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Nicht zu übersehen: Maler Franz Rebl vor seinem neu gestrichenen Haus an der Wasserburger Landstraße 204.

Gebäude in ganz Bayern

Das steckt hinter dem bunten Haus von Trudering

Malermeister Franz Rebl und Künstler Carsten Kruse wollen Farbe in Städte bringen – die Resonanz ist unterschiedlich.

München - Kräftiges Rot, dazu leuchtendes Gelb und Orange, dazwischen Akzente in Grün, Lila, Schwarz und Weiß. Mit asymmetrischen Formen in Klecks-Technik statt gerader Linien. Die bunte Fassade des dreistöckigen Gebäudes an der Wasserburger Landstraße sorgt seit Kurzem für Aufsehen in Trudering. Das Haus ist vor allem eins: anders! Die Resonanz vor Ort reicht von toll bis furchtbar.

Hinter der neuen Gestaltung stecken der Münchner Malermeister Franz Rebl und Künstler Carsten Kruse aus Heidelberg. Die beiden wollen mehr Farbe in die Stadt bringen und zeigen, dass Fassaden mehr können als Einheitsgrau. „Kunst für jedermann direkt an der Straße, nicht versteckt in einer Galerie“, erklärt Kruse. Er hat das Design frei Hand auf die Hauswände skizziert, die Fachleute des Malerbetriebs kümmerten sich um den farbigen Anstrich. „Das Gebäude sieht aus, als ob ein Riese das Haus mit einem überdimensionalen Pinsel vollgekleckst hat“, sagt der Künstler. Ein Eindruck, der durchaus so gewollt ist.

Nur eines von vielen in Bayern

Das Waldtruderinger Gebäude ist das mittlerweile 15. Haus dieser Art in Bayern. Mit ihrer Leidenschaft für auffällig bunte Fassaden haben Rebl und Kruse schon für reichlich Wirbel und Gesprächsstoff im Freistaat gesorgt. Das erste Objekt, seine Filiale in Regensburg, eckte 2009 massiv an. Dem städtischen Bauordnungsamt war es schlichtweg zu schrill, man sah den „Tatbestand der Verunstaltung“ erfüllt.

Die Bürger hingegen waren begeistert. Nach monatelangem Streit durfte es am Ende bunt bleiben. Vergangenes Jahr rumorte es dann in Landshut wegen einer Fassade in giftgrünen Farbstufen. Die Stadtverwaltung reichte Klage ein. Weil man das Ortsbild gestört und die Verkehrsteilnehmer abgelenkt sah. Das Gericht entschied pro Kunst.

Derartige Debatten sind durchaus gewünscht, erklären Künstler und Malermeister. „Wir wollen Diskussionen anregen, beispielsweise wie Wände von morgen ausschauen müssen, sollen oder können.“ Bunte Wände seien kein Problem, solange sie nicht gegen Bebauungspläne, Denkmalschutz oder andere Satzungen verstoßen.

Die Häuser haben eine Fangemeinde

Die bunten Häuser haben mittlerweile viele begeisterte Fans. Privatleute kommen auf ihn zu und möchten auch so ein Unikat. Für eine Arztpraxis hat er den Warteraum in dieser Art gestaltet, auch das Pater-Rupert-Mayer-Zentrum in Regensburg hat inzwischen eine kunterbunte Fassade. Das Regensburger Rebl-Haus gibt es sogar in Mini-Ausgabe als Bausatz für die Modelleisenbahn. „Man muss schon auch Mut haben, so aus der Reihe zu tanzen“, ist sich Rebl bewusst. Andererseits bringe so ein buntes Haus aber eben auch Aufmerksamkeit und einen hohen Wiedererkennungswert.

In München existiert schon seit Jahren ein anderes buntes Rebl-Haus. Bei seiner Firmenfiliale am Oertelplatz wurde die Fassade 2011 zum knallbunten Kunstwerk. Auch das Mehrfamilienhaus in Waldtrudering gehört dem Malermeister. Seinen Mietern hat er die ungewöhnliche Fassadengestaltung vorher vorgelegt. Einspruch habe es nicht gegeben. Im Gegenteil: Einigen gefällt die außergewöhnliche Fassade sehr. Was Flippiges und Frisches „tut der Umgebung ganz gut“, sagt eine Mitarbeiterin der Reinigung im Erdgeschoss.

Auf der anderen Seite der Stadt: Schon seit 2011 ist der Rebl-Firmensitz in Allach ausgesprochen farbenfroh.

„Ich möchte für gute Laune sorgen und zeigen, dass an den Wänden mehr möglich ist als die Einheits-Optik, die man in Städten oft findet.“ Besonders Kinder hätten viel Freude an den bunten Häusern, beobachtet Rebl. „Die Eltern müssen oft mehrfach dran vorbeifahren.“ Er ist überzeugt, dass sich die anfängliche Skepsis auch im Münchner Osten schnell legen wird. Zudem passe das Haus in die Gegend. Direkt daneben liegt das Gerätehaus der Feuerwehr – ganz in Rot!

Carmen Ick-Dietl

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