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Sind ins Visier der EU geraten, weil sie nicht in Europa heimisch sind: Das Hellabrunner Muntjak-Paar Ella (links) und Phönix.

Tierpark Hellabrunn

Wegen EU-Verbot: Ella muss jetzt verhüten

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Schwere Zeiten für die Muntjaks des Tierparks Hellabrunn: Weil sie auf einer Verbotsliste der EU gelandet sind, dürfen sie keinen Nachwuchs mehr bekommen – Weibchen Ella muss verhüten.

München - Der Chinesische Muntjak ist von der EU zusammen mit 36 weiteren Tier- und Pflanzenarten als „invasive Art“ eingestuft worden. So bezeichnet man Arten, die vom Menschen eingeführt wurden, sich hier in freier Wildbahn verbreiten und heimische Arten verdrängen. Paradebeispiel ist der nordamerikanische Waschbär, der Mitte des 20. Jahrhunderts in Europa aus Gehegen ausgebüxt ist oder ausgesetzt wurde. In manchen Landstrichen ist er zur Plage geworden.

Zwar ist die EU-Liste kürzer, als es sich Naturschutzorganisationen gewünscht hätten, doch für die 37 Arten gelten laut EU-Verordnung 1143/2014 strenge Regeln: Sie dürfen nicht in die EU eingeführt und dort auch nicht mehr gehalten, gezüchtet, in den Verkehr gebracht oder in die Umwelt freigesetzt werden.

Was also tun mit dem Hellabrunner Muntjak-Paar Ella und Phönix und ihrer Tochter Quina, die in einem Gehege nahe dem Nashornhaus leben? Keinesfalls will man es halten wie der Zoo in Leipzig, der angekündigt hat, einige seiner Tiere zu schlachten. Das sei auch gar nicht nötig, sagt Hellabrunns Sprecher Daniel Hujer. „Es gibt einen Bestandsschutz: Die Tiere, die wir haben, dürfen wir noch halten.“ Doch die Zucht ist verboten, und deshalb hat Ella ein empfängnisverhütendes Implantat bekommen – ein in Hellabrunn seit Langem erprobtes Verfahren. Das stellt sicher, dass die kleine Gruppe nicht wächst. Bei den Schwarzkopf-Ruderenten, der zweiten in Hellabrunn gehaltenen Art, die auf der EU-Liste steht, behilft man sich anders: „Wir nehmen die Eier aus den Gelegen“, berichtet Sprecherin Lisa Reininger.

Doch Hujer hofft, dass speziell für die Muntjaks das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Gesetze wie die EU-Verordnung 1143/2014 seien eigentlich für private und gewerbliche Züchter gemacht, erläutert der Sprecher. „Wie so oft sind die Zoos dabei vergessen worden. Wir haben halt einfach nicht die Lobby“. Inzwischen liefen Gespräche über eine Ausnahmeregelung für Zoos.

Zeit dafür gibt es genug: Ella und Phönix sind etwa fünf Jahre alt, ihre Lebenserwartung liegt bei 15 Jahren. Ihr Platz in Hellabrunn sei ihnen bis zum natürlichen Tod sicher, verspricht Hujer. Und wenn die EU das Gesetz wie erhofft für Zoos ändert, wird Quina kein Einzelkind bleiben: „Wir würden die Muntjaks gern weiter züchten. Sie stehen auch in unserem Masterplan“, berichtet Hujer. „Die Chinesischen Muntjaks sind durchaus eine interessante Tierart. Man könnte an ihrem Beispiel ja auch das Problem der invasiven Arten erläutern.“

Empfängnisverhütung gibt es im Tierpark Hellabrunn auch dort, wo die EU nicht eingreift. „Wir wollen verhindern, dass Jungtiere zur Welt kommen, für die es keinen Platz gibt“, sagt Sprecherin Reininger. Dazu gibt es unterschiedliche Methoden:

Männchen und Weibchen werden getrennt. Das ist einfach, entspricht aber nur bei jenen Arten dem Gebot der artgerechten Haltung, deren Geschlechter auch in freier Wildbahn getrennte Wege gehen und nur zur Paarung zusammenkommen. Beispiele: Die Giraffen sind eine reine Damengruppe, und Elefantenbulle Gajendra wird nach seiner Rückkehr aus Hamburg eine separate Bullenanlage beziehen. Nebeneffekt: Der Tierpark hat vollständige Kontrolle darüber, mit welcher Kuh er sich wann paart.

Hormonimplantate wie jetzt bei den Muntjaks. Sie werden den Weibchen eingesetzt und verhindern, dass diese trächtig werden. Das hat sich beispielsweise bei den Menschenaffen bewährt. Die Methode kann rückgängig gemacht werden.

Chemische Kastration: Sie wird beispielsweise bei den Hirschziegenantilopen angewandt. Eine Spritze macht die Männchen für eine bestimmte Zeit zeugungsunfähig.

Sterilisation: Die erste Wahl bei Haustieren wie Hund und Katze, aber auch im Zoo angewandt: Die Hellabrunner Wolfsrüden sind allesamt sterilisiert.

Keine Kontrolle gibt es unter anderem bei Ziegen und Meerschweinchen. Sie dürfen sich ungebremst vermehren. Der Bestand wird reguliert, indem überzählige Tiere geschlachtet und an die Raubtiere des Zoos verfüttert werden. Auch für die sei das ein Vorteil, erläutert Reininger: „Da wissen wir genau, wo das Fleisch herkommt.“

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