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Alarm im Tierpark: Die Tiere im Zoo leiden unter den Isar-Partys

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Rasem Baban Tierpark Hellabrunn
Zoodirektor Rasem Baban an der Partyzone, die direkt an den Tierpark Hellabrunn angrenzt. © Jantz

München - Der Chef des Tierparks Hellabrunn ruft um Hilfe: Viele Tiere leiden extrem unter dem Partytreiben an der Isar. Sie reagieren verstört und gestresst auf die Rauchschwaden und den nächtlichen Lärm.

Wenn die Tierpfleger in diesen Wochen frühmorgens die Gehege betreten, ist alles anders als sonst. Viele ihrer Schützlinge, die normalerweise entspannt in den Tag starten, verhalten sich nervös, sind misstrauisch und kaum zu beruhigen. Kein Wunder: Die ganze Nacht hindurch ist es westlich des Tierparks Hellabrunn furchtbar laut: Discosound und Geschrei bedeuten Dauerstress für Mensch und Tier.

„Unsere Pfleger berichten, dass einige der Tiere morgens völlig durch den Wind sind“, erzählt Tierpark-Chef Rasem Baban. „Sie bekommen sie nicht mehr in die Ställe.“ Der ungewohnte Krach – oft bis 6 Uhr in der Früh – stelle für empfindlichere Tierarten eine extreme Belastung dar. Besonders betroffen seien Elche, Muntjaks, Takine und Girgentana-Ziegen. „Die Tiere fressen nicht richtig“, klagt Baban. „Das Problem gipfelt darin, dass sie sogar ihren Nachwuchs vernachlässigen.“

Tierpark Hellabrunn
Fluchttiere wie Giraffen reagieren panisch auf den Rauch. Der Lärm verursacht in vielen Gehegen Dauerstress. © Marc Müller/Tierpark Hellabrunn

Doch nicht nur der Lärm macht den Tieren zu schaffen. Hunderte Grillfeuer brennen abends auf den Kiesbänken. Je nach Wind – und der kommt oft von Westen – wehen die Rauchschwaden direkt in den Tierpark. Ab 15 Uhr verziehen sich die Ziegen des Streichelzoos in die Ställe. Leergefegt auch der neue Spielplatz daneben.

„Fluchttiere wie Giraffen reagieren auf den Rauch panisch, versuchen wegzurennen“, erklärt Baban. „Die Gefahr, dass sie sich verletzen, ist hoch.“ Gefahr droht Tieren auch auf der anderen Seite des Zauns: „Es sieht dort zeitweise aus, als hätten Müllautos ihre Ladung hingeschüttet. Unbeschreiblich. Und das in einem FFH-Gebiet.“ Daneben Massen von zerschlagenen Flaschen: „Es werden immer wieder Wasservögel gefunden, die sich die Füße aufgeschnitten haben.“

Am meisten Sorgen bereitet Baban das erhöhte Brandrisiko. „Bereits zweimal musste die Feuerwehr anrücken, weil Partygäste glühende Holzkohle in die am Zoo stehenden Abfallcontainer geschüttet hatten.“ Gefährlich sei vor allem auch, dass manche ihre Grill- oder Lagerfeuer nicht löschen würden. „Das brennt dann unbeaufsichtigt weiter.“ Ein kaum kalkulierbares Risiko: Von den Kiesbänken ist der Tierpark nur durch einen Weg und einen etwa fünf Meter breiten bewachsenen Streifen getrennt. Die Büsche, Bäume und das Gras dort sind wegen der hochsommerlichen Temperaturen knochentrocken. „Der Tierpark ist davon nahtlos getrennt. Würde sich etwas entzünden, hätten wir keine Chance rechtzeitig zu reagieren“, warnt Baban.

Dass Menschen am Flaucher ihre Freizeit verbringen, findet der Zoodirektor gut. „Es hat Tradition.“ Doch inzwischen laufe die Tradition aus dem Ruder. „Es hat überhand genommen. Einige sind wirklich unvernünftig“, sagt Baban. Mittlerweile flüchteten schon Wildtiere vor dem Chaos in den Tierpark. Zum Beispiel eine Graugans-Kolonie. „Bei uns können sie sicher brüten. Draußen nicht mehr.“

Der vor dem Zaun patrouillierende Streifendienst wurde inzwischen aufgestockt – auf Bitte des Tierparks hin. Außerdem hat Baban von der Stadt eine Notrufnummer bekommen, unter der er anrufen kann, sollte die Situation eskalieren. „Zum Beispiel, wenn eine Technoparty zu lang geht, unsere Tiere durchdrehen.“

Die Politik reagiert langsam immer gereizter auf die Situation : „Das ist momentan ein rechtsfreier Raum am Flaucher“, schimpft der Münchner SPD-Landtagsabgeordnete Florian von Brunn. Der Bezirksausschuss Untergiesing-Harlaching will dabei nicht mehr zusehen und forderte stärkere Kontrollen, ein neues Einsatzkonzept für Naturschutzwacht und privaten Wachdienst sowie Schadstoffmessungen. Außerdem soll die Stadt eine Einschätzung zur Brandgefährdung abgeben und prüfen, ob die gestiegene intensive Nutzung mit den Landschaftsschutzrichtlinien vereinbar ist.

Lesen Sie auch diesen Artikel vom 1. Januar 2020: Silvester-Tragödie: Affenhaus im Zoo Krefeld brennt nieder - alle Tiere tot

Brigitta Wenninger

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