Live-Ticker: Petry sorgt für Eklat auf AfD-Pressekonferenz

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Elisabeth S. fängt das Tropfwasser von der Decke mit einer Wanne auf.

Mietertag

Wasser läuft durch die Decke: Krebs-Patientin (80) mit Wohn-Sorgen

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Elisabeth S. (80) hat in den vergangenen drei Wochen kaum geschlafen. Sorgen, so viele Sorgen! Die Seniorin aus Fürstenried hat Krebs, muss operiert werden. Gleichzeitig macht sie sich Gedanken um ihre Wohnung: Wasser läuft durch die Decke, wenn’s regnet.

München - Die Seniorin erinnert sich an den Morgen nach einer Gewitternacht: „Der Boden stand unter Wasser. Der Teppich war patschnass und vollgesogen, als ich in der Früh das Zimmer betrat.“

Solche Probleme hatte sie in den vergangenen sechs Jahren schon mehrmals – und es wird schlimmer. Elisabeth S. hat entdeckt, dass sich der Riss nicht nur im Wohnzimmer an der Decke entlangzieht: „Er geht auch durch die Decke in der Küche und durch die im Schlafzimmer. Dort verläuft er direkt über meinem Bett“, sorgt sie sich. Vor allem, weil es in den vergangenen Wochen häufig Gewitter gab. Mit Wannen auf dem Schrank und auf dem Boden verhindert die Rentnerin, dass das Tropfwasser ins Parkett eindringt. Ihre Sorge: „Wenn ich jetzt im Krankenhaus bin, dann kann ich nichts tun, Hafte ich dann womöglich sogar noch, wenn das Parkett sich vollsaugt und kaputtgeht?“

Die tz besuchte die Seniorin an der Appenzellerstraße. Dort lebt Elisabeth S. seit 17 Jahren in einer 52-Quadratmeterwohnung (Warmmiete 720 Euro) im obersten Stockwerk eines Hauses, das der Bayerischen Versorgungskammer gehört. „Das Flachdach über mir ist undicht, wahrscheinlich schon seit 2011 – da drang das erste Mal Wasser ein“, sagt die Seniorin. In dem Areal an der Appenzellerstraße sollen durch Aufstockung und Neubauten 600 weitere Wohnungen entstehen.

Lesen Sie auch zum Thema: Feuchtigkeitsschäden und Schimmel schnell melden

Und was wird jetzt aus Elisabeth S.? Die tz schaltete sich ein, rief bei der Versorgungskammer an. Dort zeigten sich die Mitarbeiter besorgt und versprachen, alles dafür zu tun, um das Leck im Dach zu schließen. In der vergangenen Woche begannen tatsächlich die Arbeiten – Elisabeth S. war schon beruhigter. Auch Mietrechtsexpertin Anja Franz konnte der Seniorin die Angst nehmen. „Damit, dass sie den Schaden gleich gemeldet hat, hat sie alles getan, was ihre Pflicht als Mieterin ist“, sagt Franz. Nun sei der Vermieter in der Pflicht, für eine dichte Decke zu sorgen. Schafft er das nicht und dringt erneut Wasser ein, haftet der Vermieter für die Schäden, die entstehen. 

In diesem Block an der Appenzeller Straße (Fürstenried) lebt Rentnerin Elisabeth S. im obersten Stockwerk.

Wie läuft’s bei Wasserschäden?

- Zeigt sich Feuchtigkeit in der Wohnung – sei es durch Tropfen oder auch durch dunkle Flecken an den Wänden –, kann das die verschiedensten Ursachen haben. Denkbar sind etwa undichte Stellen im Mauerwerk oder dem Dach, versteckte Wasserrohrbrüche oder auch ein Wasserschaden in der Wohnung darüber. In diesen Fällen ist die Rechtslage eindeutig, sagt Mietrechtsexpertin Anja Franz vom Mieterverein München: Der Vermieter muss die Schäden und die Ursache beseitigen sowie dem Bewohner eine Mietminderung gewähren.

- Der Mieter hat die Pflicht, dem Vermieter den Mangel unverzüglich anzuzeigen. Denn nur dann, wenn der Vermieter von der Feuchtigkeit weiß, kann er auch alles Notwendige tun, um deren Ursache zu beseitigen. Versäumte es der Mieter, dem Vermieter einen Mangel so schnell wie möglich anzuzeigen, dann kann er eigene Rechte verlieren und sich sogar schadensersatzpflichtig machen.

- Häufig handelt es sich bei Feuchtigkeit in Wohnungen um Kondenswasser. Dann müssen Mieter und Vermieter vorsichtig sein mit schnellen Schuldzuweisungen. Das Kondenswasser kann nämlich durch Baumängel wie schlechte Isolierung oder Kältebrücken entstehen, aber auch durch Fehler des Mieters, wenn dieser zu wenig lüftet oder heizt. „Hier wird häufig erst ein Baugutachten die Ursache klären“, sagt Anja Franz. In einem solchen Fall sollten Mieter die Miete unter Vorbehalt zahlen, bis die Ursache für die Feuchtigkeit geklärt ist.

Sozialbau: Lage ist brisant

Für Menschen mit geringem bis mittlerem Einkommen sind sie oft die einzige Möglichkeit, einen bezahlbaren Ort zum Leben zu finden: Sozialwohnungen. Dass es davon nicht genügend gibt, ist bekannt. Wie brisant die Lage aber aktuell ist, meldet nun der Verband bayerischer Wohnungsunternehmen (VdW).

So stünden in einigen Regierungsbezirken bereits im Frühjahr 2017 keine Fördermittel mehr zur Verfügung. Denn: Während der Bund die Fördermittel für Bayern auf knapp 200 Millionen Euro für 2017 verdoppelt hatte, wurden im Gegenzug die bayerischen Landesmittel von 158 Millionen Euro (2016) auf 87 Millionen (2017) reduziert, so der VdW.

Insgesamt sei das Ziel der Staatsregierung, bayernweit insgesamt 70 000 Wohnungen pro Jahr zu schaffen, mit 54 000 im Jahr 2016 wieder „deutlich verfehlt“ worden, mahnt VdW-Chef Xaver Kroner. Dabei sei die Nachfrage ungebrochen. „Die zentralen Hemmnisse sind das fehlende Bauland, lange Genehmigungsverfahren und die weiterhin extrem hohen Baukosten.“ Eine neue Entwicklung: Immer häufiger gebe es massiven Widerstand gegen Neubauvorhaben aus der Nachbarschaft, besonders beim geförderten Wohnungsbau.

Im Jahr 2016 liefen zudem bei 7564 Wohnungen die Sozialbindungen aus. Der Sozialwohnungsbestand der Verbandsmitglieder reduzierte sich dadurch auf 103 150 – vor 15 Jahren waren es noch 179 000, klagt der Verband.

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