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Zwischenstopp Mittelteiler: Dietmar Deppisch und sein Pfleger Gregor Tomczyk kommen nicht in einem Zug über die Kreillerstraße.

Die Stadt testet

Pilotprojekt in Trudering: Diese Ampel kann etwas ganz Besonderes

Menschen mit Gehbehinderung haben an Ampeln oft ein Problem: Die Grünphase ist für sie zu kurz. Im Auftrag der Stadt testet nun ein Rollstuhlfahrer in Trudering eine Ampel mit verlängerbarer Grünphase.

München - Dietmar Deppisch sitzt seit zwei Jahren im Rollstuhl, ist nach einem Schlaganfall linksseitig gelähmt. Sein Pfleger Gregor Tomczyk kann den 47-Jährigen nicht schnell genug über die breite Kreillerstraße schieben. „Von ungeduldigen Autofahrern werde ich da schon auch mal angehupt“, sagt er. Zum Glück gibt es in der Kreillerstraße einen Mittelteiler. Doch die Minuten auf dem schmalen Streifen sind angesichts des schnellen Verkehrs vor und hinter ihm äußerst unangenehm. „Nur drei bis vier Sekunden länger würden schon reichen“, sagt Deppisch. Dann käme er unbeschadet in einem Zug über die Straße.

Wie Deppisch geht es auch anderen mobilitätseingeschränkten Menschen – und sie könnten ihm vielleicht einmal zu Dank verpflichtet sein. Denn der Truderinger soll in einem einmaligen Pilotversuch eine Ampel mit individuell verlängerbarer Grünphase testen. Dazu soll die Lichtsignalanlage an der Kreuzung Kreiller-/Marianne-Plehn-Straße noch dieses Jahr entsprechend umgerüstet werden. Mit einem technischen Hilfsmittel, das leicht bedienbar sein soll, soll der Rollstuhlfahrer dann ein längeres Grün anfordern können. Für die Stadt ist ein Transponder oder eine App-Lösung vorstellbar.

Die konkrete Umsetzung ist abhängig von der entsprechenden Technik, die in die Steuergeräte der Ampeln integrierbar sein muss. „Es geht uns im ersten Schritt darum, die grundsätzliche Funktionalität einer solchen Lösung zu prüfen“, erklärt Johannes Mayer, Sprecher im Kreisverwaltungsreferat. Schließlich müssen an den neuralgischen Kreuzungen auch noch Busbeschleunigungen und Grüne Wellen einberechnet werden. Die großen Hauptverkehrsadern dürften für verlängerbare Grünphasen eher kritisch sein. Auch die Kreillerstraße im Münchner Osten ist viel befahren. Aber hier sieht die Stadt ideale Bedingungen für den Pilotversuch. An der Kreuzung in Trudering sind viele Menschen mit Gehbehinderung unterwegs – wegen des Praxiszentrums, des Alten- und Pflegeheims sowie der Seniorenwohnanlage in unmittelbarer Nähe.

An der Kreuzung mit der Marianne-Plehn-Straße dauert die Grünphase derzeit 13 Sekunden. Selbst schnellen Schrittes kommt man nicht vor dem Umschalten über die fünf Spuren. Das ist ganz normal in München. Alle Lichtsignalanlagen seien so geschaltet, dass man bei Grün gerade mal die Mitte der gegenüberliegenden Fahrbahn erreiche, erläutert Mayer. Dann springe die Ampel auf Rot. Bevor die wartenden Autos wieder losfahren, hat man aber noch ein paar Sekunden „Schutzzeit“, um sicher den Gehweg zu erreichen. Voraussetzung: Man hat eine Gehgeschwindigkeit von 1,20 Meter pro Sekunde und geht bei Grün sofort los. Gehbehinderten ist das nicht möglich.

Das Kreisverwaltungsreferat tauscht sich derzeit bundesweit über die Erfahrungen mit vergleichbaren Ampelsystemen aus. Bayernweit gibt es noch keine vergleichbare Ampelschaltung. Das bayerische Innenministerium hat jedoch für Ebersberg gerade ein Pilotprojekt zur Einführung einer „Seniorenampel“ abgesegnet, bei der Bürger mit Gehschwächen per Chipkarte die Grünphase verlängern können.

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebookseite „Trudering/Riem– mein Viertel“.

Von Carmen Ick-Dietl

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