Die bei der Bürgerversammlung verteilten Handzettel ärgerten den Chef des Bezirksausschusses Trudering-Riem, Otto Steinberger. Die Darstellung der Bebauung der Fauststraße 90 sei in ihrer Wirkung überzogen. Gegen die Bau-Pläne hagelt es Anwohnerproteste.

BA-Chef ist sauer

Gegen Bauprojekt: Anwohner-Protest mit Schummel-Bildern

Kritik an Truderingern, weil diese mit überzogenen Darstellungen ein Wohnbauprojekt an der Fauststraße torpedieren. 

München - Manche Anlieger schrecken bei ihrem Protest gegen die geplante Bebauung an der Fauststraße 90 auch vor bewusst falschen Darstellungen nicht zurück. Dies kritisierte Otto Steinberger (CSU), der Vorsitzende des örtlich zuständige Bezirksausschusses (BA) Trudering-Riem auf der jüngsten Bürgerversammlung im Stadtbezirk. Im Vorfeld der Versammlung kursierte im Viertel nämlich ein Flugblatt, auf dem ein Bild der zukünftigen Wohnverhältnisse zu sehen sein soll, würde das Bauvorhaben umgesetzt. Dazu die provokante Frage: „Wohnblocks statt Landschaftsschutz – Wollen wir das wirklich?“

„Diese Simulation ist völlig überzeichnet“, schimpfte Steinberger dann auf der Versammlung verärgert und stellte zur Aufklärung ein eigenes Bild vor. An der Fauststraße 90 will ein Privatinvestor in sieben drei- bis viergeschossigen Flachdach-Bauten insgesamt 80 Wohnungen samt 119 Tiefgaragenplätzen errichten. Das Grundstück liegt im Landschafts- und Wasserschutzgebiet, ist derzeit zum Teil noch mit einer maroden Firmen-Sportanlage bebaut, und liegt seit Jahren brach. Seit dem ersten Bekanntwerden der Pläne ernten sie Gegenwind.

Der Chef des Bezirksausschusses Trudering-Riem, Otto Steinberger.

Ein Großteil der mehr als 400 Anwesenden war denn auch wegen der Fauststraße zur diesjährigen Bürgerversammlung gekommen, das wurde bei den Wortmeldungen mehr als deutlich. Sport- und Grünanlage sollen erhalten und saniert werden, forderte beispielsweise Anwohner Christian Tietze. Er sehe „keinen Anlass für einen neuen Bebauungsplan zur Wohnbebauung“. Unterstützung kam von Stefan Bürger, der die neue Wohnanlage als künftig „permanente Störung“ bezeichnete. Wie er, so pochte auch ein anderer Redner auf den Landschafts- und Wasserschutz. Durch den Bau der „monströsen“ Tiefgarage bestehe die Gefahr einer Verunreinigung des Trinkwassers, beispielsweise durch Diesel. Die Forderungen: Unabhängige Gutachten zu Natur- und Landschaftsschutz, sowie ein hydrologisches Gutachten, außerdem die Sicherstellung des Trinkwasserschutzes.

„Die gesamte Grenzkolonie Trudering liegt im Wasserschutzgebiet“, klärte Marion Wolfertshofer vom Planungsreferat der Stadt auf. Die Untere Naturschutzbehörde wache „mit Argusaugen“ über das Projekt. Die Natur kriege hier sogar Fläche zurück, rechnete Wolfertshofer vor. Von der heute versiegelten Fläche würden rund 5000 Quadratmeter wieder begrünt. Das sei unfair gerechnet, protestierte eine Anliegerin. „Die Tennisplätze mit Hartuntergrund und Kies kann man doch nicht als Versiegelung sehen.“

Allen Anträgen wurde am Ende wenig überraschend mit großer Mehrheit zugestimmt. Die Bürgerinitiative „Fauststrasse90“ hat mittlerweile auch eine Online-Petition gegen die Bebauung gestartet. 

Carmen Ick-Dietl

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