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Das Imperium der Messe München: Vor allem in China brummt das Geschäft.

In China brummt das Geschäft

Messe München: Rekordgewinn und Platzprobleme

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Die Messe München boomt, und das rasch wachsende Auslandsgeschäft lässt auch am Heimatstandort die Kassen klingeln. Auf dem Gelände in Riem wird bei der Bauma der Platz schon knapp. Angeregt durch die (geplatzten) Stadionpläne des TSV 1860, will die Messe letzte Flächenreserven aktivieren.

Erstmals habe die Messe im vergangenen Jahr die Umsatzmarke von 400 Millionen Euro geknackt, verkündete Messechef Klaus Dittrich am Montagabend bei einer Pressekonferenz. 428 Millionen Euro waren es am Jahresende, und auch der Gewinn vor Zinsen und Steuern lag mit 114 Millionen Euro so hoch wie nie.

Zu verdanken sei das zum einen dem Messekalender, in dem 2016 weltweit mehrere große Messen zusammenfielen. Zum anderen liege es am rasch wachsenden Auslandsgeschäft. An 18 Standorten in zehn Ländern ist die Messe München aktiv, und insbesondere China glänzt laut Dittrich noch immer mit Wachstumsraten über 20 Prozent. Zwar sei im Reich der Mitte schon ein „gesunder Rückgang“ zu beobachten, doch Branchen wie die Umwelttechnik boomten ungebrochen. Einen kommenden Markt sieht Dittrich in Brasilien, wo die Messe gerade eine Tochter aufbaut.

Erstmals hat die Messe 2016 im Ausland mehr eigene Messen veranstaltet als in München, und die Erfahrung zeige, dass München davon profitiert, sagt Dittrich. Der Ausstellerzustrom am Standort München wachse kontinuierlich, „denn wer auf der Ispo Shanghai war, will auch einmal auf die Ispo München“.

Platz wird knapp

Eine Folge: Bei der Bauma, der weltgrößten Baumaschinenmesse, wird inzwischen der Platz knapp – vor allem im Freigelände, das durch den Bau der zwei letzten Messehallen gerade um 30.000 Quadratmeter schrumpft. Bis zur nächsten Bauma 2019 will Dittrich daher neue Flächen aktivieren, teils nördlich der Autobahn („Es gibt ja Brücken“), teils im Umgriff der Messe. Impulsgeber war just eine umstrittene Person. „Hasan Ismaiks Stadionpläne haben uns auf die Idee gebracht“, so Dittrich. Sie hätten gezeigt, dass es noch Flächen gibt. Nachdem die Stadionpläne sich zerschlagen haben, will Dittrich diese Reserven nun selbst nutzen. „Wir sind in guten Gesprächen mit der Stadt.“

Auch bisher als Parkplatz genutzte Flächen will Dittrich nutzen. Busse, so der Messechef, könnten ja auch in den Nachbargemeinden parken, und auch wer mit dem Auto kommt, könnte sein Fahrzeug dort abstellen und in einen Shuttle umsteigen. In Aschheim und Feldkirchen wurde das zur Bauma 2016 bereits praktiziert, mit weiteren Gemeinden sei man in Verhandlung, so Dittrich. Bei den Eigenveranstaltungen in München beweist die Messe ein gutes Händchen: „Alle Kennzahlen liegen über dem Marktdurchschnitt“, betont Dittrich.

„München zählt zu den zehn großen Kongressstandorten in Europa“

Zum guten Ergebnis trägt das Kongresswesen bei. „München zählt zu den zehn großen Kongressstandorten in Europa“, sagt Reinhard Pfeiffer, Vizechef der Messe. Neben den Medizinkongressen – allen voran der europäische Kardiologenkongress mit 30.000 Teilnehmern – gelinge es auch zunehmend, IT-Veranstaltungen nach München zu holen.

Die Stadt profitiert auf mehreren Ebenen: Der Kämmerer bekommt seit Jahren Zinszahlungen auf das städtische Gesellschafterdarlehen überwiesen. Weit wichtiger für die heimische Wirtschaft ist jedoch die sogenannte Umwegrentabilität: Messegäste und mehr noch Kongressbesucher lassen viel Geld in der Stadt. Hotels und Gastronomie, Dienstleister, Einzelhandel und Nahverkehr – sie alle profitieren davon. „Wir haben das einmal vom ifo-Institut untersuchen lassen“, sagt Dittrich. Das Ergebnis: In einem normalen Messejahr spülen die Aktivitäten der Messe 2,6 Milliarden Euro nach München und ins nähere Umland. In einem Bauma-Jahr können es sogar 3,6 Milliarden Euro sein.

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