Fürchtet um ihre Wohnung: Helga Rutsch (links) will nicht zum Opfer des Grundstückstausches werden.

Feuerwehr soll umziehen

Warum ein Grundstückstausch der Stadt Anwohner alarmiert

Ein Grundstückstausch der Stadt in Trudering könnte schwerwiegende Folgen haben. Freiwillige Feuerwehr und Rotes Kreuz müssten aus ihren Diensträumen ausziehen. Für die Feuerwehr ist ein Grundstück um die Ecke vorgesehen. Dort fürchten jetzt acht Mietparteien um ihre Wohnungen.

München - Die Stadt hat lange auf dieses Tauschgeschäft hingearbeitet. Erhält sie von einer Privateigentümerin ein Grundstück am Rappenweg, kann sie dort eine Verbindungsstraße zwischen München und Haar bauen, mit der ein großes städtisches Areal in Gronsdorf endlich erschlossen und mit Schulen und Wohnungen bebaut werden kann.

Die Sache hat einen Haken

Im Gegenzug wäre die Stadt bereit, ihr Grundstück an der Truderinger Straße 288 und 290 mit dem alten Truderinger Rathaus herzugeben. Dort plant die künftige Eigentümerin eine Neubebauung, die den Zielen der Stadtsanierung für den Ortskern Trudering entspräche. Mit einer Mischung aus Wohnen und Einzelhandel im Erdgeschoss.

Was sich eigentlich nach einer guten Lösung für beide Seiten anhört, hat einen Haken: Immobilie und Grundstück im Truderinger Ortskern werden derzeit von der Freiwilligen Feuerwehr und dem Roten Kreuz (BRK) genutzt. Käme der Tausch zustande, müssten beide Einrichtungen ihre Standorte voraussichtlich innerhalb der nächsten beiden Jahre räumen.

Man prüft bereits alle Möglichkeiten

Aktuell sind die Tauschverhandlungen zwar noch nicht abgeschlossen, doch das Kommunalreferat hat bereits eine Reihe von Alternativen für Feuerwehr und BRK geprüft. „Für das BRK zeichnet sich eine verträgliche anderweitige Lösung ab“, so Antje Jörg vom Kommunalreferat. Für die Feuerwehr hat man allerdings nur einen Alternativstandort gefunden, der den Anforderungen genügt: Das städtische Grundstück an der Bajuwarenstraße 136-138.

Bevor es die eigenständige Polizeiinspektion 25 gab, war hier bis 2008 eine Polizeiwache als Dependance der Perlacher Inspektion situiert. Lange schon ist hier ein Rettungszentrum im Gespräch, möglicherweise als gemeinsame Unterkunft für BRK und Feuerwehr. Allerdings gab es bisher keine Dringlichkeit für die Planung, zudem sind die BRK-Räume Sache des Innenministeriums.

Damit die Feuerwehr hier unterkommen kann, soll das Gebäude auf 136 abgerissen und durch einen Interimsbau ersetzt werden. Eine entsprechende Bauvoranfrage wurde bereits eingereicht. Das daneben liegende Wohngebäude mit Hausnummer 138 bliebe zwar unberührt, so Jörg, „aber natürlich ändert sich durch die Ansiedlung der Freiwilligen Feuerwehr die Wohnqualität der Bewohner“. Zudem sei noch nicht klar, was in den nächsten Jahren noch passieren werde. „Wie und ob das Gebäude Bajuwarenstraße 138 danach tangiert ist, kann derzeit leider noch nicht beantwortet werden“, erklärt Antje Jörg.

Für die Mieter ist der Plan ein Unding

Für die Mieter des von der städtischen Wohnungsbaugesellschaft Gewofag verwalteten Gebäudes ist der ganze Tausch mit seinen Folgen ein Unding. Acht Parteien leben in dem Haus, das nicht abgerissen werden würde und erst in den letzten Jahren saniert wurde. „Wir sehen nicht ein, warum wir nun büßen sollen“, sagt Helga Rutsch. Seit 55 Jahren wohnt die 73-Jährige in diesem Gebäude, kümmert sich auch als Hausmeisterin um das Anwesen. Die Stadt möge gefälligst ein anderes Grundstück für die Feuerwehr besorgen und nicht den langjährigen Mietern Lebensqualität und bezahlbaren Wohnraum rauben. „Wir wollen auf keinen Fall hier weg.“

Carmen Ick-Dietl

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