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Die Eisbären-Zwillinge waren einer der Besuchermagneten im Tierpark Hellabrunn - mit Verkehrschaos am Wochenende.

Bislang geheimes Gutachten

Tierpark Hellabrunn: Chaos wegen Besuchern aus dem Umland

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München - Ein bislang geheimes Verkehrsgutachten zeigt, welche Verkehrsprobleme es rund um den Tierpark Hellabrunn in München gibt. Das Problem verursachen allerdings nicht die Münchner.

An Wochenenden und Feiertagen herrscht rund um den Tierpark ein Verkehrschaos – verursacht von Besuchern aus dem Umland. Am Dienstag berät der Stadtrat ein bislang geheim gehaltenes Verkehrsgutachten. Es empfiehlt ein Bündel an Maßnahmen, um das Problem in den Griff zu bekommen, unter anderem 500 weitere Parkplätze und ein Parklizenzgebiet.

Nach dem Rekordjahr 2014 mit fast 2,3 Millionen Besuchern rechnet der Tierpark Hellabrunn damit, dass sich die Zahl heuer um die Zwei-Millionen-Marke einpendelt. Der Ansturm im Vorjahr hatte vor allem mit den beiden Eisbären-Babys zu tun, die inzwischen in der Pubertät und damit nicht mehr so interessant sind. Die enorme Attraktivität des Tierparks, der 2010 noch 1,5 Millionen Besucher zählte, hat auch negative Begleiterscheinungen: Immer mehr Autofahrer suchen einen Parkplatz in den Wohngebieten. Der Tierpark gab deshalb ein Verkehrsgutachten in Auftrag, um zu klären, wie sich das Problem in den Griff bekommen lässt. Heute berät es der Stadtrat.

Parkplätze reichen nur unter der Woche aus

820 offizielle Parkplätze stehen an den drei Standorten Siebenbrunner Straße, Tierparkstraße und Maria Einsiedel zur Verfügung. Sie reichen unter der Woche aus, an Wochenenden und Feiertagen allerdings kommt es regelmäßig zu chaotischen Verhältnissen auf den Straßen rund um die Gehege. Die Verkehrsexperten schreiben im Gutachten von einer „vollständigen Blockade des Knotenpunkts Tierparkstraße/Siebenbrunner Straße“ und „massiven Staus in den Zufahrtsstraßen“. Die magische Grenze liegt bei 7800 Besuchern pro Tag. Für sie reichen die 820 Stellplätze aus. Wenn mehr kommen, beginnt die Parkplatzsuche in den Anwohnerstraßen. An rund 50 Tagen im Jahr ist dies der Fall, während des Rekordjahres 2014 dürfte es noch häufiger zum Verkehrsinfarkt rund um Hellabrunn gekommen sein. Besonders schlimm war es am 30. März, als 16 200 Besucher für einen Rekordansturm sorgten.

Laut Tierpark-Gutachten fehlen im Schnitt an Wochenenden und Feiertagen rund 200 Parkplätze, an Spitzentagen wären bis zu 800 Parkplätze zusätzlich nötig. Dabei sind es nicht die Münchner, die die Straßen mit ihren Autos verstopfen, sondern vor allem die Besucher aus dem Umland.

Unter der Woche sind die Städter im Tierpark noch in der Überzahl (62 Prozent). Sie reisen überwiegend mit den öffentlichen Verkehrsmitteln an oder nehmen das Rad. An Ausflugstagen hingegen stellen die Gäste aus den umliegenden Landkreisen und darüber hinaus (der Einzugsbereich des Tierparks erstreckt sich bis nach Baden-Württemberg und Österreich) die Mehrheit (58 Prozent). Entsprechend steigt an Wochenenden und an Feiertagen der Auto-Verkehr, denn rund zwei Drittel der Besucher von außerhalb Münchens fährt mit dem Auto nach Hellabrunn. Die Gutachter kommen zu dem Schluss, dass der Tierpark rund 500 zusätzliche Parkplätze schaffen muss, um für eine Entspannung der Situation zu sorgen. Die Tierparkleitung hat auf das Ergebnis bereits reagiert und sich zum Bau eines Parkhauses an der Siebenbrunner Straße (wir berichteten) entschlossen. „Momentan wird eine Machbarkeitsstudie mit der Überprüfung der unterschiedlichen Varianten durch externe Fachleute durchgeführt“, sagt ein Sprecher des Tierparks. Allein 500 weitere Parkplätze vorzuhalten, wird das Problem allerdings nicht lösen, denn an etlichen Tagen im Jahr würden auch diese zusätzlichen Stellplätze nicht ausreichen, weshalb die Autoren des Verkehrsgutachtens weitere Vorschläge machen.

Wohnstraßen in München sollen vom Tierparkverkehr abgeschirmt werden

So soll ein Verkehrs- und Parkleitsystem konzipiert werden, um den Parksuchverkehr zu verringern. Wohnstraßen sollen gänzlich vom Tierparkverkehr abgeschirmt werden. Zwischen Candid- und Alemannenstraße könnte bereits im kommenden Jahr ein Parklizenzgebiet eingeführt werden, der Stadtrat will sich Anfang 2016 mit dem Thema befassen.

Die Einführung eines Kombitickets, das Tierpark-Eintritt und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel verbindet, wie zunächst vorgeschlagen, wird es aus wirtschaftlichen Gründen nicht geben. Möglicherweise aber eine MVG-Mietradstation am Tierpark. Noch Zukunftsmusik ist der Bau einer S-Bahn-Station Menterschwaige im Rahmen der Sendlinger Spange. Bis es soweit ist, dürften die beiden pubertierenden Eisbären Urgroßväter sein.

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