück ein Mehrfamilienhaus mit 19 Wohnungen zu bauen. In seiner jüngsten Sitzung entschied der BA nun, dass das doch keine so gute Idee mehr sei. In einem Antrag, den die CSU-Fraktion und die SPD gemeinsam erstellten, heißt es: Der Plan, das Gelände weiter zu bebauen, „stößt nicht nur bei den Bürgern vor Ort auf erhebliche Widerstände. Auch Behörden und Vereine, die sich um den Denkmalschutz kümmern, äußern massive Bedenken.“ So liege dem BA ein Schreiben des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege vor, das die geplante Bebauung als „massive Störung des Ensembles sieht“.

„Dorfkernensemble Forstenried“ soll nicht gefährdet werden 

Wichtig ist den Lokalpolitikern also, dass der Derzbachhof als Denkmal erhalten bleibt und das „Dorfkernensemble Forstenried“ nicht gefährdet wird. Der BA erwartet deshalb von der Stadt München konkrete Lösungsvorschläge, die den Erhalt des Derzbachhofs langfristig sichern. Im besten Fall komme die Stadt München in den Besitz des Areals. Im Antrag wird zum Beispiel auf die Idee einiger Bürger eingegangen, die einen Grundstückstausch vorsieht.

„Auf jeden Fall muss der Hof in verantwortungsbewusste Hände gelegt werden. Es ist nicht ausreichend ein altes Bauernhaus zu renovieren, es muss auch instand gehalten werden und bedarf dauerhafter Pflege“, heißt es am Ende des Antrags. Doch warum traut der BA dem Investor und Eigentümer, der Firma Euroboden, diese Aufgabe plötzlich nicht mehr zu? Fest steht, dass die Diskussion im Viertel nach der letzten Entscheidung im Bezirksausschuss andauerte. Bürger äußerten sich zunehmend kritisch gegen die Pläne des Investors Stefan Höglmaier.

Ludwig Weidinger (CSU), Bezirksausschuss-Chef im Münchner Süden. 

Der BA sieht vor allem ein großes Problem: „Wenn im hinteren Bereich des Grundstücks gebaut wird, wie kann dann sichergestellt werden, dass die bestehenden Gebäude nicht darunter leiden? Und wer garantiert, dass die Eigentümer das alte Bauernhaus erhalten?“, fragt Ludwig Weidinger, BA-Vorsitzender. Außerdem habe der BA sich die Bedenken des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege zu Herzen genommen, laut dem der Ensembleschutz nach dem Umbau nicht mehr gegeben sei. „Wir sehen das jetzt kritischer als noch vor ein paar Monaten“, erklärt Weidinger den Sinneswandel. „Wir haben einfach Angst, dass es die Stadt nicht schafft, den Denkmalschutz vertraglich zu sichern.“ Immerhin gehe es um den ältesten Bauernhof Münchens. „Er ist ein Denkmal und sehr wichtig für uns und unser Viertel.“

Christian Brandes von Euroboden kann die plötzliche Infragestellung des Bauvorhabens nicht nachvollziehen: „Die Idee der Nachbarschaft, aus dem Derzbachhof einen allgemeinen zugänglichen Ort zu machen, wäre für uns plausibel, sofern dies nicht ein Privatgrundstück wäre und es sich um ein historisch öffentliches Gebäude handeln würde“, sagt Brandes. Der Derzbachhof wurde jedoch seit Jahrhunderten von den Eigentümerfamilien bewohnt. „Diese Nutzungsmöglichkeit wollen wir durch die Sanierung und Entwicklung des Hofes wieder möglich machen.“

Wie sich die Stadt zu diesem Vorhaben nun verhalten wird, bleibt abzuwarten. Klar scheint schon jetzt, dass sich die Fronten im Viertel noch weiter verhärten werden.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Schon wieder Sperrung der Stammstrecke: Münchner brauchen erneut Geduld
Die Oktober-Bauarbeiten an der Münchner Stammstrecke starten. An diesem Wochenende geht‘s weiter. Wer mit der S-Bahn in die Innenstadt möchte muss Geduld haben. 
Schon wieder Sperrung der Stammstrecke: Münchner brauchen erneut Geduld
Craftbeer-Oktoberfest: Der große Auftritt der kleinen Brauer
Das „Craftbeer Oktoberfest“ in der Münchner Reithalle dürfte unter den Liebhabern außergewöhnlicher Biersorten bis einschließlich Samstag ein besonderer Tipp sein.
Craftbeer-Oktoberfest: Der große Auftritt der kleinen Brauer
Ein Blumenmeer, wo einst die Nazis marschierten
Der Künstler und Wahlmünchner Walter Kuhn hatte zwar das Glück, Zeit seines Lebens nie im Krieg aufgewacht zu sein. Doch das Thema beschäftigte ihn schon immer, weshalb …
Ein Blumenmeer, wo einst die Nazis marschierten
„Ich bin Münchner - ich bin Muslim“: Stadt startet Postkarten-Kampagne gegen Alltagsrassismus
Obwohl sie Münchner sind, fühlen sie sich hier nicht immer wohl. Nun startet die Stadt München eine Postkarten-Kampagne. 
„Ich bin Münchner - ich bin Muslim“: Stadt startet Postkarten-Kampagne gegen Alltagsrassismus

Kommentare