Impfzentrum
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Menschen warten im Impfzentrum an der Messe München auf ihre Impfung.

Kampf gerät ins Stocken

Corona-Inzidenz steigt wieder an: Münchner (21) erklärt, warum er sich trotzdem nicht impfen lassen will

  • Klaus Vick
    VonKlaus Vick
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Die Dynamik des Impftempos lässt nach. In München nehmen immer weniger Leute einen Termin wahr. Die Stadt versucht mit Sonderaktionen gegenzusteuern. Unterdessen steigt die Inzidenz, die Zahl der Covid-Patienten in den Krankenhäusern ist indes gering.

München - Monatelang gab es zu wenig Impfstoff. Einen Termin im Impfzentrum Riem zu bekommen? Nahezu aussichtslos. Jetzt ist das Gegenteil der Fall. Die Kapazität in Riem wäre vorhanden, doch die Bereitschaft, sich immunisieren zu lassen, sinkt. Das städtische Gesundheitsreferat bestätigt: „Tatsächlich beobachten wir in München* eine nachlassende Impfbegeisterung.“

Corona in München: Die Impfmüdigkeit wächst

Die Zahlen sprechen für sich. In der Woche vom 21. bis 27. Juni wurden zum Beispiel laut Gesundheitsreferat in Riem rund 43.800 Erst- und Zweitimpfungen* vorgenommen. Die Woche darauf waren es 39 000. Im Zeitraum vom 5. bis 11. Juli sank diese Zahl bereits rapide auf rund 24.000 Erst- und Zweitimpfungen. Und in der vergangenen Woche dürften nach einer ersten Schätzung weniger als 15.000 Münchner in Riem einen Pieks gegen das Coronavirus* erhalten haben.

Weitere bemerkenswerte Zahlen: Anfang Juni gab es noch weit mehr als 150.000 Münchner, die sich über das zentrale Portal BayImco registriert, aber keine Einladung zu einem Termin bekommen hatten. Nun sind es nur noch gut 10.000 Personen. Das heißt: Wer sich impfen lassen will, erhält auch relativ zügig einen Termin. Demgegenüber stellt sich mittlerweile ein anderes Problem: Fast 100.000 Personen in München haben eine Einladung zu einem Termin erhalten, sich aber bis dato nicht gemeldet. Es ist davon auszugehen, dass der Großteil dieses Personenkreises sich bereits über den Haus- oder Betriebsarzt hat impfen lassen. Das Gesundheitsreferat bittet daher jeden, der außerhalb des Impfzentrums vollständig geimpft wurde, seinen BayImco-Account zu löschen.

Corona-Schutz soll allen Personen ab 18 Jahren angeboten werden: Münchner erklärt, worum er darauf verzichtet

Stand Freitag lag die Quote in München bei den Erstimpfungen, bezogen auf die Bevölkerung ab 18 Jahren, bei 65,4 Prozent. Mehr als die Hälfte der Bürgerschaft (51,3 Prozent) hat den kompletten Impfschutz. Nach der aktuellen Empfehlung der Ständigen Impfkommission soll der Corona-Schutz allen Personen ab 18 Jahren angeboten werden. Im städtischen Impfzentrum (inklusive mobile Teams) wurden bisher 407.245 Erst- und 339.337 Zweitimpfungen durchgeführt, in den Arztpraxen 374.021 Erst- und 267.065 Zweitimpfungen. Eine Prognose, welche absolute Impfquote in München realistisch ist, wagt das Gesundheitsreferat nicht. Über die Anzahl der Impfunwilligen lässt sich nur spekulieren. Ein 21-jähriger Münchner sagt unserer Zeitung: „Ich schätze die Gefahr der Langzeitfolgen einer Impfung aktuell größer ein als das Risiko einer schweren Corona-Erkrankung. Sobald von unabhängigen Wissenschaftlern erwiesen ist, dass die Vorteile überwiegen, lasse ich mich auch impfen.“

Stadt München plant weitere Sonderaktionen mit offenen Impftagen - Inzidenz steigt wieder

Unterdessen versucht die Stadt, jenseits der offiziellen Terminvergabe mit niederschwelligen Angeboten möglichst viele Menschen zu erreichen. So gab es am sonntag einen offenen Impftag in Riem. Die Resonanz war eher schwach. In Moosach sind vom 22. bis 24. Juli mobile Teams unterwegs, im Hasenbergl am 23. und 24. Juli und in Riem am 30. und 31. Juli. Weitere Sonderaktionen sind in Planung.

Die Inzidenz* steigt unterdessen auch in München an. Am Montag lag der 7-Tage-Wert bei 17,3. Die Zahl der Covid-Patienten in den Krankenhäusern sinkt hingegen seit Wochen. Stand Freitag mussten zehn Menschen auf der Normalstation und 17 Patienten intensiv versorgt werden. Zum Vergleich: Anfang Mai lag die Gesamtzahl bei 300, zum Höhepunkt der Corona-Krise um die Jahreswende bei über 600.

München: Das sagen Geimpfte über ihr Gefühl nach dem Pieks

Ich hatte meine erste Impfung mit Astrazeneca und hätte noch acht Wochen warten müssen. Hier in Riem konnte ich mich jetzt schon zweitimpfen lassen. Über die Hausärzte war das nicht möglich. Dabei geht es uns nicht nur um unseren eigenen Impfschutz, sondern auch darum, dass wir dadurch unsere Kinder besser schützen können. Die können sich ja nicht impfen lassen. Drinnen war nicht viel los. Praktisch für uns, aber auch furchtbar, dass das Angebot von so wenigen angenommen wird. Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir eine Impfquote von 80 Prozent erreichen. Christian (44), Selma (4), Sonja (1) und Stephanie Heß (37)

Ghaith Ghoka (28)

Für mich war es die Erstimpfung. Ich wollte mich so schnell wie möglich impfen lassen. Da gab es zwar auch schon vorher ein paar Möglichkeiten, aber die hier war für mich am besten. Am Wochenende geimpft zu werden, passt mir sehr gut. Es gab keine Warteschlange, das war angenehm. Außerdem ist mir alles sehr gut organisiert vorgekommen. Ghaith Ghoka (28)

Jettina Vennen (55)

Ich habe gestern die Info bekommen, dass man sich hier beim Impfzentrum in Riem ohne Termin impfen lassen kann und habe auf diese Weise meine Zweitimpfung um drei Wochen vorziehen können. Gedauert hat das Ganze nicht mal eine halbe Stunde. Und alles war sehr gut organisiert. Ich freue mich darüber, besser geschützt zu sein. Insbesondere weil ja die Corona-Zahlen teilweise wieder ansteigen. Jettina Vennen (55) *tz.de und Merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDI

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