Die Karte zeigt, wo der ALB schon wütet und wie sich die Quarantänezone verschiebt.

Neue Spuren des Laubholzbockkäfers

Baumfresser breitet sich nach Westen aus

Erneut haben Baumkletterer Spuren des gefräßigen Asiatischen Laubholzbockkäfers (ALB) entdeckt. Der neue Fundort wird die Quarantänezone im Münchner Osten erweitern. Und erneut müssen Bäume gefällt werden, um dem gefährlichen Schädling Einhalt zu gebieten.

Die derzeitige ALB-Quarantänezone rund um die Befallsgebiete erstreckt sich von der A 99 im Osten bis zur Mitte des Riemer Messegeländes. Diese Zone wird sich in wenigen Wochen nach Westen erweitern. Denn erneut haben Baumkletterer Spuren des ALB entdeckt, nämlich am De-Gasperi-Bogen, am Sigmund-Riefler-Bogen und im Riemer Wäldchen. Insgesamt sind dort sieben neue Bäume vom ALB befallen. „Meistens erkennt man an den groben Spänen, an einem Schlitz im Baum oder an einer Stelle, wo der Baum Saft verliert, dass der Käfer am Werk gewesen ist“, sagt Sabine Weindl von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL). Wie die Quarantänezone genau erweitert wird und welche Bäume und Pflanzen von einer möglichen Abholzung betroffen sein werden, kann Weindl noch nicht sagen. „Das klärt sich innerhalb der nächsten Wochen“, sagt sie. Der Umkreis des Quarantäneareals bestimmt sich grundsätzlich durch die Befallszonen. Von diesen Zonen aus muss die Außengrenze der Quarantäne zwei Kilometer entfernt sein.

Das neue Fundareal liegt im Osten des Riemer Messegeländes, nahe dem letzten Stück Landebahn des ehemaligen Flughafens. Obwohl also in den bisherigen ALB-Fundorten östlich dieser Zone im 100-Meter-Radius gefällt, gehäckselt und verbrannt wurde (gemäß EU-Richtlinie muss das mit befallenen Bäumen geschehen), hat sich der ALB nach Westen verbreitet. Man könnte sagen: Der Käfer frisst sich Richtung Innenstadt, wenn auch nur äußerst langsam. „Wir brauchen einen langen Atem“, sagt Weindl. „Wichtig ist, dass wir die Quarantänezonen gut kontrollieren und konsequent gegen den Käfer vorgehen. Dann können wir ihn langfristig zurückdrängen.“

Die ALB-Zone im Münchner Osten ist eine von vier in ganz Bayern. Auch Gebiete in Neubiberg, Schönebach und Kelheim sind betroffen. Finden die Experten Spuren des Käfers, darf von dort kein gefällter Baum oder abgeschnittener Ast hinausgetragen werden. „Auch wenn ein Hund aus so einer Zone einen alten Ast mitnimmt, worin eine ALB-Larve steckt, kann das schon zur Verbreitung des Käfers führen. Da muss man aufmerksam sein“, sagt Weindl.

Schwarz-weiß gestreifte Fühler

Der ALB wird bis zu vier Zentimeter groß. Auffällig sind seine Fühler, ähnlich lang wie das Insekt selbst und schwarz-weiß getigert. An sich ist er ein Fremdling. Vor etwa zehn Jahren wurde er in Deutschland erstmals entdeckt. Experten gehen davon aus, dass er in Holzpaletten aus China importiert wurde. Dort sind sie auch eine Plage. Die Larven fressen sich regelmäßig durch ganze Plantagen.

Mit jungen bayerischen Bäumen, vor allem mit dem Lieblingsbaum Ahorn, fremdelt der ALB nicht. Erst bohrt er Löcher oder schneidet Schlitze und legt die Brut ab. Die wiederum frisst sich durch junge Bäume oder durch Äste. Sie höhlt sie oft regelrecht aus. Nach etwa zwei Jahren verlässt die Larve als Insekt das Holz und wird zu einem „trägen Flieger“, wie Weindl den ALB nennt. Er bewegt sich in einem relativ kleinen Umkreis von etwa 100 Metern – Glück für Bäume. Denn so kann er sein Verbreitungsareal nur langsam erweitern.

Das alles klingt für Menschen erst einmal ungefährlich – ist es aber nicht. Denn ausgehöhlte Äste und Bäume können bei Sturm leicht abknicken. „Und ein Ast, der aus einigen Metern auf einen Menschen fällt, kann durchaus gefährlich werden“, sagt Weindl.

Hüseyin Ince

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