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Elena Kouptsova mit ihren Töchtern Varja (7) und Alissa (11): Die Mutter klagt, dass es in der Messestadt keinen Kinderarzt gibt

Misere in Stadtgebiet, wo viele Familien wohnen

Eltern-Protest trägt endlich Früchte: „Hilfe! Wir brauchen einen Kinderarzt“

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Wie schnell Eltern in München Hilfe für ihr krankes Kind bekommen, hängt davon ab, wo sie wohnen. In manchen Vierteln sind Kinderärzte rar. In der gesamten Messestadt Riem, wo viele junge Familien wohnen, gibt es bis heute keinen einzigen. Das soll sich jetzt ändern.

3900 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sind in München registriert, und in den Krankenhäusern arbeiten noch einmal fast ebenso viele. Das klingt nach bester Versorgung. Doch nicht alle Disziplinen sind gleich gut besetzt. So gibt es in der Stadt nur 155 niedergelassene Kinderärzte – und deren Praxen sind auch noch höchst ungleichmäßig über das Stadtgebiet verteilt.

Mit Grausen erinnert sich Elena Kouptsova an den Tag, an dem ihre Töchter gleichzeitig krank waren. „Sie hatten einen Ausschlag an den Fußsohlen. Die Große konnte vor Schmerzen kaum laufen“, erzählt die 45-Jährige. „Der Kinderarzt war für uns unerreichbar.“ Denn die Familie wohnt in Riem – dem Stadtteil ohne Kinderarzt.

Wanderschaft von einer Praxis zur nächsten

„Wir waren immer mal wieder woanders – Giesing, Trudering, Schwabing. Jetzt sind wir in Haar“, schildert Kouptsova ihre Wanderschaft von einer Kinderarztpraxis zur nächsten. Für den Notfall kennt sie einen Allgemeinmediziner in der Messestadt. „Er hat uns schon öfter gerettet“, sagt sie und lacht. „Ich glaube, dass das viele Eltern hier machen.“

Norbert Blesch - sein Verein stellt Räume für eine Gemeinschaftspraxis in Riem zur Verfügung.

Die Messestadt Riem ist das kinderreichste Viertel Münchens. 16 000 Einwohner leben dort, 4700 sind unter 18 Jahre alt. Trotzdem gibt es in dem Neubaugebiet keinen Kinderarzt. Ein gefährlicher Missstand, sagt Norbert Blesch, der Geschäftsführer der gemeinnützigen GmbH StartStark, die sich für Kinder und ihre Familien in der Messestadt einsetzt. „Wir wollen nicht die nächste Generation von Kindern und Jugendlichen mit verwaisten Impfpässen und ohne Vorsorgeuntersuchungen.“

Mehr News aus München: Ein Mann wurde in München von einem Trio brutal attackiert. Dabei verlor er das Bewusstsein. An einen Täter kann sich der 23-Jährige besonders gut erinnern.

Dass sich kein Kinderarzt in Riem niederlassen will, liege auch an den Regeln der Ärzte-Verteilung, kritisiert Blesch. Für Hausärzte ende die sogenannte Planungsgröße auf Stadtebene. Das heißt: Sie können sich in München niederlassen, wo immer sie wollen. Ein Blick auf die Verteilung zeigt: Die meisten Kinderärzte sind in Schwabing-Freimann (15), gefolgt von Neuhausen-Nymphenburg (14). In Trudering-Riem gibt es vier, aber kein einziger davon hat seine Praxis in der Messestadt Riem. Im ganzen Stadtbezirk Milbertshofen-Am Hart hat sich nur ein Kinderarzt niedergelassen.

Ruth Waldmann - die SPD-Politikerin hat die Lebensqualität der Ärzte als Auswahlkriterium ausgemacht.

Die Landtagsabgeordnete Ruth Waldmann (SPD) hat beim Hausärzteverband nachgefragt, warum keiner in den Norden wolle. „Die wesentliche Antwort der Hausärzte war ihre persönliche Lebensqualität – gute Schulen für ihre Kinder, eine gute Infrastruktur“, sagte Waldmann bei einer Podiumsdiskussion. Blesch verweist zudem auf Mängel im System: „Unter den kassenärztlichen Rahmenbedingungen kann eine Kinderarztpraxis in Riem wegen der vielen kinderreichen Familien, die sehr häufig kommen, nicht wirtschaftlich betrieben werden.“

Doch StartStark hat gemeinsam mit Partnern ein innovatives Konzept auf den Weg gebracht: Im Juni wird eine Kinder- und Jugendarztpraxis in der Messestadt-West (Werner-Eckert-Straße 10) eröffnen. „Fachärzte, die bereits in einem anderen Stadtteil niedergelassen sind, nutzen die von StartStark bereitgestellten Räume als Gemeinschaftspraxis“, so Blesch. Im September soll noch eine sozialpädagogische Beratung einziehen.

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Derzeit sorgt die für Kitas und Schulen geplante Masern-Impfpflicht für Aufregung: Ärzte üben massive Kritik an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.

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