Jetzt werden ihre Erben verklagt

Mysteriöse Prozesse nach Mord an Truderinger Ehepaar

Der Schock in Trudering war groß, als diese Schreckensnachricht bekannt wurde: Ein Ärzte-Ehepaar, das seit vielen Jahren hier gewohnt hatte, war im September 2015 ermordet worden.

Trudering - An ihrem Zweitwohnsitz in Südfrankreich wurden Dr. Wilhelm B. († 75) und seine Frau Christine († 74) erschlagen, als sie Urlaub machen wollten. Unter dringendem Tatverdacht: ihr Schwiegersohn Klaus O. (40). Doch bis heute ist der Fall juristisch noch nicht aufgearbeitet. Noch immer sitzt Klaus O. in Untersuchungshaft. Zum Prozess kam es bisher nicht. Währenddessen werden nun die Erben des toten Ärzte-Ehepaares verklagt.

23 zivilrechtliche Einzelprozesse hatte das Landgericht für Mittwoch gelistet – jeweils gegen die Erbengemeinschaft, wegen Unterlassung und Anwaltskosten. Doch eigentlich geht es um viel Geld und auch um das Erbe des getöteten Ehepaares, wie aus Justizkreisen und von Familienangehörigen zu erfahren ist.

Die Geschichte beginnt im Jahr 2012. Damals behandelten Wilhelm B. und seine Frau noch Patienten in ihrer Gemeinschaftspraxis. Zudem engagierte sich Christine B. mit ihrer Tochter Doris (40, Name geändert) bei einer spirituellen Yoga-Gruppe in Italien. Über deren Lehre kam es zum Zerwürfnis. Christine B. zog ihre finanzielle Unterstützung zurück. Ihre Tochter brach mit den Eltern, forderte ihren Erbanteil und heiratete Klaus O., der auch Mitglied der Yoga-Gruppe war. In der Folge brach eine Rufmord-Kampagne gegen Christine B. im Internet los. Zudem wurde sie von Mitgliedern der Gruppe mit Strafanzeigen überhäuft.

Im September 2015 der Schock: Das Ärzte-Ehepaar wird in Frankreich ermordet aufgefunden.

„Christine ist guten Glaubens in diese Gruppe gegangen“, sagt ein Mitglied der Familie. „Als sie ausstieg, wurde sie massiv verfolgt. Diese Leute haben mit immer neuen Verfahren versucht, an ihr Geld zu kommen.“ Konkret ging es um Unterlassungserklärungen, die B. hätte abgeben sollen. 5000 Euro drohten bei Verstoß. Aus der Familie heißt es: „Die Vorwürfe waren immer nur ausgedacht.“

Bis heute dauern die Prozesse an. Die Unterlassung ist nach dem Tod aber hinfällig. Trotzdem klagen etliche Mitglieder der Yoga-Gruppe weiter – und füllten am Mittwoch den Gerichtsaal. Innen war die Stimmung angespannt. In 19 von 23 Verfahren lehnten die Kläger den Richter wegen Befangenheit ab. Darüber muss das Gericht nun noch beraten. In den vier übrigen Verfahren wurde ein Vergleich geschlossen. Ob für die Hinterbliebenen nun Ruhe einkehrt, ist ungewiss. Zum Prozess kam kein Angehöriger – aus Angst. 

Der Fall

Das Mittelmeer-Klima genießen. Endlich wieder Ruhe finden und entspannen. Deshalb waren Wilhelm und Christine B. nach Südfrankreich zu ihrem Zweitwohnsitz nahe Marseille gefahren. Dort wurde das Ärzte-Ehepaar am 10. September 2015 von der französischen ­Polizei gefunden: Ermordet im eigenen Ferienhaus! Schwiegersohn Klaus O. (40) soll sie laut Staatsanwaltschaft mit einem Schürhaken erschlagen haben. Er sitzt seither in Untersuchungshaft.

Gemeinsam trauerten die Angehörigen im Oktober 2015 bei der Beerdigung des tief gläubigen Paares in Trudering. „Unsere Eltern haben immer Gewaltlosigkeit gelebt. Und jetzt sind sie durch Gewalt gestorben“, sagten die Kinder bei der Trauerfeier.

Zuvor hatte es schon jahrelang Streit um das Erbe gegeben, nachdem Christine B. sich von der Yoga-Gruppe losgesagt hatte, Tochter ­Doris (Name geändert) aber Mitglied Klaus O. heiratete. „Mit ihr wurde ein gegenseitiger Erbverzicht vereinbart“, heißt es aus der ­Familie. Vor Klaus O. soll sich das Ärzte-Ehepaar gefürchtet haben. Er war ihnen nach Frankreich nachgereist.

mos

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